Leserbrief
"Bischöflich abgehobene Arroganz"

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Bayern
16.04.2018
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Weitere Reaktion auf die Äußerungen von Bischof Stefan Oster:

Bischof Oster aus Passau äußert die Befürchtung, dass die Zulassung eines protestantischen Ehepartners zur (katholischen) Kommunion öffentlich als "Freigabe" für alle evangelischen Christen interpretiert werden könnte. Das würde in seinen Augen einer "Banalisierung der Eucharistie" Vorschub leisten - also eine Entwertung der Abendmahlsfeier durch die Teilnahme von evangelischen Christen bedeuten.

Diese Äußerungen, kurz nach Ende des großen Reformations-Gedenkjahres, das auf katholischer und auf evangelischer Seite von ökumenischer Aufbruchstimmung geprägt war, machen zum einen sprachlos. Zum anderen fällt es schwer, nicht mit Wut im Bauch von bischöflich abgehobener Arroganz zu sprechen.

Vielleicht sollte sich auch ein Bischof Oster mit manch anderen besorgten Bedenkenträgern in der Bischofskonferenz vergegenwärtigen, dass Jesus alle eingeladen hat, die am letzten gemeinsamen Abend mit ihm zusammen waren. Dabei schloss er weder den sogenannten Verräter Judas noch den Verleugner Petrus aus. Die Bildung eines Exklusiv-Clubs lag Jesus ebenso fern wie die Erteilung einer Zutrittserlaubnis oder eines Qualifizierungs-Zertifikats. Niemals fand Jesus es zu banal, sich mit Zöllnern, Huren, Ehebrechern und Sündern an einen Tisch zu setzen.

Wenn Christen aller Couleur Kommunion feiern, dann können sie sich getrost vergegenwärtigen, dass Jesus selbst sie alle eingeladen hat - und nicht der Pfarrer, nicht der Bischof und nicht die Kirche. Und deshalb sollte Bischof Oster auch keine Banalitäts-Gefahren wittern.

Siegfried Kratzer, Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerks Amberg
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