10.08.2017 - 20:34 Uhr
Deutschland & Welt

Viele Einsätze der Feuerwehr Bayern im Blitzlicht

Gewitter halten die Feuerwehr in Bayern in der Nacht zu Donnerstag in Atem. Zwei Dachstühle gehen in Flammen auf, Bäume stürzen auf Straßen und Bahnstrecken. Verletzt wird dabei niemand.

Dieser Holzhaufen war einmal eine Scheune in Gressenwöhr bei Vilseck. Bild: Stephan Huber
von Agentur DPAProfil

München/Vilseck. (dpa/eik) Ein Unwetter ist in der Nacht zu Donnerstag über weite Teile Bayerns hinweggefegt. Betroffen waren vor allem Niederbayern und Mittelfranken, wo die Feuerwehr wegen Blitzeinschlägen ausrücken musste. In der Oberpfalz kam es zu Verkehrsbehinderungen aufgrund von umgestürzten Bäumen. Zahlreiche Keller wurden überflutet. Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge soll es auch am Freitag regnen.

Nach einer erneut gewittrigen, regenreichen Nacht werde auch der Freitag nass und trüb, sagte ein Sprecher des DWD am Donnerstag. Er rechnete mit Temperaturen von 12 bis 17 Grad. Am wärmsten sollte es im Raum Nürnberg werden. Auch beim traditionellen Trachtenauszug zum Straubinger Gäubodenvolksfest werde es wohl regnen: "Da kann ich wenig Hoffnung machen." Erst ab Sonntag werde das Wetter wieder freundlicher mit Temperaturen von 14 bis 20 Grad und einem Mix aus Sonne und Wolken. Am Montag soll dann der Sommer zurückkehren.

Hofbrände in Niederbayern

In Haarbach (Kreis Passau) hatte am Mittwochabend ein Blitz Stall und Scheune eines Hofs in Brand gesetzt. Beide Gebäude brannten komplett ab, wie die Polizei mitteilte. Auf das Wohnhaus griffen die Flammen nicht über, niemand wurde verletzt. Den entstandenen Schaden bezifferte die Polizei mit mindestens 150 000 Euro. Die Tiere in dem Stall konnten von Feuerwehrleuten gerettet werden, sie verbrachten die Nacht zunächst auf der Weide.

Auch in Thalmässing (Kreis Roth) kam es nach einem Blitzschlag am Mittwochabend gegen 22 Uhr zu einem Sachschaden von 150 000 Euro. Der Dachstuhl eines Zweifamilienhauses brannte vollständig aus. Nach Polizeiangaben wurde bei dem Feuer niemand verletzt. Die zwei Bewohner des Hauses bemerkten das Feuer zuerst und konnten sich selbst aus dem Haus retten. Die Löscharbeiten der Feuerwehr dauerten eine knappe Stunde.

In der Oberpfalz kam es bis Mitternacht zu 20 unwetterbedingten Einsätzen der Polizei. Vor allem aufgrund von Bäumen, die auf Straßen und Bahnstrecken stürzten, mussten Polizei und Feuerwehr ausrücken. In Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) fielen mehrere Bäume auf die Gleise der Bahnstrecke, was nach Angaben der Notfallleitstelle der Deutschen Bahn zu einer zweistündigen Sperrung der Strecke führte. Die Stadt selbst war kaum betroffen - rund um Vilseck aber hat der Sturm in der Nacht zum Donnerstag massive Schäden angerichtet. Von kurz nach 23 bis 4.30 Uhr waren hier 140 Kräfte aus insgesamt 13 Feuerwehren im Einsatz.

Nachdem es zur Erleichterung der Retter keine Verletzten gab, war es ihre Hauptaufgabe, wichtige Straßen und auch die Bahnstrecke Neukirchen-Weiden freizuräumen: Das dauerte geraume Zeit, weil das Unwetter teilweise sehr große Bäume umgelegt hatte. Bis diese weggeschafft waren, war der Zugverkehr hier mehrere Stunden unterbrochen.

Aufgerissene Dächer

Etliche Bäume landeten auch auf Wohnhäusern in verschiedenen Ortsteilen Vilsecks: Aufgerissene Dächer und gravierende Schäden an und in den Gebäuden waren die Folge: In einem Fall wurden sie auf bis zu 100 000 Euro geschätzt. Zum Schutz gegen den starken Regen dichtete die Feuerwehr die freigelegten Dächer noch in der Nacht mit Folie ab. Nicht mehr viel übrig geblieben ist von einem Stadl in Gressenwöhr: Hier ließ der Sturm ein Trümmerfeld aus zerbrochenen Dachziegeln und Holzteilen zurück.

Der Amberg-Sulzbacher Kreisbrandrat Fredi Weiß ist erleichtert, dass keine Menschen zu Schaden kamen. Dies liege sicher auch daran, dass das Unwetter nachts tobte. Tagsüber hätte es bei einem Sturm dieses Ausmaßes durchaus auch Tote geben können, meinte er. Selbst den langjährigen Feuerwehr-Aktiven hat es überrascht, welch gewaltige Bäume der Sturm umgerissen hat: In 40 Dienstjahren habe er Vergleichbares noch nicht gesehen.

Stromausfälle im Landkreis Amberg-Sulzbach

Der "schwere Sturm" hat zwei Hochspannungsleitungen beschädigt, wie ein Sprecher des Bayernwerks bestätigte. Zum einen hat der starke Wind einen massiven Stahlblechmasten wie ein Streichholz umgeknickt.

Stromausfälle ließen nicht nur viele Menschen im Dunklen sitzen - sie erschwerten auch die Arbeit der Feuerwehr: Elektrische Geräte im Vilsecker Gerätehaus waren vorübergehend nicht nutzbar und in einigen Ortsteilen funktionierten die Sirenen nicht. Die Folge: Von Vilseck bis Grafenwöhr waren Haushalte zwischen 1.50 und 2.15 Uhr ohne Strom. Die zweite Hochspannungsleitung funktionierte nicht, nachdem Bäume umgeknickt, auf die Leitungen gekracht sind und so zwei Holzmaste zerstörten. Die Folge hier: Stromausfall von 4.33 bis 5.20 Uhr.

"Das war auch für die Servicetechniker eine sehr unruhige Nacht", hieß es vonseiten des Stromversorgers. Derzeit würden die Hochspannungsleitungen repariert, die Versorgung wird über Ersatzleitungen sichergestellt. Wegen des Feiertags nächste Woche können sich die Reparaturarbeiten noch bis Mittwoch hinziehen. (mte)

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