09.07.2017 - 22:18 Uhr
Deutschland & Welt

Markus Ganserer- ohne Auto durch Bayern Kein Weg führt nach Zwiesel

Markus Ganserer hat kein Auto. Der Grüne Verkehrspolitiker fährt lieber Bus und Bahn. Für Termine auf dem Land ist das oft eine Herausforderung, wovon gerade ältere Menschen und Jugendliche ohne eigenes Auto ein Lied singen können.

Ein passionierter Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs muss sich auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen. Archivbild: Silas Stein/dpa
von Jürgen UmlauftProfil

München. Ein Beispiel: Ganserer will von Passau mit Zwischenstopp in Freyung nach Zwiesel. Mit einem Ticket geht das schon mal nicht, weil die Streckenabschnitte von verschiedenen Unternehmen bedient werden. Bis Freyung klappt die Fahrt trotzdem gut - sieht man davon ab, dass statt der Bahn ein Ersatzbus fährt.

Ab Freyung aber wird es spannend. Die elektronische Fahrplanauskunft empfiehlt Ganserer, für die 50 Kilometer nach Zwiesel zurück nach Passau zu fahren und dort den Zug über Deggendorf zu nehmen. 130 Kilometer, Fahrzeit 3 Stunden 40. Vor Ort erfährt er, dass er auch den Bus nach Grafenau nehmen könnte, dann den Zug nach Zwiesel. Nur 1 Stunde 50. Problem: Umsteigezeit in Grafenau laut Fahrplan: 1 Minute.

Da darf unterwegs nichts passieren, denn der Zug wartet nicht auf den Bus, weil die Fahrer nicht vernetzt sind. In Ganserers Fall ist das aber egal. Denn der Bus fällt wegen Bauarbeiten aus. In der Fahrplan-App steht das nicht, sondern nur auf einem Zettel an der Haltestelle.

"Tarifdschungel"

Für Ganserer kulminieren in dieser Geschichte alle Probleme und Ärgernisse des öffentlichen Nahverkehrs auf dem Land in Bayern. Kein einheitlicher Tarif, kein abgestimmter Fahrplan von Bussen und Bahnen, keine Echtzeitdaten über Ausfälle und Verspätungen von Bussen auf den Fahrplan-Apps. "Wenn man aus den Städten herauskommt, ist das Angebot gelinde gesagt ausbaufähig und denkbar schlecht organisiert", klagt Ganserer. Dafür müsse man in den Städten "drei Semester Tarifdschungel" studiert haben, um ans richtige Ticket zu kommen.

Ganserer will das nun ändern. "Wir wollen eine Fahrkarte für das ganze Land", erklärt er, den "Bayern-Tarif". Also ein Bayern-Ticket, das den ganzen Tag in allen Fahrzeugen des Nahverkehrs gilt - egal ob Bus oder Bahn. Und auch als Monats- und Jahreskarte für Pendler, am besten zusätzlich elektronisch fürs Smartphone. "Wir haben das Bayern-, das Hopper- und das Servus-Ticket, warum nicht auch noch das "Pfiat-di-Gott"- und das "Des-fehlt-uns-grad-no"-Ticket", ätzt er über den Tarifwirrwarr.

Wille der Politik fehlt

Ergänzend dazu müssten die Fahrpläne von Bussen und Bahnen landkreisübergreifend aufeinander abgestimmt werden, die Verbindungsdaten in Echtzeit mobil abrufbar sein. Technisch sei das längst alles möglich, es fehle am politischen Willen.

"Da hält der Ministerpräsident eine große Regierungserklärung zur Digitalisierung, aber dann kriegen sie nicht einmal das schon heute Machbare hin", wundert sich Ganserer. Seine Vorschläge hat er nun in sechs Landtagsanträge gepackt. Die Erfolgsaussichten sind so ungewiss wie der nächste Busanschluss.

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