08.03.2018 - 21:30 Uhr
Deutschland & Welt

Drei Menschen sterben im Mietshaus Anklage: dreifacher Mord

Drei Menschen sterben, als es im November 2016 in einem Münchner Mietshaus brennt. Ein 43-Jähriger ist nun angeklagt, das Feuer gelegt zu haben. Beim Prozessauftakt schweigt er zu der Tat - eine Polizistin dagegen schildert, was sie in der Nacht erlebt hat.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten (rechts) vor, ein Mietshaus in München in Brand gesetzt und drei Bewohner dadurch getötet zu haben. Bild: Lino Mirgeler/dpa
von Agentur DPAProfil

München. Als die Kriminalbeamtin eintraf, wütete das Feuer bereits. Vollbrand in einem großen Mietshaus nahe dem Münchener Hauptbahnhof, vermutlich zwei bis drei Tote - so hatte die Meldung zuvor gelautet. Die 39-Jährige schildert ihren Einsatz in jener Nacht im November 2016, in der ein Vater und dessen zwei Töchter bei dem Brand ums Leben kamen. Die Polizistin ist eine der ersten Zeugen im Mordprozess vor dem Landgericht München I, der am Donnerstag begonnen hat. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, das tödliche Feuer gelegt zu haben.

Der Mann habe aus Ärger über seine Nachbarn und die Zustände in dem Haus gehandelt, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Die Anklage lautet auf dreifachen Mord, schwere Brandstiftung und gefährliche Körperverletzung.

Brandherd: Matratze

Die Zeugin hat nach ihrem Eintreffen mehrmals mit den Einsatzkräften vor Ort gesprochen. "Die Feuerwehr sagte, man kämpfe noch darum, die Flammen einzudämmen, damit sie nicht auf andere Gebäude übergreifen", schildert sie dem Gericht. Möglicher Brandherd sei eine Matratze, habe ihr die Feuerwehr mitgeteilt.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft München I hat der Angeklagte mit libyscher und tunesischer Staatsangehörigkeit die Matratze am frühen Morgen des 2. November vermutlich mit einem Feuerzeug angezündet und damit das verheerende Feuer ausgelöst. Er habe daraufhin das Haus verlassen, ohne die anderen Bewohner zu warnen - abgesehen von seinem Mitbewohner. Insgesamt 39 Menschen befanden sich zu dem Zeitpunkt im Gebäude.

Ein Mann (37) und seine Töchter (16 und 9) wollten wohl über das Treppenhaus vor den Flammen fliehen, wurden jedoch noch im Gang der Wohnung im Dachgeschoss bewusstlos. Dort sei die Familie binnen kürzester Zeit an der Wirkung des Rauchgases und der Hitze gestorben, heißt es in der Anklageschrift. Viele andere Bewohner wurden verletzt.

Der Angeklagte will sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen äußern. Sein Mandant bestreite die Tat, sagt Verteidiger Walter Lechner. Der Angeklagte in Daunenweste, Jeans und Turnschuhen gibt sich betont gelassen. Er lächelt, als er den Gerichtssaal betritt - und zeigt den Fotografen und Kameraleuten mit den Fingern das Victory-Zeichen.

"Keine Probleme im Haus"

Zu seiner Person macht er detaillierte Angaben. Nach dem Scheitern seiner Ehe sei er 2005 nach München gezogen. Seit 2009 lebe er in dem Mietshaus. Persönlich habe er - anders als es ihm die Staatsanwaltschaft mit Blick auf das Motiv vorwirft - nie Probleme mit seinen Nachbarn oder den Wohnverhältnissen gehabt, erklärte der 43-Jährige.

Die Polizistin (39) habe nach eigenen Angaben noch in der Nacht des Feuers mit dem Mann gesprochen und ihn kurz darauf als Zeugen vernommen. Die Beamtin hat sich mit dem 43-Jährigen zunächst in der Lobby des benachbarten Hotels getroffen, in dem eine Sammelstelle eingerichtet worden war. "Er blickte nervös zu allen Seiten", schildert sie die Situation. Er habe ihr gesagt, dass es immer wieder Ärger im Haus gebe, beschmierte Wände etwa. Außerdem habe er nachts Personen vom Haus wegrennen sehen. Weitere 14 Verhandlungstermine sind derzeit für den Prozess angesetzt.

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