06.06.2017 - 21:44 Uhr
Deutschland & Welt

Neue Flaschen kommen gut an Bocksbeutel gut in Form

Ende 2015 wurde der neu gestaltete Bocksbeutel öffentlich vorgestellt. Moderner und frischer sollte das Design sein, um vor allem jüngere Kunden zu locken. Hat das geklappt?

Der Designer Peter Schmidt (rechts) und der Präsident der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, Hermann Kolesch, stellten im Dezember 2015 den neuen Bocksbeutel vor. Nach neun Monaten im Verkauf ziehen die fränkischen Winzer eine gute Bilanz. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Würzburg. Größer, weniger Bauch, mehr Kanten - mit diesem Design sollte der neue Bocksbeutel erst Winzer und schließlich Kunden überzeugen. Ende 2015 wurden die neuen Flaschen für den Frankenwein öffentlich vorgestellt, seit Herbst 2016 sind sie im Handel zu finden.

Der Fränkische Weinbauverband und die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) sind bislang zufrieden. "Der Aufwand und der Ärger haben sich gelohnt", sagte LWG-Direktor Hermann Kolesch. Anfangs seien viele Winzer skeptisch gewesen und hätten auf das traditionelle Design beharrt. Mittlerweile seien aber viele Kritiker überzeugt: "155 Erzeuger mit mehr als der Hälfte der fränkischen Rebfläche sind auf den neuen Bocksbeutel PS umgestiegen." PS steht für den Hamburger Designer Peter Schmidt. Er hat der Flasche ihre neue Form gegeben. Auch Hermann Schmitt, Geschäftsführer des Weinbauverbandes, sieht eine Erfolgsgeschichte: "Wir hoffen, dass bis zum Jahresende zwei Drittel der Bocksbeutel-Weine in den neuen Bocksbeutel PS gefüllt werden." Jedes Jahr werden rund 45 Millionen Flaschen Frankenwein abgefüllt; etwa 15 Millionen davon sind Bocksbeutel. Die Winzer können nach wie vor wählen, welche Flasche sie nehmen. Preislich mache das keinen Unterschied, sagte Nikolaus Wiegand von der Glashütte Wiegand. Sie produziert weiterhin beide Designs. "Wir werden den alten Bocksbeutel nicht aktiv auslaufen lassen."

Aber kommt das Design auch beim Verbraucher gut an? Immerhin sollte damit vor allem der Verkauf des Frankenweins angekurbelt werden. "In den Supermärkten steht ja oft neu und alt nebeneinander. Da sieht man deutlich, dass da eher bei den neuen Bocksbeuteln zugegriffen wird", sagte Kolesch von der LWG.

Die Geschichte des Bocksbeutels

Der Bocksbeutel klingt für Nicht-Franken zunächst vor allem komisch. Das Wort könnte sich Experten zufolge sowohl vom niederdeutschen Booksbüdel (Bücherbeutel) als auch vom Hodensack eines Ziegenbocks ableiten. Die Flaschenform an sich ist schon sehr alt und geht zurück auf oft lederne Feldflaschen. Weiteres Vorbild waren die Pilgerflaschen aus Glas oder Keramik. Auch sie waren eher kugelig und in der Mitte flach gedrückt. Das hatte den Vorteil, dass sie nicht wegrollten und eng am Körper getragen werden konnten, ohne zu stören. Heute sind in den Bocksbeuteln qualitativ hochwertige Weine vor allem aus Franken zu finden. Der Begriff Bocksbeutel ist von der Europäischen Union als geschützter Begriff anerkannt. (dpa)

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