04.07.2017 - 19:32 Uhr
Deutschland & Welt

Münchberg nach dem Busunfall Zeit des Aufräumens

24 Stunden nach der Katstrophe bleibt etwas Zeit, um die Ereignisse Revue passieren zu lassen. In einem sind sie sich alle einig: Der größte Dank gebührt den Helfer

An der Unfallstelle auf der A9 bei Münchberg haben bereits die Aufräumarbeiten begonnen. Bild: Nicolas Armer/dpa
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Von Claudia Sebert

Münchberg. Als am Montagabend die Münchberger Feuerwehrmänner von der Autobahn zurückkommen, empfängt sie minutenlanger Beifall. Nicht nur die Kameraden aus Helmbrechts klatschen, auch der Landrat, der Dekan, die Bürgermeister. Unter ihnen Karl Philipp Ehrler aus Stammbach. "So ein Empfang lässt sich schwer in Worte fassen. Die Kameraden haben ihn sich mehr als verdient", sagt Ehrler. Den Namen seiner Gemeinde kennt seit Montag ganz Deutschland. "Doch darauf hätten wir gerne verzichtet. Wir wären froh gewesen, wenn wir diese menschliche Tragödie nie hätten erleben müssen." Ehrler spricht vom schwersten Unfall, den es auf Stammbacher Gebiet je gegeben hat. Und er spricht von einer fast übermenschlichen Leistung der Rettungskräfte. "Außergewöhnlich."

Ehrler war selbst viele Stunden an der Unglücksstelle und hat den Einsatz der Helfer miterlebt. Er sei immer wieder von Journalisten gefragt worden, ob die Feuerwehrmänner ihre Arbeit tatsächlich ehrenamtlich verrichten. "Für uns ist das selbstverständlich, aber das ist es nicht. In unserer Region engagieren sich Menschen freiwillig, um andere zu retten, und nehmen dafür diese psychische Belastung in Kauf." Der Stammbacher Bürgermeister ist froh, dass am Montag hochrangige Politiker vor Ort waren, die dieses Engagement erleben konnten. Genau wie die Probleme, die den Helfern zu schaffen machen: Rettungsgasse und Gaffer. "Ich hoffe, dass hier in Zukunft mehr Aufklärungsarbeit geleistet wird."

Der Tag danach beginnt im Münchberger Krankenhaus trotz alle dem mit einer guten Nachricht: Der Großteil der Verletzten aus dem Busunglück kann entlassen werden. Das berichtet Hermann Dederl, Vorstand der Kliniken Hochfranken. Sechs Menschen mit leichten bis mittelschweren Verletzungen sind nach dem Unfall nach Münchberg gekommen, acht Verletzte brachte man in die Nailaer Klinik. "Weil uns die integrierte Leitstelle genau informiert hat, konnten wir uns gezielt auf die Verletzten vorbereiten", sagt Dederl. Man habe die Notaufnahme personell aufgestockt. Außerdem stellte man sich darauf ein, sämtliche verschiebbaren Operationen zu verlegen, damit Ärzte und OP-Säle ganz den Unfallopfern zur Verfügung stehen. Das sei dann aber nicht nötig gewesen, zwei Verletzte konnten sogar nach einer ambulanten Versorgung das Krankenhaus verlassen.

Im Münchberger Rathaus standen die Mitarbeiter am Montag in Bereitschaft. Am Vormittag wusste niemand, ob vielleicht eine Notunterkunft in der Stadt gebraucht wird. Für Bürgermeister Christian Zuber war der Montag sein erster Arbeitstag nach dem Urlaub. Die Nachricht habe schlimme Erinnerungen an die Massenkarambolage in der Münchberger Senke 1990 geweckt, sagt Zuber. "So ein schreckliches Unglück stimmt einen sehr traurig."

Nicht nur die Nachricht vom Unfall machte vielen Münchbergern zu schaffen, sondern auch ein Verkehrs-Chaos besonderen Ausmaßes. "Wer durch die Stadt wollte, stand eine halbe Stunde im Stau", berichtet Polizeihauptkommissar Albert Spindler und spricht von einem Ausnahmezustand bis spät in die Nacht hinein. Das Problem: Wegen einiger Baustellen sind in Münchberg Straßen gesperrt. "Aber die zeigt das Navi nicht an. So standen viele Laster vor gesperrten Straßen und mussten umdrehen." Bei Stammbach blieb ein Lkw an einer Eisenbahnbrücke hängen, weshalb der Zugverkehr für über eine Stunde ausfiel. Die Umleitung hat ein Einsatzzug der Hofer Polizei geregelt. Die Münchberger Beamten waren mit den Anrufen beschäftigt, die trotz zentraler Hotline vor Ort eingingen. Für Albert Spindler waren die Ereignisse vom Montag nicht die erste Katastrophe, die er als Polizist erlebt hat. Auch bei der Massenkarambolage in der Münchberger Senke hatte er Nachtdienst. "Als ich am Montag davon hörte, kamen die Erinnerungen wieder hoch."

In der Autobahnmeisterei Münchberg hat die Polizei nach dem Unglück eine Betreuungsstelle eingerichtet. Sie war für Angehörige gedacht, die zum Unfall-Ort reisen. In den Räumen der Meisterei wären sie von speziell geschulten Beamten psychologisch betreut worden. "Das Angebot ist jedoch nicht genutzt worden", berichtet Heiko Mettke, Sprecher des Polizei Oberfranken.

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