Verbot für laute Güterwagen
Rechnerischer Lärmschutz

Selbst wenn die Güterwaggons leiser werden - die Lokomotiven der Baureihe 232 aus russischer Produktion werden noch genauso aufheulen wie früher, befürchten Streckenanlieger. Archivbild: Unger
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Bayern
07.01.2017
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Weiden. Laute Güterwaggons sollen ab Ende 2020 nicht mehr auf deutschen Bahnstrecken fahren dürfen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat die Bundesregierung kurz vor Weihnachten auf den Weg gebracht. Demnach dürften Wagen gewisse Lärmgrenzen nicht überschreiten, ansonsten drohen Bußgelder. Oder Züge müssten entsprechend langsamer fahren. Dies könnte vor allem ausländische Güterzug-Betreiber treffen.

Bei der Deutschen Bahn stößt der Entwurf auf Zustimmung. "Es ist richtig, dass die Bundesregierung hier Druck macht", teilte Vorstandsmitglied Ronald Pofalla der Deutschen Presse-Agentur mit. "Wir brauchen diese klaren Regeln und auch Sanktionen für jene Güterbahnen, die sich nicht an die Absprachen halten", meinte Pofalla. Die Bahn selbst hat bereits begonnen, ihre Wagen mit sogenannten Flüsterbremsen auszurüsten. Knapp die Hälfte der rund 64 000 konzerneigenen Wagen wurde laut Bahn bereits umgestellt. Insgesamt sind in Deutschland gut 180 000 Güterwagen unterwegs.

Laute Loks bleiben

Skeptisch äußert sich das Forum "Bahnlärm" aus Altenstadt/WN, das eine deutliche Zunahme des Güterzug-Lärms im Zuge einer Elektrifizierung der Naabtal-Strecke Hof-Regensburg befürchtet. Grundsätzlich begrüße es ein Verbot, teilt einer der Initiatoren, Peter Exner, auf Anfrage mit. Noch seien keine konkreten Inhalte bekannt. Er geht aber davon aus, dass ein Verbot nicht zu einer Halbierung des Bahnlärms führen wird. Eine Reduzierung ergebe sich nur rechnerisch und unter idealen Bedingungen. Zudem würden ja alte und laute Lokomotiven weiterhin fahren.

Ein ausschließlicher Lärmschutz durch "leise Sohlen" reicht laut Forum deshalb nicht aus. Es fordert eine Ertüchtigung des Lärmschutzes an den Gleisen, etwa durch Schallschutzwände beziehungsweise -fenster und allgemein strengere Lärmschutzwerte. "Ein Alptraum für die Betroffenen" wäre, wenn es an der Strecke überhaupt keine Lärmschutzmaßnahmen geben würde. Exner befürchtet diesen Effekt für den Fall, dass durch die Flüsterbremsen die aktuell geltenden Grenzwerte der Bundes-Immissionsschutzverordnung rechnerisch eingehalten werden.
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