30.06.2017 - 22:14 Uhr
Deutschland & Welt

Sechs Jahre Haft für 20-Jährigen Täter prahlt mit Angriff

Im Zeugenstand war er stets stumm geblieben, doch ausgerechnet seine Redseligkeit Freunden gegenüber brachte einem 20-Jährigen am Freitag nun eine lange Gefängnisstrafe wegen versuchten Mordes ein.

Hätte der Angeklagte nicht Mitgefangenen von seinem Angriff auf den Bundespolizisten erzählt, wäre das Urteil vor dem Landgericht Ansbach möglicherweise anders ausgefallen. Bild: Daniel Karmann/dpa
von Agentur DPAProfil

Ansbach. Eigentlich standen seine Chancen, ungeschoren davonzukommen nicht schlecht: Es gibt weder DNA-Spuren noch eine Tatwaffe noch Zeugen. Dennoch ist ein 20-Jähriger vom Landgericht Ansbach zu einer sechsjährigen Haftstrafe wegen versuchten Mordes an einem Polizisten verurteilt worden. Der Angeklagte hat sich nach Überzeugung des Gerichts selbst als Täter überführt, weil er gegenüber anderen mehrfach mit der Tat geprahlt habe.

Nach Darstellung der Verteidigung wollte der Mann damit nur um Aufmerksamkeit buhlen. Sie hatte einen Freispruch wegen Mangels an Beweisen gefordert. Der Polizei warf sie vor, mit einem Tunnelblick ermittelt zu haben, und kündigte an, Revision einzulegen.

Opfer unsicher

Selbst der Bundespolizist war sich im Prozess nicht hundertprozentig sicher, ob es sich bei dem Angeklagten um den Täter handelt. Der Mann soll im April 2016 den 42-jährigen Beamten mit einem spitzen Gegenstand angegriffen und mit fünf Stichen verletzt haben. Der Polizist stürzte daraufhin eine Treppe herunter und wurde bewusstlos.

Laut Opferanwalt Wolfgang Staudinger ist der Attackierte seither schwer traumatisiert und - obwohl über ein Jahr danach - auch heute noch nicht in der Lage, seinen Polizeidienst wieder anzutreten.

Während des Prozessverlaufs äußerte sich der Angeklagte nicht, er schwieg stets. Freunden, Mithäftlingen sowie einer JVA-Beamtin hatte der vorbestrafte Mann aber erzählt, er sei von dem Bundespolizisten am Bahnhof in Ansbach beim Urinieren vor einem Altmetall-Container angesprochen worden. Aus Angst wieder ins Gefängnis zu müssen, weil er Marihuana bei sich gehabt habe, habe der 20-Jährige den Polizisten attackiert.

Glaubwürdiges Geständnis

Die Richter hielten das für ein nachvollziehbares Motiv. Dass der Mann sich mit der Schilderung nur vor seinen Freunden inszenieren wollte, glaubten sie nicht. Schließlich habe er das Geständnis unter vier Augen erzählt und nicht in der Gruppe.

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