Deutscher Grillmeister aus der Oberpfalz
Martin Schulz auf der Jagd nach der perfekten Kruste

"Bayerischer Grillbauch trifft Asia Burger" - unter anderem mit diesem Gericht wurde Martin Schulz Sieger bei den deutschen Grillmeisterschaften in Fulda (Hessen). Es war Teil der Menüfolge, mit der Schulz und sein Team "Grill-doch-mal" die Jury überzeugten. Bilder: Frank Rumpenhorst/dpa
Vermischtes BY
Bayern
11.08.2017
403
0
 
Martin Schulz (38) aus Berg bei Neumarkt ist hauptberuflich im Software-Vertrieb tätig. Nebenher betreibt er eine Grillschule - die Kurse sind ausgebucht.
Von Hannes Lehner

Martin Schulz ist der neue Grillkönig Deutschlands. Der 38-Jährige aus Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz gewann mit seinem Team die deutschen Grill-Meisterschaften. Ein Gespräch über Wintergrillen, aufwendige Projekte - und den größten Fehler der Hobbygriller.Berg. Schulz, im Hauptberuf, Software-Vertriebler, gewann mit seinem Team "Grill-doch-mal" bei den Deutschen Meisterschaften in Fulda.

Der Oberpfälzer setzte sich nach einem zweiten Platz im Vorjahr diesmal in der Profiklasse gegen die Grillkonkurrenz durch. Schulz servierte unter anderem eine Kreation namens "Bayerischer Grillbauch trifft Asia Burger". Das Brötchen wurde - getreu der Devise das "Auge isst mit" - mit Rote Beete-Saft gefärbt. Bewertet wurden die Kreationen von einer rund 130-köpfigen Jury.

Herr Schulz, was ist ihr Lieblingsgrillgericht?

Martin Schulz: Schäufele. Das ist mal was anderes. Fränkisches Schäufele aus dem Backofen kennt ja fast jeder. Ein schön gegrilltes Schäufele hingegen haben die wenigsten schon mal gegessen. Dabei schmeckt das echt gigantisch. Heute früh war ein Fernsehteam bei uns. Denen hab ich auch Schäufele gegrillt. Da ist nichts mehr übrig. Die haben alles verputzt.

Und wie grillen Sie Schäufele?

Die mache ich in einem Keramik-Grill. Das ist ein keramisches Ei, das fast so aussieht wie ein Kugelgrill, nur dass der untere Teil deutlich tiefer ist. Dieser Grill hat außen eine Metallgussoberfläche. Die innere Seite ist komplett mit zweieinhalb Zentimeter dickem Schamott ausgekleidet. Dadurch ist im Grill eine supertrockene Hitze. Gerade bei Schäufele, wo ich eine schöne Kruste will und sehr viel wegdampfen muss, hab ich bei einem normalen Grill das Problem, dass die Feuchtigkeit im Garraum bleibt und die Kruste nicht so richtig schön wird. Die Schamottoberfläche hingegen nimmt viel Flüssigkeit auf und gibt sie später wieder langsam ab. Da kriegen Sie die perfekte Kruste hin.

Es gibt verschiedene Philosophien. Die einen schwören auf Kohle, die anderen auf Gas. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Ich bin tatsächlich eher ein Kohleverfechter. Wobei es verschiedene Gänge gibt, die nur auf dem Gasgrill funktionieren. Das Dessert zum Beispiel - da können Sie ohne Gasgrill eigentlich gar nichts machen. Ich bin ein Freund des Kugelgrills oder des Smokers, weil man da einfach den Grillvorgang besser zelebrieren kann. Man zündet die Kohle an, setzt sich hin, trinkt ein Bierchen, schaut, dass alles passt.

Wie oft wird bei Ihnen gegrillt?

Es gibt auch mal Nudeln. Aber sonst schon sehr häufig.

Zuletzt kam im Grillbereich ein neuer Trend auf - Wintergrillen. Was halten Sie davon?

Es kommt immer drauf an, was man grillen will. Bei minus 20 Grad im Winter macht es weniger Spaß, den ganzen Nachmittag ununterbrochen mit kalten Händen am Grill zu stehen. Aber wenn Sie verschiedene kleine Gerichte zubereiten, etwa mal ein Reh, dann kann das auch im Winter viel Spaß machen. Wenn da ein bisschen Schnee liegt und es zu Schneien beginnt, dann kann das wirklich schön sein.

Auf was muss man beim Wintergrillen achten?

Auf die Temperatur. Die Grillzeiten, die sie im Sommer bei 25 Grad Außentemperatur haben, sind im Winter deutlich länger.

Um wie viel?

Hier gilt der Faktor 1,5. Dennoch kann man das nicht pauschal überall anwenden.

Dann nehmen wir mal ein Steak.

Ich schau da gar nicht mal auf die Uhr. Ich muss das Steak sehen und immer wieder einen Blick in den Grill werfen.

Aber wenn Sie ständig den Deckel öffnen, geht doch Hitze verloren, oder?

Genau. Sobald Sie den Grill ganz aufmachen, geht dieser Backofeneffekt verloren. Deshalb mache ich den Deckel immer nur einen kleinen Spaltbreit auf.

Und woran erkennen Sie, dass das Steak fertig ist?

Das perfekte Steak geht so: Wenn auf der Oberfläche leichte Wasserperlen auftauchen, drehen Sie das Steak ein einziges Mal um und warten, bis wieder diese kleinen Wasserperlen erscheinen. Dann das Steak sofort vom Grill nehmen, mit Salz und Pfeffer würzen, in Alufolie einpacken und auf der Arbeitsfläche zehn Minuten liegenlassen - nicht im Grill, sondern daneben. Anschließend haben Sie ein echtes Geschmackserlebnis.

Was kommt bei Ihnen nicht auf den Grill?

Mariniertes Fleisch aus dem Supermarkt.

Das Außergewöhnlichste, das bei Ihnen auf dem Grill gelandet ist?

Ein amerikanischer Turducken.

Was ist denn das?

Das ein Truthahn, den man bis auf die Flügel komplett von seinen Knochen befreit, ohne dabei die Haut zu verletzen. Ihn diesen Truthahn kommt eine Ente, bei der man das gleiche gemacht hat. Und in die Ente kommt ein Hühnchen ohne Knochen. Zwischen den einzelnen Lagen ist eine Art Semmelknödelmasse und ein bisschen Gemüse. Insgesamt kommen da zwischen zehn und 15 Kilo Fleisch zusammen, das dauert auf dem Smoker etwa 15 Stunden.

Allein schon die Zubereitung klingt langwierig.

Auch das kostet mehrere Stunden Zeit.

Was ist der größte Fehler, den Hobbygriller begehen?

Sie grillen mit zu viel Hitze. Meistens wird der Kugelgrill halb voll mit Kohle gemacht. Das gibt Temperaturen von über 400 Grad. So viel Hitze braucht man nicht. 300 Grad reichen für Steaks. Ein Anzündkamin voll Kohle reicht zum Grillen locker aus.

Sie haben den Titel nicht alleine geholt, sondern mit einem Team.

Genau. Unser Team besteht aus insgesamt zehn Personen, darunter ist auch meine Frau. Wir haben hier in Berg eine kleine Grillschule, in der wir an Wochenenden Kurse anbieten. Die anderen Teammitglieder sind ehemalige Kursteilnehmer. Seit 2014 sind wir mit dieser Mannschaft auf Meisterschaften unterwegs.

Schulz und SchulzSPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat dem neuen Grillkönig Martin Schulz zu seinem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften in Fulda gratuliert. "Glückwunsch und Grüße an meinen Namensvetter", schrieb Schulz auf Twitter nach einer Grill-Session mit dem Kleingärtnerverein in Landsberg. (dpa)


Man zündet die Kohle an, setzt sich hin, trinkt ein Bierchen, schaut, dass alles passt.Martin Schulz, deutsche Grillmeister aus Neumarkt
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.