16.04.2018 - 20:02 Uhr
Deutschland & Welt

Leserbrief "Welternährung hängt nicht von Bienen ab"

Zu "Teures Bienensterben":

von Externer BeitragProfil

Mediale Alarmglocken aus Almesbach: Bienensterben - steht das Ende der Zivilisation bevor? Wird man bei uns Obstbäume bald auch per Hand bestäuben müssen wie in China? Ungewohnte Töne von einem staatlichen Fortbildungszentrum, das selbst einen Bienenlehrpfad unterhält. Was ist dran? Die Öffentlichkeit hat Anspruch darauf, sachlich und umfassend über die Situation der Bienen bei uns und weltweit informiert zu werden. Daran scheint es zu hapern, denn die Realität sieht aus fachlicher Sicht anders aus.

Die Handbestäubung in China wird in Wahrheit praktiziert, um neue Apfelsorten zu züchten, nicht weil die Anbauflächen "bereits so verseucht" sind. Damit vor einem "Aussterben der Bienen" zu warnen, ist eine Verdrehung der Fakten. Denn in China und weltweit nahmen die Bienenvölker seit 1973 von 55 auf 81 Millionen in 2013 zu, wie FAO-Daten belegen. China ist Honigexportland! Auch in Deutschland steigt die Zahl seit 15 Jahren kontinuierlich an auf zuletzt rund 800 000. Das liegt in erster Linie am Rapsanbau. Der Rückgang der Völker mehrere Jahrzehnte davor hatte demografische, ökonomische und keine ökologischen Gründe. Auch der hochgerechnete Wert der Bestäubung vermischt für den Leser unerkennbar den Markt der Bestäubungsindustrie im Mandel- und Orangenanbau der USA mit der Situation der Honigbienen in der normalen Landwirtschaft.

Denn trotz aller Behauptungen der Gegner der modernen Landwirtschaft brauchen unsere wichtigsten Nahrungspflanzen keine Bienen, um Erträge zu liefern: Getreide, Mais, Kartoffeln, Rüben, Blatt- und Wurzelgemüse, Wein, Hopfen, Reis, Bananen, Soja, Erdnüsse, Kaffee, Kakao, Tee. Nur bei Raps, einigen Obst- und Gemüsearten, Nüssen, Beerenobst und Erdbeeren kann man Bienen zur Ertragssteigerung spezifisch nutzen. Biodiversity International in Rom aber stellt klar, dass insgesamt mehr als 75 Prozent der Nahrungsmittel der Welt von nur 12 Pflanzenarten und 5 Nutztierarten stammen, die keine Bestäubung durch Bienen benötigen. Das Schicksal der Welternährung hängt daher nicht von Bienen ab.

Die Zahl der geschädigten Völker bei uns ist laut dem Julius-Kühn-Institut seit 2009 von 2341 auf 566 Bienenvölker in 2016 zurückgegangen, verursacht vor allem durch die Nichtbeachtung von Anwendungsvorschriften, aber nicht durch Pflanzenschutzmittel an sich. Die Hauptursache für Völkerverluste weltweit ist eine unzureichende Milben- und Krankheitsbehandlung. Obwohl im Almesbacher Lehrpfad dargestellt, findet man kein Wort über Varroa und Faulbrut in der medialen Berichterstattung, stattdessen einen Tipp aus der gegenwärtigen politischen Debatte: "Insektizid- und Glyphosateinsatz minimieren". Landwirte und Bürger wundern sich daher, warum eine staatliche Stelle bei einem derart wichtigen Thema so informiert.

Dr. Anton Kraus, 42799 Leichlingen

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