Rund 500.000 Euro an Spenden aus der "Icebucket-Challenge" - Projekte und Beratungsstellen
Warmer Geldregen nach kalter Dusche

Eiskalte Dusche für Landrat Thomas Ebeling: Bei der „Ice Bucket Challenge“ musste er sich einen Kübel kaltes Wasser über den Kopf gießen. Bild: hfz
Vermischtes BY
Bayern
01.09.2014
35
0
Seit Juli schwappt die Welle aus den USA über die ganze Welt. Bei der Ice Bucket Challenge kippen sich Menschen einen Eimer Eiswasser über den Kopf, machen ein Video von der Aktion und "fordern drei andere auf", es ihnen gleich zu tun. Wer kneift, ist aufgerufen 100 Euro an eine ALS-Organisation zu spenden.

"Ich hätte nie gedacht, dass in so kurzer Zeit so viel Geld zusammenkommt." Sozialpädagogin Susanne Werkmeister ist zuständig für die Beratung von Betroffenen und deren Angehörige in der Oberpfalz und Mittelfranken. "Ich finde es gut. Da wird ein ernstes Thema mit Spass angepackt und Geld gesammelt." Laut Mitteilung auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke(DGM) sind bis Ende August rund 70 Millionen Dollar an ALS-Organisationen gespendet worden. Das Geld soll, so Susanne Werkmeister, sowohl in der Forschung als auch für einzelne Projekte wie beispielsweise Beratungsstellen verwendet werden.

Die bestätigt auch die stellvertretende Geschäftsführerin beim Bundesverband, Anja Alexandersson. "500.000 Euro sind bis heute bei uns eingegangen. Stand. 1. September." Auch wenn der warme Geldregen nach den kalten Duschen langsam abflaut, ist die unverhoffte Spendenquelle "wertvoll im Kampf gegen die heimtückische Krankheit". Laut Anja Alexandersson arbeiten die Verantwortlichen im Bundesverband derzeit an einem Konzept, wofür die Spendensumme konkret genutzt werden soll. "Wir planen unter anderem eine Sonderausschreibung für einen Forschungsauftrag."


Überall auf der Welt beteiligen sich Menschen an der Ice Bucket Challenge. Damit soll Geld für die Forschung im Kampf gegen die Krankheit ALS gesammelt werden. Bild: dpa

"Es ist sehr, gut dass was passiert." Hanni Schertl aus Reisach bei Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) freut sich über jeden Euro, der ankommt. Als Verantwortliche in der ALS-Kontaktgruppe Grafenwöhr und Ehefrau eines Erkrankten kennt sie die Probleme mit der Krankheit und der Aufklärung darüber aus erster Hand. Vor mittlerweile 26 Jahren hat ihr Mann die "Diagnose ALS" erhalten. "Seitdem gehen wir offensiv damit um." Die Aufmerksamkeit, welche die Eiswasseraktion erzeugt hat, beurteilt Hanni Schertl positiv. "Als ich die Kommentare der 'Madigmacher' gelesen habe, bin ich ganz fuxig g'worn." Sie weiß, wie mühsam es ist, Geld und Aufmerksamkeit zu bekommen. "Wir sind viel unterwegs und organisieren Gesprächskreise und haben viele unserer Bekannten an der Krankheit sterben sehen." Jeder Euro, der gespendet wird und in der Forschung und bei Beratungsstellen ankommt, ist ihrer Meinung nach ein "guter Euro".

Um die Eiswasser-Euros weiter sprudeln zu lassen oder die Erkrankung nicht aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit geraten zu lassen, hat Hanni Schertl Kontakte "spielen lassen". Nachdem sie aus der "Amberger Zeitung" und dem Oberpfalznetz erfahren hat, dass der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling auch kalt geduscht hat, organisierte sie kurzerhand mehrere Nominierungen in ihrer Heimatgemeinde Vilseck. "Am 28. September ist Herbstfest in Vilseck. Da greift Bürgermeister Hans-Martin Schertl zum Kübel - und mindestens ein weiterer Stadtrat. Beim Pfarrfest, das eine Woche vorher steigt, gibt es eine "ganz besondere Überraschung". Zu viel will Hanni Schertl aber noch nicht verraten. Eines gibt sie allerdings zu. Susanne Werkmeister ist es nicht, die beim Pfarrfest kalt duscht. Sie kommt erst zum Herbstfest in die Region, um für den Kampf gegen die Krankheit zu werben. Sich der Herausforderung Eiswasser gestellt hat Susanne Werkmeister, wie selbst sagt: "Noch nicht".

Nebeneffekte der Ice Bucket ChallengeDie Aufmerksamkeit und die Spenden, welche die Ice Bucket Challenge für den Kampf gegen ALS erzeugt hat, sieht die Sprecherin des Landesverbandes Bayern der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Karen Marscholik, mit Freude. "Wir finden es toll, wie kreativ Organisationen auf ihr Anliegen aufmerksam machen." Den Erfolg der Videoreihe muss sie "neidlos anerkennen". Befürchtungen, dass in nächster Zeit weniger Spendengelder bei der DMSG eingehen, hat sie nicht. "Es gibt sogar Menschen, die wegen der Ice Bucket Challenge an uns herangetreten sind und spenden. Es gibt so viele Krankheiten, die es zu bekämpfen gilt." Der Landesverbands-Geschäftsführer der DMSG in Bayern, Hans-Peter Wabro, würde sogar mitmachen: "Wegen der guten Sache an sich."

Ambergs OB Michael Cerny eiskalt erwischt

Bill Gates, der wohl reichste Mann der Welt, hat es schon hinter sich. Auch Fußballer David Beckham, Sängerin Rihanna, Schauspieler Jan Josef Liefers und unzählige Promis rund um den Globus wurden eiskalt erwischt. Jetzt war auch OB Michael Cerny an der Reihe. Der Neustädter Landrat Andreas Meier hatte ihn für die Ice Bucket Challenge (Eiskübelherausforderung) nominiert.


Jeder Leuchtpunkt eine Erwähnung

Wie sehr sich die Herausforderung mit dem Eiswasser verbreitet, zeigt die Karte. Leuchtpunkte machen Mitteilungen sichtbar, die mit dem Stichwort #iceBucketChallenge auf Twitter verbreitet werden.