20.08.2017 - 21:06 Uhr
Deutschland & Welt

Unwetter über Bayern Tod und Verwüstung

Umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller, abgedeckte Dächer: Das Unwetter in Bayern hat große Schäden angerichtet. Bei Aufräumarbeiten kommen zwei Menschen ums Leben.

Tomate auf Eis in einem Garten in Sulzbach-Rosenberg. Bild: P. Hartl
von Frank Werner Kontakt Profil

Übersee/Weiden. (dpa/we) Das Unwetter über Bayern mit Starkregen, Gewittern und zum Teil orkanartigen Sturmböen hat am Freitagabend eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Bei den anschließenden Aufräumarbeiten sind im Landkreis Passau zwei Menschen gestorben. In Pocking starb ein Dachdecker, der bei Aufräumarbeiten abgestürzt war. Auslöser des Sturzes seien gesundheitliche Probleme des 68 Jahre alten Mannes gewesen, teilte das Landratsamt Passau am Sonntag mit. In Hauzenberg stürzte ein 94 Jahre alter Mann beim Aufräumen, er starb im Krankenhaus.

Das Unwetter wütete besonders schwer im Landkreis Passau. Landrat Franz Meyer (CSU) sprach am Sonntag von einem "schockierenden Schadensbild" und von einer "Veränderung des Landschaftsbildes in manchen Landkreisteilen". Der im Landkreis am Samstag ausgerufene Katastrophenalarm wurde aufrechterhalten.

Auch in der Oberpfalz wütete das Unwetter, in einem breiten Streifen vom Oberpfälzer Jura über Sulzbach- Rosenberg bis zum Grenzkamm südlich von Weiden. Hagelkörner erreichten eine Größe von bis zu fünf Zentimetern. Bis Samstagvormittag fiel nach Angaben von NT/AZ-Wetterexperte Andy Neumaier teilweise so viel Regen wie sonst fast im gesamten August.

In Waidhaus waren es in 12 Stunden 44 Liter pro Quadratmeter, in Schönsee 33 und in Trausnitz 30. Das meiste kam laut Neumaier allerdings in einer Stunde vom Himmel: Radarmessungen ergaben punktuell im Kreis Amberg-Sulzbach, in einem Dreieck zwischen Vilseck, Hirschau und Sulzbach-Rosenberg mehr als 60 Liter. Gleiches galt für den Landkreis Neustadt/WN im Bereich südöstliches Weiden bis Eslarn. Glücklicherweise zogen die Unwetter mit viel Wind - teilweise Böen bis zu 90 Stundenkilometer - durch die Region, verharrten also nicht lange über einem Ort. Sonst wären die Regenmenge, so Neumaier, noch wesentlich stärker ausgefallen.

Probleme im Bahnverkehr

In Neustadt an der Donau fuhr in der Nacht zum Samstag ein Zug auf einen Baum. Die Einsatzkräfte mussten 20 Fahrgäste und den Zugführer befreien. Bei Siegsdorf (Kreis Traunstein) mussten Feuerwehrkräfte einen Zug erden, nachdem dieser im Bereich einer herabgerissenen Stromleitung stehengeblieben war. Die etwa 90 Fahrgäste wurden in einer Turnhalle untergebracht. In München war am Freitagabend der S-Bahn-Verkehr für rund 40 Minuten komplett eingestellt worden. Der Bahnverkehr war in Ober- und Niederbayern am Samstag auf vielen Strecken wegen Ästen und Bäumen auf den Gleisen beeinträchtigt.

Allein die Einsatzzentrale des Präsidiums Oberbayern Süd verzeichnete zwischen 21 und 1 Uhr mehr als 700 Einsätze, Notrufnummern waren zeitweise überlastet. In München meldete die Berufsfeuerwehr 136 zusätzliche Einsätze wegen des Unwetters. Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West sprach von rund 230 unwetterbedingten Einsätzen bis zum Samstagmorgen, ähnlich hoch war die Einsatzzahl in Niederbayern.

Festival abgesagt

Beim Chiemsee-Summer-Festival in Übersee (Kreis Traunstein) mussten am Freitagabend etwa 60 Menschen medizinisch versorgt werden, wie die Organisatoren mitteilten. 20 Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden, teilte ein Pressesprecher mit. Weil die Campingplätze verwüstet wurden, öffneten Notunterkünfte für die Besucher. Der letzte Tag des Chiemsee-Summer-Festivals wurde am Samstag abgesagt.

In der frischeren Luft sind laut Neumaier keine Unwetter mehr zu erwarten. Mit bis auf 30 Grad und mehr steigenden Temperaturen im Laufe der Woche sorgt zunächst ein Hoch für gedämpftes Unwetterrisiko. Von Mittwoch auf Donnerstag könnte es krachen, ansonsten zeigen erste Wettermodelle für das Wochenende mit einem Hitzeschwall steigende Unwettergefahr.

Stromausfall

Das Unwetter hat etwa 40 Stromausfälle verursacht. Wie die Bayernwerk AG mitteilte, mussten mehr als 40 000 Haushalte und Betriebe im Bayernwerk-Netzgebiet zeitweise ohne Strom auskommen. Mehrere zentrale Versorgungsleitungen und zwei Umspannwerke seien mehrere Stunden vom Netz gewesen. Besonders betroffen waren den Angaben zufolge die Region Waldkraiburg (Kreis Mühldorf) und der Raum um Passau (Niederbayern). Als häufigste Ursache für die Stromausfälle nannte das Bayernwerk Blitzeinschläge und umgestürzte Bäume.

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