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22.08.2017 - 11:42 Uhr
Deutschland & Welt

Ein Betriebspraktikum bietet eine erste Orientierung für die Zeit nach der Schule Gefällt mir das überhaupt?

Friseurin oder Krankenschwester, Auto-Mechaniker oder Polizeibeamter? Hilfestellung bei der Suche nach dem passenden Beruf und erste Orientierung für das Arbeitsleben soll Schülern häufig ein Berufpraktikum geben. Damit es diese Aufgaben tatsächlich erfüllen kann, müssen sowohl Jugendliche als auch Arbeitgeber allerdings einiges beachten.

von Azubi 2018Profil

"Am Anfang steht eine grundsätzliche Entscheidung: Will ich im Handwerk oder im Büro, draußen oder drinnen arbeiten?", erklärt Beratungslehrerin Waltraud Segebrecht. Die meisten Schüler entdeckten ihre beruflichen Interessen von sich aus. "Viele wissen, was sie wollen, und kümmern sich selbst um ihr Praktikum", sagt Segebrecht.

Einer von diesen Schülern ist Paul, der an der Realschule die zehnte Klasse besucht: Er wusste schon lange, dass sein Ziel "die elektronische Richtung" ist.

Im Internet suchte der 15-Jährige daher nach Betrieben, deren Arbeit ihn interessierte. Nach einem Anruf bei einem Elektronik-Unternehmen und einem kurzen Vorstellungsgespräch hatte er das Praktikum "in der Tasche". Drei Wochen lang assistierte er bei der Verdrahtung und Montage von Schaltschränken. "Das hat mir gut gefallen", resümiert Paul.

Ein erstes
Hineinschnuppern

Aber auch Jugendliche, die ihre beruflichen Interessen noch nicht so gut abschätzen können, sollten nicht nervös werden. "Das Praktikum ist ja nur ein erstes Hineinschnuppern. Es ist auch ein Erfolg, wenn ich merke, dass ich das nicht machen will", sagt Berufsberater Klaus Tenschert.

Es gehe nicht zwingend darum, einen bestimmten Beruf kennen zu lernen, sondern vor allem um eine allgemeine Erkundung der Arbeitswelt.

In der Regel dauert ein Praktikum zwei Wochen. Es findet in der neunten oder zehnten Klasse statt und wird im Unterricht vor- und nachbereitet, so Klaus Illerhaus, Referatsleiter für Berufsbildung bei der Kultusministerkonferenz (KMK). Unterschiede zwischen den Bundesländern oder den Schulformen gibt es laut der KMK und dem Bundesverband Deutscher Privatschulen (VDP) nicht.

Schüler sollten aber in jedem Fall einige Zeit vorher damit beginnen, sich über ihre Vorlieben klar zu werden, rät Illerhaus. "Die meisten sind schon über Kontakte ihrer Eltern, Freunde oder Verwandte gut versorgt. Trotzdem gibt es ab und zu Bauchschmerzen bei der Suche", weiß Waltraud Segebrecht. Hilfe und Information bieten die Arbeitsämter und ihre Berufsinformationszentren (BIZ). Dort können Schüler etwa ein Gespräch mit einem Berufsberater vereinbaren. "Da versuchen wir gemeinsam, die Interessenlage zu erkunden", sagt Tenschert. Im BIZ gebe es zudem Literatur und Filme über Berufe sowie Computertests, die Schülern bei der Orientierung helfen könnten.

An ihrer Schule hab es noch nie einen Schüler gegeben, der keinen Platz gefunden hat, beruhigt Waltraud Segebrecht. Ihrer Erfahrung nach müssen auch nicht alle Schüler auch eine Bewerbung schreiben. Rechtzeitige Vorbereitung sei dennoch ratsam.

Berit Heintz, Referentin für Schul- und Hochschulpolitik beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) empfiehlt Schülern, sich einige Monate vorher bei Arbeitgebern vorzustellen. Sie betont, wie wichtig die Berufsorientierung durch das Praktikum sei:

Mitunter würden Ausbildungen abgebrochen, weil die gewählte Lehre die falsche sei - "das sind dann unangenehme Erfahrungen für Betroffene, die einige Schnuppertage in der entsprechenden Branche vielleicht hätten verhindern können."

Vielleicht sogar
ein Ausbildungsplatz

Im Idealfall könne das Berufspraktikum den Jugendlichen dabei helfen, sich einen Ausbildungsplatz zu sichern, sagt Volker Symalla-Stabe vom "Netzwerk Zukunft. Schule + Wirtschaft", einer Koordinierungsstelle des Landes Brandenburg, die sich darum bemüht, den Übergang von Schülern in den Beruf zu verbessern.

Berit Heintz sieht das ähnlich: Gerade für kleine und mittelgroße Betriebe in Handel und Handwerk seien die Praktika Gelegenheit, künftige Auszubildende kennen zu lernen. Die Betriebspraktika seien "durchaus die Grundlage für spätere Ausbildungsverhältnisse".

In einem zwei- oder dreiwöchigen Praktikum könne sich ein Arbeitgeber ein besseres Bild von einem Bewerber machen als in einem Vorstellungsgespräch.

Für das Gelingen des Praktikums ist es nach Berit Heintz' Worten wichtig, dass die Schüler einen Ansprechpartner im Betrieb bekommen, der ihnen Aufgaben überträgt und sie bei deren Lösung unterstützt. "Der Praktikant soll nicht ziellos im Raum stehen", sagt Heintz.

Arbeitgebern rät sie, rechtzeitig zu überlegen, welche Aufgaben sie ihren Praktikanten übertragen wollen. Sie empfiehlt, die Schüler in verschiedene Arbeitsbereiche hineinschnuppern zu lassen. Nur auf diese Weise sei eine wirkliche Orientierung gewährleistet. (gms)

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