08.09.2017 - 00:40 Uhr
Deutschland & Welt

Typische Männer- oder Frauenberufe - Interesse statt Schubladen-Denken sollte entscheiden Die Grenzen lösen sich auf

Die Gründe für die klaren Unterschiede zwischen weiblich und männlich dominiertenBerufsfeldern haben viel mit Image und tradierten Vorstellungen zu tun: in Betrieben, in der Familie, zum Teil auch in Schulen.

Technische Berufe sind nichts für Mädchen, soziale nichts für Jungs - diese strenge Teilung bei den Ansichten beginnt sich aufzulösen. Bild: mia
von Azubi 2018Profil

Manchmal scheitert es schon an Kleinigkeiten. Bei manch kleineren Handwerksbetrieben fehle zum Beispiel eine Frauen-Toilette, erzählt Florian Haggenmiller, Bundesjugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). "Wahnsinn, dass das ein Hindernis für die Ausbildung von jungen Frauen sein soll."

Doch es liegt nicht nur an den Unternehmen. Auch im Umfeld und der Familie können junge Menschen viele Vorbehalte zu hören bekommen, wenn sie eine Ausbildung wählen, die nicht gängigen Vorstellungen entspricht. Am Ende machen sie dann einen Rückzieher. Oder eine Ausbildung landet gar nicht erst als Möglichkeit auf ihrem Radar.

Ihre Eltern waren überrascht, dass sie beruflich an Maschinen schrauben und programmieren will, erzählt Laura Kästner. Doch danach unterstützten sie ihre Tochter. Dass sie das einzige Mädchen in ihrem Lehrjahr ist, verwundert sie. Vielleicht, so mutmaßt sie, denken Mädchen, dass ihr Beruf nur etwas für Nerds sei, die zu Hause schon immer am Rechner saßen. "Aber man lernt ja alles neu und braucht keine Vorkenntnisse."

Männerberuf? Frauenberuf? Wer Interesse an einem Beruf hat, sollte sich von solchen Schubladen nicht irritieren lassen. Ausprobieren heißt stattdessen die Devise. Ein Praktikum zeigt, was der Beruf für einen bereithält: inhaltlich, aber auch persönlich. Wer einen Betrieb ins Auge fasst, kann dortige Azubis ein bisschen ausquetschen.

"Damit kann man das Klima im Unternehmen checken", sagt Haggenmiller. Er rät dazu, auch eine Potenzialanalyse bei der Arbeitsagentur zu machen. So erfährt man von Berufen, an die man nie gedacht hat.

Vielleicht ist auch etwas Gelassenheit angebracht. "Man kann nicht erwarten, dass immer alle Berufe gleichermaßen von Männern und Frauen angestrebt werden", sagt Puhlmann vom BIBB.

Ansichten ändern sich

Doch unabhängig davon sei es wichtig, dass die Voraussetzungen für alle gleich sind. Zugänge zu Berufen müssten verbessert, Vorurteile abgebaut und Kompetenzprofile gefördert werden. "Bei Jungs sind es eher soziale und sprachliche Kompetenzen, bei Mädchen eher Technik."

Einen dummen Kommentar wegen ihrer Berufswahl habe sie in mehr als zwei Jahren nicht einmal bekommen, versichert Laura Kästner. "Das Thema hat sich gewandelt", glaubt sie. "Junge Leute machen sich darüber kaum mehr Gedanken."

Auch Angelika Puhlmann nimmt einen Wandel wahr. Sie stützt sich auf die Statistik. Junge Männer wählen etwas seltener Produktionsberufe, während ihre Anzahl bei den Dienstleistungsberufen leicht zunimmt. Bei den jungen Frauen sei es umgekehrt.

Außerdem wachse der Mischbereich. Das sind die Berufe, in denen der Anteil von Männern und Frauen nahezu gleich ist. "Man sollte nicht nur die Extreme ins Rampenlicht setzen, sondern auch das sehen." (tmn)Manchmal lehnen Betriebe Bewerber aufgrund ihres Geschlechts ab. Erlaubt ist das nicht. Wem das widerfährt, der sollte seinen Frust deshalb nicht einfach herunterschlucken, sagt Florian Haggenmiller vom Deutschen Gewerkschaftsbund.

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