15.12.2017 - 19:22 Uhr
Deutschland & Welt

Größter Rauschgiftfall in die Geschichte des Bayerischen LKA Das Drogennetz des Schreiners

Die Arme des kriminellen Netzwerks erstreckten sich weit verzweigt über mehrere Staaten. So schildert der LKA-Dezernatsleiter für Rauschgiftdelikte den Fall "El Maestro". Am Ende stellen Ermittler 5,3 Tonnen Drogen sicher - und nehmen 23 Verdächtige fest.

In der Pressekonferenz hat das LKA Bayern den größten geklärten Rauschgiftfall seiner Geschichte vorgestellt. Bild: Matthias Balk/dpa
von Agentur DPAProfil

München/Neumarkt. Die Schmuggler wickelten das Haschisch und Marihuana in Kohlepapier und tauchten sie in rotes Wachs - der "rote Faden" des Krimis, der als größter Rauschgiftfall in die Geschichte des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) eingehen sollte. Nach jahrelanger Ermittlungsarbeit brachten die Pakete die Ermittler auf die Spur des mutmaßlichen Drahtziehers: einem deutschen Schreinermeister (61).

Er soll ein kriminelles Netzwerk über mehrere Länder gespannt haben - von Marokko über Spanien und Frankreich bis nach Deutschland wanderten die Drogen. Doch im Sommer 2017 wurde die Kette gesprengt: "Fünf Tonnen Haschisch und Marihuana, die auch für den deutschen Markt bestimmt waren, sind nun sichergestellt", teilt der Präsident des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA), Robert Heimberger, bei einer Pressekonferenz am Freitag mit. Das LKA spricht von einem der größten Schläge gegen die internationale Rauschgiftkriminalität. Mit Verbindung in die Oberpfalz.

Im Mai 2014 erhält die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift des Bayerischen Landeskriminalamtes und des Zollfahndungsamtes München (GER Nordbayern) laut LKA-Mitteilung vom Freitag eine Information: Ein polizeibekannter Wiener Rauschgifthändler brachte im April 120 000 Euro von Wien nach Neumarkt und übergab es einem Unternehmer, der bis dahin ganz unauffällig ein Quad-Event-Center betrieb.

Fünf Monate später: Der Oberpfälzer bringt 80 Kilogramm Haschisch, in präparierten Anhängern, zu diesem Mann nach Wien. Doch das alles geschieht nicht mehr unbeobachtet. Die österreichischen Ermittler überwachen den Rauschgifthändler - und können ihn im September 2014 in Wien festnehmen. In seiner Bunkerwohnung stellt sie 93 Kilogramm Haschisch, eine Maschinenpistole, eine Schrotflinte und dazugehörende Munition sicher. Die Ermittlungen zeigen auch, dass der Oberpfälzer als Drogenkurier fungierte und nachweisbar knapp 3 Millionen Euro in drei Jahren beim Online-Poker verspielte. Geld, das er nicht mit seinem Quad-Event-Center verdient hat.

Doch das ist erst der Anfang: Durch die Ermittlungen kommt ein weitreichendes Konstrukt ans Licht. Die beiden sind Teil einer bis nach Afrika reichenden Lieferkette, die mit Drogen in Höhe von Millionen Euro handelt. Von April bis Juli 2017 fingen Ermittler drei Lieferungen an der andalusischen Küste ab. Laut Aussage des Wieners ließ der Tischler die Pakete "spürhundsicher" präparieren - mit Modellierwachs. Kohlepapier sollte Röntgenstrahlen den Blick versperren. Ein Trugschluss, wie der Dezernatsleiter für Rauschgiftdelikte, Jörg Beyser, betont.

"Zusammengefügt wurden die Daten durch eine Europol-Anfrage durch meine Ermittler", so Beyser. Die Behörde wollte wissen, ob rote Cannabis-Pakete in Wachs und Kohlepapier ihren Kollegen bekannt vorkämen. Tatsächlich: Im Mai 2015 hatten italienische Polizisten in Bologna 130 Kilogramm Haschisch derartig verpackt bei Angehörigen der Mafia entdeckt. Einen Tag zuvor war ein Deutscher in Bologna kontrolliert worden - der Schreinermeister. Er wurde zum Ziel der Ermittlungen.

Eine internationale Gruppe mit Ermittlern aus Deutschland, Spanien und Frankreich brachte immer mehr Teile des Drogennetzes ans Licht: Kuriere, die die illegale Ware von Marokko in Schnellbooten nach Europa schafften. Transportfahrzeuge mit ausgeklügelter Tarnung: "Hochprofessionell mit einem doppelten Boden ausgestattet", beschreibt Beyser. Das Werk des Schreinermeisters? Im September 2017 wurde der in Spanien lebende Mann verhaftet und wartet nun auf sein Verfahren. Neben ihm wurden 22 Tatverdächtige im Fall "El Maestro" festgenommen. Die Ermittler stellten neben den 5,3 Tonnen Drogen mehr als eine halbe Million Euro und 20 Kilo Silber sicher.

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