04.07.2017 - 19:04 Uhr
Deutschland & Welt

Nach dem Busunglück auf der A9 Suche nach Antworten

Münchberg. (üd/dpa/epd) Der Tag nach der Tragödie auf der A 9 bei Münchberg (Kreis Hof): Von den 30 Verletzten haben laut Polizeipräsidium Oberfranken und Staatsanwaltschaft Hof sieben Leichtverletzte das Krankenhaus wieder verlassen können. Drei der 23 Opfer, die noch in den Kliniken behandelt werden, schweben weiterhin in Lebensgefahr, hieß es in einer Mitteilung.

von Agentur DPAProfil

Ermittlungen gegen Fahrer

Ein Reisebus mit 48 Menschen an Bord war am frühen Montagmorgen bei zähfließendem Verkehr auf einen Sattelzug aufgefahren und sofort in Brand geraten. Der Bus war mit Senioren aus Sachsen unterwegs zum Gardasee. 18 Menschen starben in den Flammen, unter ihnen der 55 Jahre alte Fahrer. Auf ihn konzentrieren sich die Ermittler bei der Suche nach der Ursache für den verheerenden Unfall. Gegen andere Menschen werde nicht ermittelt, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Geprüft würden aber auch mögliche technische Fehler. Der Firmensitz des Busunternehmens in Sachsen sei durchsucht worden, teilten Polizeipräsidium und Staatsanwaltschaft weiter mit. Dabei seien Unterlagen in Bezug auf den Bus, den Fahrer und seinen überlebenden Kollegen sichergestellt worden.

Die Brandursache ist noch nicht geklärt. Zwei Sachverständige für Verkehrsunfälle und Brände hätten keine Hinweise darauf gefunden, dass der Reisebus schon vor dem Aufprall gebrannt hat. Dies bestätigen laut "Frankenpost" auch Überlebende: Sie berichten, dass sie erst danach Rauch und Flammen wahrgenommen hätten. Der Brandherd habe nahe dem Fahrersitz gelegen.

Um solche Unfälle zu vermeiden, seien nicht abschaltbare Notbremssysteme wichtig, die auf Stau-Enden reagierten, sagte Professor Hermann Winner von der TU Darmstadt. Baden-Württemberg denkt über eine Bundesratsinitiative zum verpflichtenden Einsatz von Notbremssystemen für Busse nach. Zwar seien diese seit 2015 in Reisebussen und Lkw vorgeschrieben. "Das Problem ist allerdings: Der Fahrer kann diesen Assistenten abschalten, was offenkundig häufig gemacht wird", sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU).

Da bei der Brandkatastrophe Autofahrer die Zufahrt für die Rettungskräfte erschwert hatten, könnte laut Bundestags-SPD bei der strafrechtlichen Aufarbeitung erstmals der neue, am 30. Mai in Kraft getretene Straftatbestand gegen Gaffer zu einer härteren Bestrafung angewendet werden. Damit reicht schon das Behindern von Rettungskräften aus, um sich strafbar zu machen. Der rechtspolitische Sprecher der SPD, Johannes Fechner, sagte: "Wer aus Sensationslust die Rettung von Menschenleben blockiert, muss mit einer empfindlichen Geldstrafe oder Gefängnis bestraft werden." Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will die Geldbuße für Notgassen-Blockierer auf 200 Euro verzehnfachen. Zudem sollen zwei Punkte in Flensburg drohen, in schweren Fällen zudem ein Monat Fahrverbot.

Schweigeminute

Das bayerische Kabinett hat am Dienstag mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte : "Wir beten für die Opfer und die vielen Verletzten." Seehofer dankte außerdem den zahlreichen Rettungs- und Einsatzkräften. Diese hätten bei der Bergung und Versorgung der Opfer "so viel geleistet und schwierigste Umstände bewältigt". (Seite 3)

Wer aus Sensationslust die Rettung von Menschenleben blockiert, muss mit einer empfindlichen Geldstrafe oder Gefängnis bestraft werden.Johannes Fechner, rechtspolitischer Sprecher der SPD im Bundestag
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