08.04.2018 - 21:40 Uhr
Deutschland & Welt

Dialektforscherin Monika Fritz-Scheuplein findet keine Dialekt-Unstimmigkeiten Authentisches "Fränggisch" im Tatort

Nürnberg. Das "Fränggische" im Franken-"Tatort" ist nach Einschätzung der Dialektforscherin Monika Fritz-Scheuplein sehr authentisch: "Ich habe mir viele Stellen sogar ein paarmal angehört. Ich habe nichts entdeckt, was nicht gepasst hätte. Es war alles richtig, wie es gesprochen wird." Viele Zuschauer hatten die Sprache in den Krimis als unecht und künstlich kritisiert.

Die Schauspieler Andreas Leopold Schadt und Eli Wasserscheid. Bild: Daniel Karmann/dpa
von Agentur DPAProfil

Fritz-Scheuplein von der Universität Würzburg erklärt dies so: In Franken gebe es nicht nur einen Dialekt, sondern "viele kleine Sprachräume mit ihren eigenen Besonderheiten". Die in der Forschung als "ostfränkische Dialekte" bezeichneten Mundarten, die in Ober-, Mittel- und Unterfranken gesprochen werden, seien "viel kleinräumiger gegliedert als die bayerischen Dialekte". So könne es gut sein, dass manche Leute in dem Film Sprachfärbungen vermissen, die es in einigen Regionen gibt. "Zu tief darf man in einem 'Tatort' aber nicht in den Dialekt gehen. Sonst steigen die Leute aus, weil sie nichts verstehen." Die Kunst sei es, einen sprachlichen Kompromiss zu finden, der "typisch klingt, aber trotzdem verständlich bleibt".

Die meisten Diskussionen gab es bislang über den angeblich falschen Dialekt einer Pförtnerin bei der Nürnberger Polizei im ersten Franken-"Tatort". Die Schauspielerin stammte aus Aschaffenburg und sprach Rheinfränkisch-Hessisch. Fritz-Scheuplein störte dies nicht: "Das ist doch ganz realistisch, warum soll die nicht in Nürnberg arbeiten?" Aufgrund zahlreicher Zuschriften von Zuschauern wurde die Rolle ausgetauscht. Der im "Tatort" gesprochene Dialekt sei für die Zuschauer so wichtig, weil sich die Leute über die Sprache mit der Region identifizierten. Im Franken-"Tatort" gebe man sich große Mühe, die regionale Sprechweise einfließen zu lassen - über die aus Franken stammenden Darsteller Eli Wasserscheid (Bamberg), Andreas Leopold Schadt (Hof) und Matthias Egersdörfer (Nürnberg) und über das Drumherum - etwa im Biergarten oder Frisörsalon.

Gut zu erkennen seien das rollende "r" und die fränkische Konsonantenschwächung: Der "Tatort" wird zum "Dadord" und die "Tote" zur "Dooden". Ebenso typisch fränkisch: Durch Nasal-Endung wird die "Woche" zur "Wochng" und das Opfer wird nicht "erschlagen", sondern "derschloong". Statt "bräuchte" sagt man "bräuched", und aus "gesagt" wird "gsochd". Ab und an werde es durch zu viel Fränkisch sogar etwas unrealistisch, sagt die Forscherin - beispielsweise wenn eine Stadträtin in einem Interview starken Dialekt spricht: "Das würde eine reale Stadträtin wohl nicht machen."

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