25.05.2017 - 17:02 Uhr
Deutschland & Welt

Lebensretter ausgezeichnet Held in brennendem Zug

Ein Zugunglück vor eineinhalb Jahren bei Freihung forderte zwei Todesopfer. Ein Helfer war sofort vor Ort. Der Marktredwitzer wurde jetzt mit der Rettungsmedaille ausgezeichnet.

Josef Fugmann (links) und Innenminister Joachim Herrmann. Bilder: jum (2)
von Jürgen UmlauftProfil

München. Der Mann, der im November 2015 als erster am Unfallort Hilfe leistete, als bei Freihung (Kreis Amberg-Sulzbach) an einem Bahnübergang ein Regionalzug in einen liegen gebliebenen Sattelschlepper krachte, ist nun mit der Bayerischen Rettungsmedaille ausgezeichnet worden. Der Marktredwitzer Josef Fugmann erhielt die Auszeichnung in der Münchener Residenz aus den Händen von Innenminister Joachim Herrmann. Bei dem Unglück starben seinerzeit der Lokführer und der Lkw-Fahrer. Fugmann, der genau zum Unfallzeitpunkt mit seinem Lastwagen auf der parallel zur Schiene verlaufenen Straße unterwegs war, hielt an, betrat den brennenden Zug, half verletzten Passagieren und versuchte, das Feuer im Führerstand des Triebwagens zu löschen.

"Den Unfall selbst habe ich gar nicht mitbekommen", erinnerte sich Fugmann nach der Ehrung. Plötzlich sei ihm in der Dunkelheit ein lichterloh brennender Zug entgegengerast. Etwa auf gleicher Höhe seien er und der Zug zum Stehen gekommen. "Ich bin dann einfach geistesgegenwärtig in den Zug und habe geschaut, dass die Leute rauskommen." 40 bis 50 Passagiere waren damals in dem Regionalzug unterwegs, 16 davon erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Das ganze Ausmaß des Unglücks sei ihm damals zunächst gar nicht bewusst gewesen, schilderte Fugmann. Erst am Morgen danach bei Tageslicht habe er sich ein Bild davon machen können. Leider, erklärte Fugmann rückblickend, habe er dem Lokführer und dem Lkw-Fahrer nicht mehr helfen können.

Insgesamt wurden 65 Personen mit der Rettungsmedaille für eine Rettungstat unter Einsatz des eigenen Lebens ausgezeichnet, drei davon aus der Oberpfalz. Michael Fittigauer aus Furth im Wald rettete einen Mann aus einer brennenden Dachgeschosswohnung, Rainer Kolbeck aus Regensburg bewahrte eine 14-Jährige vor dem Sprung von einer Brücke und der Regensburger Christoph Lukas holte zwei Personen aus einem brennenden Auto. Weitere 64 Personen zeichnete Herrmann mit der Christophorus-Medaille für einen Hilfseinsatz unter schwierigen Umständen aus, darunter Daniel Fesler aus Burglengenfeld (Kreis Schwandorf). Der Schüler entdeckte an einem heißen Sommertag 2016 einen Rentner auf dessen Balkon leblos in der prallen Sonne liegen. Er kletterte auf den Balkon, zog den Mann in den Schatten und kümmerte sich bis zum Eintreffen des Notarztes um ihn. Jüngster Retter war der vierjährige Tobias Neuner aus Saulgrub in Oberbayern, der bei einem Wohnungsbrand per Telefon die Feuerwehr alarmierte.

Herrmann erklärte, die Lebensretter hätten "Ehre und Anerkennung verdient". Sie hätten "in höchster Gefahr spontan und beherzt gehandelt" und damit viele Leben gerettet. "Menschen wie Sie sind Bayerns Stärke, sie schenken Zuversicht", sagte Herrmann. Mit ihrer uneigennützigen Menschlichkeit und Nächstenliebe hätten sie sich als "echte Helden des Alltags" bewährt.

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