12.03.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Prozess wegen Steuerhinterziehung: Experten sehen Bayern-Präsidenten schon im Gefängnis Uli Hoeneß droht längere Sperre

Wenn Uli Hoeneß im Saal 134 des Münchner Justizpalastes nach oben schaut, kann er auf ein Flammenschwert blicken, auf einen Pflug und Steine. Sie "symbolisieren die Vertreibung aus dem Paradies", heißt es in einer ausliegenden Erklärung zu dem 1959 gestalteten Saal. Das passt zum Prozess gegen den Präsidenten des FC Bayern München. Für ihn könnte es bald heißen: Raus aus dem Garten Eden.

von Redaktion OnetzProfil

Wenn Politiker nun seinen Rücktritt als Bayern-Präsident und Aufsichtsratschef fordern, ist das noch das geringste Problem für Hoeneß. Experten sehen ihn schon an Tag zwei seines Steuerprozesses mit mehr als einem Bein im Gefängnis. Was bislang ans Tageslicht gekommen ist, macht ein mildes Urteil immer unwahrscheinlicher. Zum Prozessauftakt räumte Hoeneß ein, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben - fünfmal soviel wie die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft. Und einen Tag später wurde es noch mehr: Nach Ansicht einer Rosenheimer Steuerfahnderin hat er mindestens 27,2 Millionen Euro hinterzogen.

Wie leere Worthülsen

Um so viel Geld ging eines Prominenten ging es vor einem deutschen Gericht wohl noch nie. Der für seine Genauigkeit bekannte Vorsitzende Richter Rupert Heindl kann sich ein Lächeln kaum verkneifen, als er den Staatsanwalt fragt, ob man sich angesichts dieser Summe wirklich noch detailliert mit irgendwelchen Verlustvorträgen auseinandersetzen muss.
Der Prozess scheint Hoeneß und seinen drei Verteidigern mehr und mehr zu entgleiten. Dabei war er angetreten als geläuterter Sünder. "Mir ist klar, dass mir nur absolute Steuerehrlichkeit hilft", las er zu Prozessbeginn vor. "Mein Fehlverhalten bedauere ich zutiefst. Sämtliche Steuern werde ich natürlich zahlen." Nun klingen diese Sätze wie Worthülsen. Schon im vergangenen Jahr hatte Hoeneß alles getan, sich als reumütig darzustellen. Bei der Hauptversammlung seines FC Bayern weinte er bittere Tränen. Immer wieder betonte er, was er und seine Familie durchmachen. Er suchte nach einem Maulwurf in den Finanzbehörden und stellte Anzeige gegen Unbekannt. Gegen ein Magazin kündigte er eine Verleumdungsklage an.

Steuer trotz Verlust

Nach der Aussage der Steuerfahnderin scheint nun klar: zumindest zeitweise hatte Hoeneß in einem Depot mehr als 140 Millionen Euro. Doch dann muss er sich verzockt haben. "Ende 2010 ist nicht mehr sehr viel von den Gewinnen da", schildert die Beamtin vor Gericht. "Was leider an der Steuer nichts ändert." Womöglich hat Hoeneß sich jetzt noch einmal verzockt. Fristen, weitere Unterlagen zu seiner wohl mehr als unvollständigen Selbstanzeige einzureichen, ließ er nach Gerichtsangaben immer wieder verstreichen.
Als die Beamtin ihre Aussage, die Hoeneß derart in Bedrängnis bringt, beendet, sieht der Präsident mitgenommen aus - puterrot und zugleich merkwürdig blass. Als habe er Fieber. Seine Kiefer mahlen. Und seine Anwälte sind beinahe sprachlos. Nur zwei Fragen hat der renommierte Steueranwalt Hanns W. Feigen an die Frau. Eine davon: Ob sie je erlebt habe, dass die Besprechung zu einem Steuerfall mit zwei Oberstaatsanwälten, Behördenleitern und Beamten derart hochkarätig besetzt sei. "Nein", sagt die Steuerfahnderin. "Ich auch nicht", sagt Feigen. Er zielt wohl auf den Promi-Malus, den Hoeneß selbst gern ins Gespräch bringt. Die Frage wirkt wie eine Verzweiflungstat.

Womöglich könnte doch schon am Donnerstag das Urteil fallen. Am Dienstag wollte sich der Präsident eigentlich das Champions League-Spiel des FC Bayern gegen den FC Arsenal in der Allianz Arena anschauen. Wenn es schlecht für ihn läuft, könnte es das vorerst letzte Mal sein.

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