Schleuserring fliegt auf

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Bayern
12.01.2017
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Sie sollen Menschen für viel Geld von Pakistan nach Deutschland geschmuggelt haben. Die Bande fliegt auf - und die Praktiken der Schleuser werden bekannt.

Hof/Rom. Ein internationaler Schleuserring ist in Deutschland und Italien aufgeflogen. Die Bande bestehe aus mehreren Pakistanern, die Dutzende Menschen aus ihrem Herkunftsland über die sogenannte Balkanroute geschmuggelt hätten, teilte die italienische Polizei am Mittwoch in Ancona mit. Zwei Verdächtige wurden in Italien und im Raum Erfurt zeitgleich festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft Hof bekanntgab. Sie leitet das Ermittlungsverfahren. Den Männern wird neben Schleusung auch erpresserischer Menschenraub vorgeworfen.

Denn im April vergangenen Jahres habe, so die italienische Polizei, ein Mann aus Pakistan ausgesagt, dass er von Landsmännern in einer Wohnung in Belgrad gefangen gehalten worden war. Er sei nur nach einer Zahlung von 6000 Euro freigelassen worden - zusätzlich zu den 2000 Euro, die er für seine Flucht nach Deutschland bereits bezahlt habe. Der Hofer Staatsanwaltschaft zufolge besteht der Verdacht, dass damals zwei Personen von der Schleusergruppe gegen ihren Willen vorübergehend festgehalten worden waren, um weitere Geldzahlungen von Verwandten zu erpressen.

Die ursprünglichen Hinweise zu dem Verfahren waren bei den oberfränkischen Polizeibehörden zusammengelaufen, deshalb leitet die Hofer Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Wer genau sich dort gemeldet hatte, gab ein Sprecher jedoch nicht bekannt. Insgesamt gerieten so in Italien und Deutschland jeweils drei Verdächtige ins Visier der Ermittler, zwei davon wurden verhaftet. Wie die italienische Polizei mitteilte, wohnte der Kopf der Bande in Italien in Macerata südlich von Ancona. Macerata ist die Partnerstadt Weidens. Mehrere Dutzend Pakistaner soll die Bande nach Deutschland und nach Frankreich geschmuggelt haben, nachdem diese zwischen 3000 und 8500 Euro bezahlt hatten. Die Route führte mit Autos und Zügen von der Türkei über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Österreich und Ungarn. Um Frankreich zu erreichen, sei die Bande über Italien gegangen. Über die Grenzen ging es teils kilometerlang zu Fuß. In einigen Fällen sollen die Verdächtigen auch Grenzbeamte bestochen haben.

Zur Vorbereitung der Operation gab es laut den Hofer Ermittlern mehrere Treffen auf staatsanwaltlicher und polizeilicher Ebene, an denen auch serbische und italienische Behörden teilnahmen.
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