28.08.2017 - 21:02 Uhr
Deutschland & Welt

Gütesiegel etabliert sich Bio-Qualität "made in Bavaria"

"Bio" ist in - zumindest, was das Bayerische Bio-Siegel angeht. Laut Landwirtschaftsminister Helmut Brunner nimmt es nachhaltig Fahrt auf - "nach nunmehr zwei Jahren sind bereits über 900 Produkte mit dem Siegel gekennzeichnet".

Der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) zieht positive Bilanz zum 2015 eingeführten Bio-Siegel. Bild: Sven Hoppe/dpa
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

München/Amberg/Weiden. Allein im ersten Halbjahr 2017 sei die Zahl der Nutzer um 45 Prozent gestiegen, so dass inzwischen rund 1100 bayerische Bauern in das System eingebunden seien. Als Zeichennutzer sind aktuell 111 Hersteller und Händler registriert.

Um das Siegel tragen zu dürfen, müssen Betriebe nachweisen, dass von der Erzeugung der Rohstoffe über die Verarbeitung bis zum Verkauf jeder einzelne Schritt im Freistaat erfolgt. Außerdem sind die Qualitätsanforderungen der vier bayerischen Öko-Verbände Biokreis, Bioland, Demeter und Naturland zu erfüllen. Das Bayerische Bio-Siegel legt damit deutlich strengere Maßstäbe an als die Öko-Verordnung der EU.

Je näher je besser

Die aktuelle Bevölkerungsumfrage "Ernährung in Bayern" des Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn) im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ergab, dass gerade einmal neun Prozent der Befragten sehr großes oder äußerst großes Vertrauen in Produkte aus Europa besitzen. Werden die Lebensmittel im Freistaat erzeugt, steigen die Werte auf 56 Prozent und für Produkte aus der unmittelbaren Umgebung sogar auf stolze 61 Prozent.

In der Oberpfalz nutzen bislang 18 Betriebe das Bayerische Bio-Siegel, das entspricht einem Anteil von rund 16 Prozent - zum Vergleich: Die Bevölkerung der Oberpfalz macht rund 13 Prozent von ganz Bayern aus. Im Kreis Amberg-Sulzbach und in der Stadt Amberg ist je ein Nutzer registriert, im Kreis Schwandorf sind es zwei, im Kreis Tirschenreuth vier. In Weiden und im Kreis Neustadt/WN konnte sich das Siegel bislang noch nicht durchsetzen.

Einer, der das Bayerische Bio-Siegel von Anfang an nutzt, ist der Imker Andreas Schießl aus Wackersdorf. Seit zwei Jahren verkauft er seinen Honig unter anderem über das Internet in ganz Deutschland. "Das Siegel ist eine Qualitätsaussage vor allem für Kunden, die von weiter her sind", sagt Schießl. "Bio-Imker" ist er aus Überzeugung. Zwar liege die Bienenzucht in der Familie, nicht aber deren ökologische Ausrichtung. "Ich kaufe zum Beispiel nur Bio-Zucker, der ohne Einsatz von Spritzmitteln erzeugt wird", betont Schießl. Das Bayerische Bio-Siegel schmückt neben anderen auch seinen Webauftritt.

Bereits seit 35 Jahren ökologisch ausgerichtet ist der Bio-Hof Lautenschlager in Ursensollen. Landwirt Hubert Lautenschlager nutzt das Bayerische Bio-Siegel, obwohl er kein Direktvermarkter ist: "Ich finde es gut, dass es ein einheitliches Bayerisches Bio-Siegel gibt, und wollte diese Idee unterstützen." Denn die Erfahrung habe gezeigt, dass die einzelnen Bio-Verbände nicht immer einer Meinung seien. Trotzdem ist Lautenschlager vom ökologischen Landbau überzeugt: "Wir machen das jetzt schon in der zweiten Generation und ich finde es einfach bloß Klasse. Man könnte, wenn man gewisse Grundsätze beachtet, so auch die gesamte Weltbevölkerung ernähren."

Schwer zu erreichen

Lautenschlager, der sein ökologisch erzeugtes Getreide unter anderem an eine Neumarkter Brauerei verkauft, sieht allerdings noch Nachholbedarf beim Bayerischen Bio-Siegel. "Es gibt zum Beispiel keine Hoftafeln damit." Wohl auch deshalb sei das Zeichen in der Bevölkerung noch nicht besonders präsent. Generell sei es schwer, an skeptische Verbraucher heranzukommen. Auch Umfragen sieht der Ökobauer kritisch: "Da sagen 50 Prozent, dass sie ,Bio' kaufen, und in Wirklichkeit machen es dann doch nur 10 Prozent."

Landwirtschaftsminister Brunner zumindest gibt sich in seiner Pressemeldung zum Bio-Siegel zuversichtlich: "Die Nachfrage nach biologisch und regional erzeugten Lebensmitteln wird auch in Zukunft weiter wachsen", heißt es dort. Verbraucher, die Produkte mit dem Bayerischen Bio-Siegel kauften, leisteten mit ihrem Kauf einen aktiven Beitrag zur Gestaltung der bayerischen Landwirtschaft.

Ich finde es gut, dass es ein einheitliches bayerisches Biosiegel gibt, und wollte diese Idee unterstützen.Hubert Lautenschlager aus Ursensollen, Ökobauer

Hauptsache bio, oder?

Berlin. (dpa) Jeder zweite Deutsche greift gelegentlich zu Bio-Produkten, wie eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab. Wo Bio drin ist, kennzeichnen unter anderem folgende Siegel: EU-Bio-Logo: Das grüne Logo mit zwölf weißen Sternen, die ein Blatt formen, zeigt dem Verbraucher: Das ist ein zertifiziertes Bio-Produkt. Alle verpackten Bio-Lebensmittel aus der Europäischen Union (EU) müssen mit dem Logo gekennzeichnet sein. Das zweite politische Güte-Siegel ist das deutsche Bio-Siegel, ein grün umrandetes Sechseck. Dessen Abdruck ist freiwillig. Die Zeichen bieten dem Käufer eine erste Orientierung, die Produkte müssen vergleichbare Anforderungen erfüllen. Diese gehen manchen aber nicht weit genug. Auf „Ökolandbau.de“ heißt es, die EU-Vorschriften seien die Basis, die eingehalten werden muss, um ein Produkt überhaupt mit „Bio“ kennzeichnen zu dürfen. Biokreis: Biokreis-Produkte müssen von Betrieben stammen, die nur ökologisch wirtschaften. Der Zukauf von Dünger und Futter ist begrenzt, die Tiere auf Biokreis-Höfen müssen zu mindestens 50 Prozent Grünfutter bekommen. Der Verband will außerdem Landwirte, Verarbeiter und Händler zusammenbringen und so für kurze Transportwege und persönliche Beziehungen sorgen. Ecovin: Tragen Weine oder Sekt das deutsche Ecovin-Logo auf der Flasche, sind sie aus ökologisch erzeugten Trauben hergestellt. Nach Angaben des Verbandes gibt es 217 Mitglieder. Demeter: Anders als von der EU-Öko-Verordnung vorgeschrieben, darf der Betrieb nicht teilweise auf Bio umstellen – er muss es komplett machen. Auf Demeter-Höfen muss es Tiere geben. Für die Haltung gelten verschiedene Regeln. So dürfen Rinder nicht enthornt werden. Auch bei Saatgut, Verarbeitung und Düngemitteln gelten strengere Regeln. Naturland: Auch bei Naturland ist es nicht erlaubt, einen Betrieb nur teilweise auf Bio umzustellen. 50 Prozent des Futters muss vom eigenen Hof stammen. In der Produktion spielen auch soziale Verantwortung und weltweit faire Landwirtschaft eine Rolle. Bioland: Produkte, die das dunkelgrüne Bioland-Logo tragen, müssen aus einem komplett biologisch bewirtschafteten Betrieb stammen. So sind die Zahl der Tiere pro Hektar oder die Menge des eingesetzten Stickstoffdüngers begrenzt. Bioland-Produkte dürfen nur 23 Zusatzstoffe enthalten – bei EU-Bio-Lebensmitteln sind es 47.

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