21.03.2018 - 21:06 Uhr
Deutschland & Welt

"Der Hundeflüsterer" Cesar Millan im Interview "Liebevolle Härte"

Cesar Millan ist der bekannteste Hundetrainer der Welt. Egal ob chronischer Kläffer, bissiger Beagle oder sturer Schäferhund: Es gibt kaum einen Problemfall, den er nicht therapieren kann. Im Interview mit Oberpfalz-Medien erzählt der US-Star, warum sich Kindererziehung kaum von der eines Hundes unterscheidet.

Für sein besonderes Gespür für die Bedürfnisse der Vierbeiner ist der "Hundeflüsterer" Cesar Millan weltberühmt. Im Interview verrät er, wie es jedem gelingen kann, ein gutes Verhältnis zu seinem Hund zu entwickeln. Bild: Kai-Heimberg
von Julia Hammer Kontakt Profil

Garmisch-Partenkirchen. Der Mann ist ein echter Profi. Kaum jemand hat ein so feines Gespür für die Bedürfnisse und das Verhalten von Hunden. Dieses Talent machte Cesar Millan ebenso berühmt wie umstritten. Doch der 48-Jährige ist sich im Gespräch mit unserer Redaktion sicher: Seine oft rabiaten Methoden sind der richtige Weg, um die Vierbeiner zu erziehen, denn er ist der "Hundeflüsterer" und weiß, was er macht.

Was kann der Mensch vom Hund lernen?

Cesar Millan: Im Augenblick zu leben, jeden Moment zu genießen und so zu nehmen, wie er kommt. Vertrauen, Respekt, Liebe und Loyalität. Hunde sind nicht nachtragend. Ihnen sind Geld und Macht nicht wichtig. Deshalb spielt es für sie keine Rolle, ob das Herrchen eine arme oder reiche Person ist. Hunde lieben bedingungslos - solange sie gut behandelt werden. der Mensch gut und mit Respekt behandelt.

Lässt die Rasse des Hundes auf den Charakter des Besitzers schließen? Ist ein Dobermann-Herrchen ein aggressiver Mensch, der eines Mopses träge?

Das sagt überhaupt nichts aus. Oft suchen sich auch nicht die Menschen die Hunde, sondern die Tiere das Herrchen aus. Ein Dobermann ist nicht grundsätzlich ein aggressives Wesen, auch ein Mops kann aktiv und hibbelig sein. Ich habe auch einen Mops, und ich bin alles andere als träge (lacht). Nein, aufgrund der Hunderasse kann man nicht auf den Charakter des Besitzers schließen. Beim Verhalten ist das etwas anderes. Das ist anerzogen, durch den Umgang mit dem Hund geprägt.

Wer ist schwieriger zu therapieren, der Hund oder der Besitzer?

Das ist eine leichte Frage. Ganz klar die Besitzer (lacht). Menschen sind oft resistent für Ratschläge.

Was ist der größte Fehler, den wir im Umgang mit Hunden machen?

Mangelnde Konsequenz. Außerdem behandeln wir Hunde zu lange wie ,Babies'. Ein Mops - ich habe einen - ist kein Welpe mehr, wenn er drei Jahre alt ist. Auch, wenn er noch so aussieht. Aber eigentlich steckt er schon mitten in der Pubertät. So sollte man auch mit ihm umgehen. Kein Welpenschutz. Klare Anweisungen, klare Konsequenzen, wenn er nicht auf das hört, was man sagt.

Oft werden Hunde wie Familienmitglieder behandelt. Können Hunde denken und fühlen?

Natürlich können sie das. Sie reagieren auf Situationen, merken sich eigenes Fehlverhalten, wenn sie bestraft werden. Gleichzeitig nehmen sie die Stimmung von uns wahr. Viele kennen die Situation: Wenn man traurig ist, niedergeschlagen, dann weicht einem der Hund nicht mehr von der Seite. Er merkt, dass man Aufmunterung braucht. Natürlich versteht er es nicht, wenn man ihm seine Probleme erzählt, aber er nimmt Empfindungen wahr - und ist dann für uns da.

Ist es in Ordnung, wenn der Hund mit im Bett schläft?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen. Er darf sich allerdings dazu legen, wenn es ihm das Herrchen erlaubt. Die Besitzer entscheiden, wann er ins Bett darf und wann nicht. Der Hund muss das akzeptieren und das Bett nicht als sein Territorium sehen. Denn das könnte nach kurzer Zeit zu Problemen führen - vor allem, wenn er dem Herrchen keinen Platz mehr lässt oder eifersüchtig auf den Partner wird.

Ihre TV-Sendung "Dog Whisperer" ist sehr erfolgreich. Sie lesen in Hunden, ordnen sich ihnen über. Funktioniert das auch mit Katzen?

Ich denke, dass sich meine Methoden auf ganz viele Tiere übertragen lassen. Warum auch nicht? Es gibt klare Regeln: Keine Berührung, kein Ansprechen, kein Augenkontakt. Man muss eine Rangordnung etablieren und den Hunden zu verstehen geben, dass sie sich so verhalten sollen, wie der Chef im Rudel - in dem Fall der Mensch - es möchte. Diese Methoden funktionieren ja auch bei Kindern.

Sie haben zwei Söhne - Calvin und Andre. Haben Sie die auch nach diesem Schema großgezogen?

Natürlich. Das Schema bleibt das Gleiche. Kinder müssen lernen, dass es Konsequenzen hat, wenn sie etwas falsch machen. Gleichzeitig werden sie dafür belohnt, wenn sie etwas richtig machen. Auch da funktioniert die Methode: Keine Berührung, kein Ansprechen, kein Augenkontakt. Jemanden ignorieren ist manchmal viel effektiver als böse Worte. Meine Söhne haben das schnell verstanden.

Ihre Methoden werden oft kritisiert. Wie gehen Sie damit um?

Viele machen sich ein Bild von meiner Arbeit, indem sie einen kurzen Clip im Internet von mir sehen. Das ist aus dem Zusammenhang gerissen, sie machen sich nicht die Mühe, wirklich zu verstehen, worum es mir bei meiner Arbeit mit den Tieren geht. Dadurch werden meine Methoden oft missinterpretiert.

Bei Ihrer Arbeit mit Hunden setzen Sie immer wieder Elektro- und Würgehalsbänder ein. Ist das nicht Tierquälerei?

Ich setze sie nicht willkürlich ein. Ich bin Profi, habe jahrzehntelange Erfahrung und weiß genau, was ich mache. Ich habe Hunderte Hunde resozialisiert, den Besitzern beigebracht, wie sie richtig mit ihnen umgehen müssen. Oft waren diese Hunde vorher sehr aggressiv, haben in manchen Fällen sogar Menschen gebissen. Manchmal ist der Einsatz von derartigen Halsbändern einfach die richtige Lösung. Und vor allem: Kein Tier kommt dabei zu Schaden.

"Once Upon A Dog"-Tour 2018 in Nürnberg

Der "Hundeflüsterer" Cesar Millan kommt in diesem Jahr mit seinem neuen Programm "Once Upon A Dog" zurück in die Arenen Deutschlands - und macht dabei auch einen Abstecher in Bayern: Am Mittwoch, 4. April, tritt der weltberühmte Hundecoach und Motivator um 20 Uhr in der Olympiahalle in München auf.

Einen Tag später, am 5. April, dürfen sich die Fans auf einen Auftritt des US-Stars in der Arena Nürnberger Versicherung in Nürnberg freuen. Los geht es ebenfalls um 20 Uhr. Der 48-jährige Cesar Millan geht in seinem Programm Fragen des Zusammenlebens zwischen Hund und Herrchen nach: Wie gestaltet sich eine gelungene Beziehung und was trägt dazu bei, dass sie misslingt? Was mache ich für einen Eindruck auf meinen Hund und wie reagiert er darauf? Anhand von Erinnerungen und mittels Live-Demonstrationen entwickelt Millan eine Geschichte der Auf und Abs im Leben mit den Vierbeinern. (juh)

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter % 0961/85-550, 09621/306-230 oder unter 09661/8729-0

Cesar Millan

Er ist berühmt, beliebt, wird aber auch kritisiert. Bekannt wurde der 48-jährige Cesar Millan durch seine Fernsehsendung "Der Hundeflüsterer", die auf "Sixx" ausgestrahlt wird. Der gebürtige Mexikaner wanderte mit 21 Jahren illegal in die USA ein, wo er als Hundefriseur, später als Tierarzthelfer und Hundepfleger arbeitete. Unterstützt von Jada Pinkett Smith gründete er die "Pacific Point Canine Academy" und einige Jahre später das "Dog Psychology Center". Zudem tourt er mit Programmen um die Welt. (juh)

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