19.10.2017 - 20:06 Uhr
Deutschland & Welt

Busse ohne Fahrer vorgestellt Fahrerlos durch Bad Birnbach [Aktualisierung]

Die Metro in Paris, die U-Bahn in Nürnberg: Ab Mittwoch gibt es eine ähnliche Attraktion in Bad Birnbach. Die Deutsche Bahn stellt den führerlosen Shuttle-Bus "ioki" vor. Ganz alleine darf er jedoch nicht unterwegs sein.

Mit "ioki" bringt die Deutsche Bahn autonomes Fahren in den öffentlichen Verkehr. Der erste dieser Elektrobusse ist bald in Bad Birnbach unterwegs. Bilder: Pablo Castagnola/Deutsche Bahn AG (2)
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Bad Birnbach. Knapp vier Meter lang und fast zwei Meter breit: "ioki" ist die neue Attraktion in Bad Birnbach. Das Gefährt ähnelt etwas einer Kehrmaschine ohne Besen. Statt einem Mitarbeiter des Bauhofs transportiert der autonom fahrende Mini-Bus bis zu zwölf Personen.

Niederbayern bekommt mit "ikoi" am Mittwoch, 25. Oktober, den deutschlandweit ersten selbstständig fahrenden Bus. Er soll im Kurort auf seine Alltagstauglichkeit hin getestet werden, hieß es in einer Mitteilung der zuständigen Regierung der Oberpfalz von Donnerstag. Die Oberpfalz ist für diesen Fall bayernweit die einzige Genehmigungsbehörde und befugt, derartige Ausnahmegenehmigungen von den technischen Normen der Straßenverkehrszulassungsordnung zu erteilen.

Der Bus hat sechs Sitz- und sechs Stehplätze und wird im Shuttleprinzip auf einer knapp 1,5 Kilometer langen Strecke zwischen der "Rottal-Terme" und dem Ortszentrum verkehren. Seinen Weg finde das elektrisch angetriebene Fahrzeug mit Hilfe von "speziellen Systemen aus Kameras, Abstandsmessern, Sensoren und einem GPS-Modul", hieß es laut Mitteilung. Damit erkennt der Bus Hindernisse und bremst.

Auf bestimmten Straßen

"Das Gefährt hat weder Lenkrad noch ein dezidiertes Vorne und Hinten", schreibt der Hersteller Easymile auf seiner Homepage über das Fahrzeug, das er EZ10 nennt. Der Vorteil ohne Front und Heck: "Überall auf seiner Route kann EZ10 ganz einfach die Richtung ändern."

Ganz alleine darf das Fahrzeug jedoch noch nicht unterwegs sein. Es ist immer ein sogenannter Sicherheitsoperator dabei. "Das ist ein Mensch, der mitfahren muss und schaut, dass nichts passiert und die Wege frei sind", erklärt Thomas Hofbauer. Das liege am Gesetz. Auch bei Tests für führerlose Lastwagen auf Autobahnen sitze ein Sicherheitsoperator in der Führerkabine. "Vorerst muss noch jemand im Shuttle-Bus dabei sein", sagt der Pressesprecher des Landratsamts Rottal-Inn. Sollte das Gesetz geändert werden und führerloses Fahren ohne Aufpasser möglich sein, will das Landratsamt auf den Operator verzichten.

Der Minibus darf nur auf einer besonderen, von den Straßenverkehrsbehörden in Niederbayern bestimmten Strecke eingesetzt werden. Teilweise ist er auf einer Extrastraße alleine unterwegs. Im Markt teilt er sich die Straße mit Autos und anderen Verkehrsteilnehmern.

Tests in Berlin und Leipzig

Aus Sicherheitsgründen sei der Fahrbetrieb auf maximal 15 Stundenkilometer beschränkt worden. Laut Hersteller könne der Bus bis zu 40 Kilometer pro Stunde schnell werden.

Erste Testfahrten habe es bereits im Frühjahr bei der Präsentation des Busses in Niederbayern gegeben. "Gerade in ländlichen Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte besteht großes Potential mit On-Demand-Lösungen den öffentlichen Verkehr nachhaltiger und effizienter zu gestalten und individuelle Mobilität ohne eigenes Auto zu ermöglichen", teilte die Deutsche Bahn zu seinem Projekt "ioki" mit. Testfahrten gab es laut Kathrin Werner, Pressesprecherin der Deutschen Bahn, auch schon in Berlin und Leipzig. 2018 folgen Versuche für autonomes Fahren in Hamburg. Einen Kaufpreis für die Gefährte kann Steffen Rutsch, Sprecher Digitalisierung bei der Deutschen Bahn, nicht nennen. Denn: "Die Busse sind nicht gekauft, wir mieten sie."

Erfunden wurde die fahrerlosen Shuttle-Busse vom französischen Startup-Unternehmen Easymile. Die Firma mit Sitz in Toulouse besteht erst seit 2014. Sie hat inzwischen 90 Mitarbeiter in Frankreich, Singapur und Denver (USA). Easymile entwickelt Software sowie smarte Omnibusse für autonomes Fahren.

In wenigen Jahren hat die Geschäftsidee an Beliebtheit gewonnen. Die Fahrzeuge ohne Chauffeur verkehren bereits in Darwin (Australien), Dubai, San Sebastian (Spanien), Helsinki, Lausanne und Singapur. "Wir wissen von keinem Unfall", sagt Rutsch. Easymile war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Schon 1,5 Millionen Personen haben laut seinen Angaben die Minibusse schon genutzt. Am Mittwoch, 25. Oktober, 10 Uhr, fand die erste Fahrt in Bad Birnbach statt. Seitdem können ihn auch Passanten nutzen.

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