04.07.2017 - 09:55 Uhr
Deutschland & Welt

Bustragödie bei Münchberg: Hohe Strafen für Gaffer [Aktualisierung] Toter Busfahrer unter Verdacht

Münchberg. Der Tag nach dem verheerenden Busbrand auf der Autobahn A9 in Nordbayern steht im Zeichen der Ursachenforschung. Die 30 Überlebenden der Katastrophe sollen - soweit das möglich ist - befragt werden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken am Dienstag.

von Agentur DPAProfil

"Das wird sicher nicht heute abgeschlossen werden", erklärte der Sprecher. Bei der Suche nach der Ursache für den verheerenden Busunfall auf der Autobahn 9 konzentrieren sich die Fahnder allein auf den gestorbenen Fahrer als möglicher Verursacher. Gegen andere Menschen werde nicht ermittelt, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Geprüft würden aber auch mögliche technische Fehler. Das Unglück mit 18 Toten und 30 Verletzten nahe Münchberg in Bayern hat eine Debatte über schärfere Sicherheitsvorgaben für Busse ausgelöst. Zudem könnte nach dem Busbrand vom Montagmorgen zum ersten Mal die jüngste Gesetzesverschärfung gegen Gaffer angewandt werden.

Härtere Strafen für Gaffer

Angesichts des Busunfalls müssen sich Autofahrer auf höhere Strafen für das Blockieren von Rettungsgassen einstellen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will die Geldbuße von bisher 20 Euro verzehnfachen. Notgassen-Blockierern sollten mindestens 200 Euro und zwei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei drohen, in schweren Fällen zudem ein Monat Fahrverbot.

Firmensitz durchsucht

Ein Reisebus mit 48 Menschen an Bord war bei sich stauendem Verkehr auf einen Sattelzug aufgefahren und sofort in Brand geraten. 18 Menschen starben in den Flammen, unter ihnen der 55 Jahre alte Fahrer. Der Firmensitz des Busunternehmens in Sachsen sei durchsucht worden, teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die
Staatsanwaltschaft Hof mit. Dabei seien Unterlagen in Bezug auf den Bus, den 55 Jahre alten Fahrer und seinen überlebenden Kollegen sichergestellt worden. «Deren Auswertung wird mit Nachdruck betrieben.»

Die Brandursache ist noch nicht geklärt. Zwei Sachverständige für Verkehrsunfälle und Brände hätten keine Hinweise darauf gefunden, dass der Reisebus schon vor dem Aufprall auf den Sattelzug gebrannt hat. «Vieles spricht dafür, dass bei dem Bus erst aufgrund der Kollision mit dem Anhänger Feuer ausgebrochen ist», hieß es.

Seelsorger überbringen Todesnachricht

Von den 30 Verletzten hätten 7 Leichtverletzte die Krankenhäuser wieder verlassen. Bei 3 der 23 Opfer, die noch in den Kliniken behandelt werden, bestehe weiterhin Lebensgefahr. Die meisten Fahrgäste kamen aus Sachsen. Angaben zur genauen Herkunft der Opfer machte die Polizei bislang nicht. Noch am Montag hätten Patienten die Heimreise angetreten, zumeist mit Hilfe von Angehörigen, teilte das Sozialministerium in Dresden mit. Für Mittwoch stehe ein weiterer Rücktransport fest. Notfallseelsorger hatten die Polizei in Sachsen begleitet, als sie mehr als einem Dutzend Angehörigen Todesnachrichten überbrachte. Der Lastwagenfahrer war körperlich unverletzt geblieben, erlitt aber einen Schock.

Diskussion um Notbremssysteme

Um solche Unfälle nicht zu vermeiden, seien nicht abschaltbare Notbremssysteme wichtig, die auf Stau-Enden reagierten, sagte Professor Hermann Winner, Experte für Autonomes Fahren an der TU Darmstadt. Baden-Württemberg denkt über eine Bundesratsinitiative zum obligatorischen Einsatz von Notbremssystemen für Busse nach.

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