12.03.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Leserbrief Ein Arzt alleine für die Landkreise Schwandorf und Cham zuständig

Zu "Ohne Not zur Notaufnahme":

"Viele Kranke werden am Telefon dann an die Notaufnahmen verwiesen, da es der Arzt nicht schafft, alle Patienten zu versorgen, die in seiner Schicht einen Hausbesuch angefordert haben", so eine Leserin. Bild: Sven Hoppe/dpa
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Was in dem Artikel nicht erwähnt wird: Was ist mit den Patienten, die einen Hausbesuch unter der Nummer 116 117 anfordern? Hier ist es nämlich seit der "Weiterentwicklung des Bereitschaftsdienstes", wie es die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) schön nennt, so, dass Ärzte ein viel zu großes Gebiet mit Hausbesuchen abdecken müssen.

In der Realität sieht es so aus, dass ein Arzt alleine für die Landkreise Schwandorf und Cham (die genannte Pilotregion) zuständig ist. Da kommt es durchaus vor, dass der erste Hausbesuch in Wernberg-Köblitz im nördlichen Landkreis Schwandorf ansteht und der nächste in Lam, im östlichsten Eck des Landkreises Cham.

Anfahrten zu Hausbesuchen von über 100 Kilometern und über einer Stunde sind üblich. Der Arzt legt in einer Sechs-Stunden-Schicht regelmäßig über 300 Kilometer Wegstrecke kreuz und quer durch die beiden Landkreise zurück. Die meiste Zeit verbringt der Diensthabende auf der Straße und nicht beim Patienten.

Viele Kranke werden am Telefon dann an die Notaufnahmen verwiesen, da es der Arzt nicht schafft, alle Patienten zu versorgen, die in seiner Schicht einen Hausbesuch angefordert haben. Also genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen wollte.

Die Folge daraus ist, dass nun viel öfter der Notarzt alarmiert wird, und die Patienten doch in der Notaufnahme landen. Hatten Patienten früher in der Regel innerhalb einer halben Stunde den Arztkontakt, warten sie nun stundenlang auf den Hausbesuch - oder der Arzt kommt gar nicht. Nicht erwähnt wurde auch, dass Ärzte aller Fachrichtungen nun an diesem neuen Bereitschaftsdienst-Modell (sei es in den Bereitschaftsdienst-Praxen oder als Fahrdienst) teilnehmen müssen: also auch Radiologen, Pathologen, Psychiater etc. Ob dies für die Patienten eine Verbesserung ist, sei mal dahingestellt. In jedem Fall ist dies eine absolute Geringschätzung der hausärztlichen Tätigkeit. Dieser Missstand wurde seitens einiger Ärzte auch mehrfach gegenüber der KVB angeprangert. Leider fand das keinerlei Gehör. Die KVB ist nicht die Lösung, sondern Teil des Problems. Die Leidtragenden sind die Patienten.

Juliane Ried, 92526 Oberviechtach

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