Stadtwerke kooperieren mit Siemens AG
Wunsiedel will die größte Batterie Bayerns

Stadtwerke-Chef Marco Krasser und Bernd Koch (Siemens-Kompetenzzentrum). Bild: Florian Miedl
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Bayern
22.12.2016
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Wunsiedel. Ein Atomkraftwerk produziert immer. Und das auch noch auf gleichbleibendem Niveau. Eine Energieversorgung, die auf Wind und Sonne basiert, hat dagegen stets ein Problem: Das eine Mal gibt es zu viel Energie, das andere Mal zu wenig. Die drängendste Frage in Zeiten der Energiewende lauten denn auch nach einer effizienten und kostengünstigen Speichermöglichkeit und einem auf stabilem Niveau gehaltenen Netz.

In Wunsiedel gibt es nun eine Antwort darauf: Die Stadtwerke Wunsiedel (SWW), die sich seit Jahren intensiv mit der Energiewende befassen und mit Windrädern, Photovoltaikanlagen, Blockheizkraftwerken und Holzheizkraftwerken selbst Energie produzieren, setzen nun auf ein großes Batteriespeichersystem: Sie haben deshalb eine Partnerschaft mit der Siemens AG besiegelt. Siemens wird in der oberfränkischen Kreisstadt ein Batteriespeichersystem basierend auf Lithium-Ionen-Batterien installieren.

Klingt unspektakulär, ist aber tatsächlich sehr spektakulär: Mit einer Leistung von mehr als sechs Megawatt handelt es sich um den größten Akku Bayerns, wie Dr. Bernd Koch, Leiter des Siemens-Kompetenzzentrums für dezentrale Energiesysteme in Deutschland, gegenüber unserer Zeitung bekräftigte.

Hohe Kapazitäten

Möglicherweise ist der Speicher sogar die größte Batterie Deutschlands. Die Batterie kann Koch zufolge damit völlig problemlos 150 Häuser - Häuser mit hohem Stromverbrauch wohlgemerkt - einen Tag lang mit Energie versorgen. Oder wie es SWW-Geschäftsführer Marco Krasser formuliert: Die Batterien können den Strom speichern, den zwei Windräder in einer Stunde produzieren. Optisch ist die Anlage, die neben einem Umspannwerk in Wunsiedel ihren Platz finden wird, nicht besonders auffällig. Sie besteht aus drei Containern mit Lithium-Ionen-Zellen, einem Container mit den Wechselrichtern - das sind Geräte die Gleichstrom in Wechselstrom wandeln - sowie einer Station mit Transformatoren und Steuerungen.

SWW und Siemens beziffern die Investitionssumme für die Technik und für alle Arbeiten an Gebäuden und Zufahrten auf sechs bis acht Millionen Euro. Nach zehn Jahren wird die Stadt Wunsiedel Eigentümer der Anlage. Nachdem am Mittwoch Vertreter der Stadt Wunsiedel, der Stadtwerke und der Siemens AG den Kooperationsvertrag unterzeichnet hatten, soll in den nächsten Tagen der Bauantrag gestellt werden; die Anlage soll spätestens im Januar 2018 ans Netz gehen. Die Siemens AG setzt laut Koch zunehmend auf Partnerschatten mit Städten, um Lösungen im Markt rund um die Energiewende und die dezentrale Versorgung zu finden. Der Konzern will die Erkenntnisse aus Wunsiedel wie eine Blaupause auf andere Städte übertragen.

Attraktiver Partner

"Wir können das nicht alleine, wir suchen Partner die innovativ sind", sagte Koch. Auf Wunsiedel sei Siemens unter anderem gekommen, weil die Stadtwerke heuer den in der Branche sehr angesehenen Stadtwerke-Award gewonnen hatten. "Sie sind genau richtig bei uns", bekräftigte Bürgermeister Karl-Willi Beck. Schließlich hätten die Stadtwerke lange einen klaren Kurs eingeschlagen: Keinen Atomstrom, Hinwendung zu den erneuerbaren Energien.
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Jürgen Schöttle aus Altendorf | 22.12.2016 | 10:38  
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