19.04.2016 - 02:10 Uhr
Deutschland & Welt

Beweise reichen nicht aus Freispruch für Rocker

Zwei Rocker-Banden rivalisieren. Ein Mann wird bei einer Prügelei schwer verletzt. Sechs Männer müssen vor Gericht - doch am Ende erhalten sie alle Freisprüche.

von Agentur DPAProfil

Bayreuth. Mit Freisprüchen für alle sechs Angeklagten ist der Rocker-Prozess von Oberfranken zu Ende gegangen. Das Landgericht Bayreuth folgte damit am Montag den Plädoyers der Verteidigung. Auch die Staatsanwaltschaft hatte zuvor nur für eines der angeklagten Bandenmitglieder eine Gefängnisstrafe von einem Jahr auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 2000 Euro gefordert - wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung.

Attacke auf Banden-Chef

Angeklagt waren sechs Männer, vier wegen versuchten Totschlags und zwei wegen Körperverletzung. Die Anklage hatten ihnen vorgeworfen, im September 2010 den Chef einer rivalisierenden Rockerbande in Goldkronach (Kreis Bayreuth) bei einer Prügelei massiv verletzt zu haben. Die Männer hätten den Mann nachts unter einem Vorwand nach draußen gelockt, ihn umzingelt und ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Dem am Boden liegenden Opfer sollen sie Tritte gegen den Oberkörper und den Kopf zugefügt haben.

Als die Freundin des Opfers eingreifen wollte, sollen die Angeklagten ihr Haare ausgerissen und sogar einen Finger gebrochen haben. Besucher eines nahe gelegenen Vereinsheims verständigten die Polizei. Als diese eintraf, flohen die mutmaßlichen Täter mit ihren Motorrädern.

"Es war ein feiger und ein völlig überzogener Übergriff", sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Doch nur einen der sechs Angeklagten sah die Anklagebehörde nach der Beweisaufnahme als überführt an. Den anderen Männern könne nicht nachgewiesen werden, dass sie an dem Übergriff beteiligt gewesen seien. Die Zeugenaussagen zu der Tat seien widersprüchlich und teilweise nicht nachvollziehbar.

Vermutungen reichen nicht

Das Gericht sprach schließlich alle sechs Angeklagten frei. Man müsse davon überzeugt sein, dass die Angeklagten am Tatort gewesen seien. Das aber sei nach der Beweisaufnahme nicht möglich gewesen, sagte der Richter. "Ich kann nicht mit Vermutungen arbeiten."

Der Prozess war in einem ersten Durchlauf - im vergangenen Sommer - geplatzt, weil im letzten Moment noch ein Beweis-Antrag gestellt wurde. Es ging um DNA-Spuren auf einer Kutte. Die Analyse habe allerdings keine Spuren zum Vorschein gebracht, die auch nur einem der Angeklagten eindeutig zugeordnet werden konnten, sagte der Richter nun in der Urteilsverkündung in der Neuauflage des Verfahrens. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Es war ein feiger und ein völlig überzogener Übergriff.Staatsanwalt im Plädoyer
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