22.02.2018 - 21:30 Uhr
Deutschland & Welt

Mann vergeht sich an Kindern Haft für Ex-Pfarrer

Ein ehemaliger Priester erschleicht sich das Vertrauen gläubiger Eltern und vergeht sich an deren Kindern - dafür ist der Mann nun zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Zunächst muss der 53-Jährige aber in die Psychiatrie.

Der angeklagte ehemalige Priester im Gerichtssaal des Landgerichts in Deggendorf. Bild: Armin Weigel/dpa
von Agentur DPAProfil

Deggendorf. Ob der frühere Priester je wieder in Freiheit kommt, ist unklar. Das Landgericht in Deggendorf hat den Angeklagten am Donnerstag für den vielfachen sexuellen Missbrauch von fünf Buben zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Er wird zunächst auf unbestimmte Zeit in einer Fachklinik untergebracht.

Die Entscheidung über eine anschließende Sicherungsverwahrung behielt sich das Gericht vor. Eine Behandlung des Mannes werde zwar "viele, viele" Jahre dauern und ein Erfolg sei zweifelhaft, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Trautwein. Ausgeschlossen sei ein Therapie-Erfolg aber nicht. Der Richter sprach von einem "entsetzlichen Unheil", das der Angeklagte durch das "Zerstören von Kinderseelen" angerichtet habe. Für die Opfer ende die Schädigung auch mit Ende des Prozesses nicht. Der Angeklagte verfolgte das Urteil äußerlich regungslos.

Positiv rechnete die Jugendkammer dem Angeklagten an, dass er die Taten vollumfänglich eingeräumt habe - wenn auch spät und erst unter dem Eindruck der Aussage eines der Opfer. Der Angeklagte sei zudem therapiewillig. Durch das Geständnis habe er sich letztlich die Möglichkeit eröffnet, irgendwann doch wieder in Freiheit zu kommen, so der Richter. Mit dem Geständnis habe der Angeklagte den Zeugen Entlastung verschafft und den heute noch jugendlichen Opfern eine Retraumatisierung durch eine Aussage vor Gericht erspart.

Nach Überzeugung des Gerichtes hat der aus Wuppertal stammende Mann seit Mitte der 1990er Jahre fünf Buben bei mehr als 100 Gelegenheiten sexuell missbraucht. Die Taten sollen vor allem im Raum Mainz und im Kreis Deggendorf geschehen sein. Bereits von 2003 bis 2009 saß der Angeklagte nach einem Urteil des Landgerichtes in Karlsruhe wegen Sexualstraftaten für fünfeinhalb Jahre in Haft. 2008 war er nach einem kirchengerichtlichen Urteil in Freiburg aus dem Priesterstand entlassen worden. Er gab sich jedoch wieder als Priester aus. Der Mann sei nach der Methode des sogenannten Groomings vorgegangen, sagte der Richter. Er habe Kontakt zu strenggläubigen, frömmelnden Familien gesucht, bei denen die Vaterfigur fehlte oder schwach war und die Mutter überfordert war. Dort habe sich der Mann eingenistet, die Erzieherrolle übernommen und bei den Kindern im Zimmer schlafen dürfen. Das habe es dem Ex-Priester ermöglicht, die Straftaten überhaupt zu begehen, und den Opfern sei es praktisch unmöglich gewesen, sich ihm zu entziehen. "Das waren grauenvolle Zustände für die Kinder."

Der Angeklagte habe das in ihn gesetzte Vertrauen und seine Machtposition ausgenutzt - und das über einen langen Zeitraum und bei einer Vielzahl von Opfern. "Pädophilie ist nicht heilbar, man kann bestenfalls daran arbeiten, sich in den Griff zu bekommen", sagte der Richter. Das habe der Angeklagte bislang nicht getan. Zwei der Opfer, die in dem Prozess als Nebenkläger auftraten, waren nach dem Urteil erleichtert. Es sei wichtig gewesen, den Prozess zu verfolgen, zu verstehen, wie der Angeklagte ticke - und das jahrelange Schweigen brechen zu können, sagte einer der jungen Männer.

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