Bewerbung mit gewissem Extra - So fallen Jobsuchende auf, übertreiben es aber nicht
Aus der Masse herausstechen

Gut strukturiert und möglichst kurz: Solche Bewerbungen fallen Personalern positiv auf. Bild: tmn/Monique Wüstenhagen
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Bayern
08.09.2017
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Der eine Bewerber sein, der gefällt und schließlich eingestellt wird - dieses Ziel hat wohl jeder Jobsuchende. Übertreiben kommt jedoch nicht gut an, besser sind gezielte Extras. Doch wie gelingt eine Bewerbung mit Überraschungseffekt?

Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse - so sieht die 08/15-Bewerbung aus. "Auch Online-Bewerbungen, die direkt über Bewerbungsportale der Arbeitgeber ausgefüllt werden, entsprechen leider häufig Schema F", sagt Karriereberater Jürgen Zech. Denn die Form der Bewerbung ist häufig sehr stark vorgegeben. Dennoch gebe es einige Möglichkeiten, Individualität zu zeigen und sich von der Masse abzuheben.

Das gewisse Extra

Wer sich online für einen Job bewerben muss, kann zunächst einmal nicht viel tun, außer vorgegebene Felder auszufüllen. Erst beim Anhang wird es interessant: Neben Lebenslauf oder Zeugnissen kann hier etwas persönlich Gestaltetes hochgeladen werden, etwa ein PDF mit Arbeitsproben.

Wer sich im Reisebüro bewirbt, kann zum Beispiel eine Grafik basteln, die zeigt, welche Orte der Welt man selbst schon bereist hat. "Angehende Volontäre, die sich bei einer Zeitung bewerben, können zum Beispiel statt alter Arbeitsproben ein selbst gestaltetes Interview mit sich selbst im Zeitungsstil kreieren", nennt Zech ein weiteres Beispiel. Im Anhang hat man die Gelegenheit, noch ein Stück Persönlichkeit mitzuschicken. Das sollten Jobsuchende auf jeden Fall nutzen.

Ähnliches gilt für die Bewerbung per Post. Karrierecoach Jürgen Hesse empfiehlt, auch hier für einen Überraschungseffekt zu sorgen. Knallgelb und im A2-Format muss die Bewerbung dafür nicht sein:

"Zu viele Extras und Übertreibungen kommen nicht so gut an", warnt der Experte und empfiehlt, lieber gezielt Kontraste zu setzen. "Entweder ein besonderes Papier oder Format oder eine besondere Farbe oder Schrift - aber nicht alles zusammen." Wer im kreativen Bereich arbeitet, kann das Anschreiben etwa in einer besonderen Schrift gestalten, die man selbst entworfen hat. Eine andere Option ist, den Lebenslauf mit grafischen Elementen ungewöhnlich darzustellen.

Die Edel-Bewerbung

Dass eine Bewerbung auf keinen Fall kreischbunt sein muss, um Personalern ins Auge zu fallen - davon ist Bewerbungscoach Christine Werner überzeugt: "Heute gilt die Devise, weniger ist mehr."

Gerade in Branchen, die eine hohe Bewerberquote haben, fallen diejenigen Bewerbungen auf, die klar strukturiert sind. "Der Leser sollte sofort wissen, wen er da vor sich hat."

Statt eines Anschreibens in Romanlänge und seitenlanger Detailverliebtheit im Lebenslauf, gilt die pure Essenz: "Konzentrieren Sie sich in Ihrer Bewerbung auf die Punkte, die Sie für den Job prädestinieren und heben Sie diese gezielt hervor."

Dabei sei es clever, Worte aus der Jobanzeige zu wiederholen. Wird jemand gesucht, der teamfähig und zuverlässig oder mit hoher sozialer Kompetenz ausgestattet ist? "Dann bringen Sie diese Formulierungen in Ihrem Anschreiben und im Lebenslauf unter."

Werner empfiehlt, ergänzend ein Kurzprofil im Lebenslauf unterzubringen, direkt unter dem Wort Lebenslauf: "Und zwar mit drei Bullet Points, die Sie perfekt beschreiben und auch Wörter aus der Stellenbeschreibung aufgreifen." Beispiel? "Marika Muster, Ihr Gärtner-Azubi mit Blick fürs Ganze, zupackend, pünktlich, kollegial" oder "Emil Exempel, Ihr angehender Erzieher, empathisch, zuverlässig, krisenfest".

Überraschung oder Gießkanne

Wer sich nicht nur auf die digitale oder postalische Bewerbung verlassen möchte, sollte selbst aktiv werden, sagt Hesse. Der Frontalangriff für Mutige: Sich persönlich vorstellen - und zwar ohne Termin. Er empfiehlt: "Ein angehender Konditor kann zum Beispiel ein kleines Törtchen vorbeibringen, um seine Backkunst zu demonstrieren."

Wichtig, um in Erinnerung zu bleiben: eine Visitenkarte mit den Kontaktdaten. "Sinnvoll ist dabei auch eine Internetadresse mit weiterführenden Informationen zur eigenen Person." Oder eine Präsentation zum Anklicken, etwa als Video oder PDF. "Konzentrieren Sie sich dabei auf drei Punkte", rät Werner. Wer bin ich? Was habe ich bisher gelernt? Warum passe ich in den Betrieb? Wer offen für verschiedene Arbeitgeber ist, kann seine Bewerbungs-Taktik auch ganz breit aufstellen. Zech empfiehlt, einen hochwertigen und aussagekräftigen Flyer mit Foto und Mini-Lebenslauf zu erstellen und nach einer kurzen Vorstellung bei potenziellen Arbeitgebern etwa auf einer Messe zu verteilen.

Auch hier ist es sinnvoll, dass es eine Internetadresse mit weiterführenden Informationen gibt. Wichtig: sich die Kontaktdaten der angesprochenen Person notieren und sich nach zwei bis drei Wochen telefonisch noch einmal in Erinnerung rufen.

Das besondere Foto

Egal für welchen Job man sich bewirbt: Ein Foto aus dem Automaten geht gar nicht, sagt Zech. "Ein gutes Bild ist in vielen Bewerbungen schon die halbe Miete."

Bei vielen, eher konservativen Jobs ist ein klassisches Porträtbild erforderlich, allerdings zähle auch hier die Qualität. In vielen anderen Berufen bietet das Bild etwas mehr Spielraum zur positiven Selbstinszenierung. "Wichtig ist, dass man sympathisch und kompetent rüberkommt. Das Bild sollte für einen Aha-Effekt sorgen." (tmn)
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