Mega-Investition in Oberfranken:
Reha-Zentrum der Superlative

Arie Rivosh, Präsident der ILLV-Medical-Projects-Gruppe. Bild: exb
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Bayern
28.06.2017
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Mega-Investition in Oberfranken: Eine internationale Unternehmensgruppe will für 70 Millionen Euro auf dem Gelände des Waldstadions in Marktredwitz ein neuartiges Reha-Zentrum bauen. Im Januar 2018 beginnen die Bauarbeiten.

Marktredwitz. Noch klingt es etwas nach Märchen. Aber dem Vernehmen nach handelt es sich tatsächlich um eine seriöse Planung: Eine Gruppe europäischer und internationaler Medizintechnik-Unternehmen will in Marktredwitz 70 Millionen Euro investieren. Entstehen soll ein völlig neuartiges Reha-Zentrum, eingebettet in einer riesigen Infrastruktur mit einem Seniorenheim und einem Appartement-Hotel.

Oberbürgermeister Oliver Weigel sagte bei der Präsentation des Projektes, es handle sich wohl um die größte Investition in der Region seit vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Zum Vergleich: Der technisch und architektonisch komplexe An- und Umbau des Luisenburg-Theaters hat 17,3 Millionen Euro gekostet.

Alzheimer heilen

Ein wenig märchenhaft klingt zunächst auch eine Aussage von Arie Rivosh, Präsident der ILLV-Medical-Projects-Gruppe aus Israel, die für das medizinische Konzept des Zentrums mitverantwortlich ist. In Marktredwitz werde eine Kombination aus Verfahren und Hochtechnologie eingesetzt, "die den Alterungsprozess verlangsamen und möglicherweise Krankheiten wie Alzheimer heilen kann". Auf Nachfrage sagte Rivosh, dass er unter anderem mit dem Weizmann-Institut in Rechovot in Israel und dem Hopkins-Institut in den USA zusammenarbeite.

Detailliert wollte der Medizin-Unternehmer nicht auf die medizinischen Ansätze der geplanten Reha-Einrichtung eingehen. Der Zweck des Zentrums ist, grob gesagt, die "medizinische und psychologische Behandlung zur kompletten oder teilweisen Rückgewinnung beschädigter oder verlorener organischer oder systemischer Körperfunktionen". Dazu kommen unter anderem eine "umfassende Diagnostik, eine Therapie mit Chirurgie mit einzigartigen Methoden der kognitiven Diagnostik, Endovaskulärchirurgie (dabei geht es um Chirurgie im Inneren von Gefäßen) und minimalinvasive Eingriffe" zum Einsatz.

Selbstzahler im Visier

Als Zielgruppe nannte Arie Rivosh ältere Menschen aus Deutschland und anderen europäischen Staaten. Er sei mit den Krankenkassen im Gespräch, aber er setze vorwiegend auf Selbstzahler. Der Reha-Komplex, der aus mehreren dreigeschossigen Gebäuden besteht, entsteht auf dem Waldstadion, in der der einstige SC Wacker früher sogar in der Landesliga spielte und viele bedeutende Leichtathletik-Wettkämpfe stattfanden. Die Stadt hat das Gelände erworben und inzwischen an die extra für das Projekt gegründete Firma Medi-Tech Fichtelgebirge verkauft.

Der Marktredwitzer Stadtrat beschloss einstimmig, die Bauleitplanung für das Gebiet einzuleiten. Wie Oberbürgermeister Weigel sagte, hat die Stadt bereits vorab die Träger öffentlicher Belange gehört. Diese haben durchweg keine Bedenken geäußert. Bis Ende des Jahres sollen alle baurechtlichen Hürden genommen und die Pläne konkret sein. "Dann kann es möglicherweise schon im Januar mit dem Bau losgehen." Die Einweihung des neuen Reha-Zentrums ist Anfang 2020 anvisiert.

Der Sprecher der Investorengruppe, Roman Kozlovs, sagte, das medizinisch-technologische Konzept der gesamten Anlage stehe, es komme tatsächlich nur noch auf die Baugenehmigung an. Als bedeutende Investition weit über die Stadt Marktredwitz hinaus bezeichnete Oliver Weigel das Vorhaben. Wenn alles nach Plan läuft, werden auf dem Wacker-Hügel 240 bis 300 neue Arbeitsplätze entstehen.

Das medizinische Zentrum am alten Wacker-Platz soll aus mehreren Einheiten bestehen. Etwas zurückversetzt vom bestehenden Parkplatz mit dem Glas-Recycling-Container ist ein großer Querbau vorgesehen. Hier wird sich das Seniorenheim mit 144 Plätzen befinden. Am genau entgegengesetzten Ende des Grundstückes hat Architekt Eric Senne das Zentrum für Geroprophylaxe mit 72 Betten platziert. In der Mitte, also auf der momentanen Rasenfläche, entstehen das Zentrum für medizinische Versorgung und Beratung sowie ein Reha-Zentrum. Damit die aus ganz Europa erwarteten Patienten in Marktredwitz von Angehörigen oder Freunden besucht und betreut werden können, plant der Investor ein Appartement-Hotel mit 120 Einheiten. Insgesamt umfasst der Komplex eine Fläche von knapp 38 000 Quadratmetern.

Ortswahl eher zufällig

Das Fichtelgebirge ist eher zufällig ins Visier der finanzkräftigen Investorengruppe aus Osteuropa und Israel geraten. Wie Kozlov sagte, haben sie nach Regionen mit Entwicklungspotenzial gesucht und wurden in Nordostbayern fündig. Hier gebe es eine sehr gute Infrastruktur, auch die Lage sei hervorragend. Offenbar hat die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, allen voran das Landratsamt in Wunsiedel, ebenso zur Entscheidung beigetragen.

Vom Konzept des Reha-Zentrums hat sich übrigens auch der Geschäftsführer des Klinikums Fichtelgebirge, Martin Schmid, überzeugt, wie Landrat Karl Döhler berichtete. Klinikum und Reha-Zentrum wollen demnach zusammenarbeiten und Synergien nutzen. Architekt Eric Senne setzt beim Bau der Häuser überwiegend auf Materialien aus heimischer Produktion oder Holz.
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