Betrugsprozess vor dem Langericht Hof
Heiße Geschäfte mit harten Jungs

Gerd M. (links) und Thorsten B. würdigen sich heute nur noch weniger Blicke. Bild: Joachim Dankbar
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Bayern
11.01.2018
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Ein Prozess vor dem Landgericht Hof führt in die Zuhörer in die Berliner Halbwelt. Die Geschädigten sind Rechtsanwälte, Models und russische Kampfsportler.

Hof/Coburg. Auf den ersten Blick ist es ein ungleiches Duo auf der Anklagebank: Ein 71-Jähriger aus dem Kreis Coburg und ein Mann (46) aus Berlin sind die Hauptangeklagten eines Betrugsverfahrens, das am Donnerstag vor dem Landgericht Hof begonnen hat. Mit anderen sollen sie 2014 und 2015 von elf Anlegern fast zwei Millionen Euro eingenommen und sie um gut 1,3 Millionen Euro gebracht haben. Beide mussten schon einmal vor über 20 Jahren wegen eines Anlagebetrugs vor dem Landgericht erscheinen, beide erhielten damals Freiheitsstrafen.

Der 71-Jährige Gerd M. aus dem Raum Coburg ist ein "alter Kunde" der Hofer Justiz; er wurde schon sechs Mal wegen Betrugs - zum Teil auch zu langen Haftstrafen - verurteilt. Der heute 46-jährige Thorsten B. hatte damals für die Hofer Firma Futura Finanz gearbeitet. Gegen deren damaligen Inhaber Michael T. verhandelt die selbe Kammer aktuell ebenfalls wegen Betrugs. Der Jüngere hatte sich später in Berlin im Immobilien-Geschäft versucht.

Fast 1,3 Millionen Euro

Im aktuellen Fall sollte das Geld der Anleger in Währungsspekulationen investiert werden. Tatsächlich aber hätten beide Angeklagte mit fast 1,3 Millionen Euro den Großteil des Geldes für sich behalten, ist sich die Staatsanwaltschaft sicher. Für die Kunden angelegt wurde überhaupt nichts. Alle Rückzahlungen, die die Anleger zeitweise erhielten, stammten laut Anklage aus eigenen und Einzahlungen anderer Anleger.

Wie fast immer in solchen Fällen wurde den Anlegern suggeriert, dass sie nicht nur fantastische Gewinnchancen haben, sondern ihre Gelder auch absolut sicher seien. Bei dem Geschäft sollte es sich um "binäres High-Speed-Trading" handeln. Grob gesagt, handelt es sich dabei um Wetten auf den Kurs von Währungen, Kursen und Indizes. Wie Staatsanwalt Michael Funck darlegte, kann es bei solch hochriskanten Geschäften keinen 100-prozentigen Schutz geben.

Doch den Anlegern, darunter Bauunternehmer, Hausfrauen, Schauspielerinnen und Rechtsanwälte, war dies offenbar egal. Sie vertrauten darauf, was ihnen ihr guter Bekannter Thorsten B. erzählte: Nämlich dass Gerd M. ein eigenes Computerprogramm habe, das ihm entscheidende Vorteile im Hochgeschwindigkeitshandel verschaffe.

Prügel vom Bauunternehmer

Beide Angeklagte schieben sich gegenseitig die Schuld zu: Thorsten B. erklärte den Richtern, dass er geglaubt habe, Gerd M. sei nun ein seriöser Geschäftsmann geworden, als dieser sich 2014 wieder an ihn wandte. Für ihn hatte das neue Engagement einschneidende Folgen: Ein russischer Bauunternehmer, der seine 700 000 Euro wiederhaben wollte, verprügelte ihn brutal und trennte mit einem Küchenmesser drei seiner Finger fast vollständig ab.

Gerd M. wiederum versicherte, dass sich Thorsten B. an ihn gewandt habe, um neue Geschäfte zu machen. Die in der Anklageschrift genannten Anleger entstammten alle dem Lebensumfeld von Thorsten B., er habe sie alle nicht gekannt. Das Geld sei ihm praktisch aufgezwungen worden, schilderte Gerd M.. Da habe er es über seine USA-Firma investiert. Mit großem Erfolg übrigens, sagt er: Aus einer Million Anlegergelder seien in anderthalb Jahren über 23 Millionen Euro geworden. Leider nur auf dem Papier: Als es dann an die Auszahlung ging, sei der Broker spurlos verschwunden. Mit ihm die realen Gelder und die Gewinne.
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