Vor der Entscheidung für dritten Nationalpark
Dank Nationalpark erfolgreich

Die Region um den Falkenstein gehört zum Nationalpark Bayerischer Wald. Bayern steht jetzt vor der Ausweisung eines dritten Parks. (Foto: Thomas Schaller)
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Bayern
17.07.2017
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Die Staatsregierung will an diesem Dienstag eine Vorentscheidung für den dritten Nationalpark in Bayern treffen. Ein Blick auf die beiden bestehenden Nationalparks zeigt, dass das Konzept den Regionen durchaus gutgetan hat.

München. Tourismus, Arbeitsplätze, Artenvielfalt - vor der Entscheidung über den dritten Nationalpark in Bayern haben Politiker, Naturschützer, Anwohner und Vertreter der bestehenden Nationalparks eine positive Bilanz gezogen: Die Nationalparks Bayerischer Wald und Berchtesgaden sind demnach ein Erfolg auf der ganzen Linie. "Der Nationalpark Bayerischer Wald hat einen großen Anteil daran, dass aus dem Armenhaus eine entsprechend florierende Region geworden ist", sagt Richard Mergner, Landesbeauftragter beim Bund Naturschutz in Bayern (BN).

Tausende Stellen


Mehr als 7,1 Millionen Übernachtungen jährlich zählt allein die Region Bayerischer Wald. "Der Nationalpark ist für uns nicht mehr wegzudenken", sagt Karlheinz Roth, Bürgermeister von Spiegelau (Landkreis Freyung-Grafenau). Er schaffe mehr als 200 Arbeitsplätze, hinzu kämen noch etwa tausend Stellen durch den Tourismus. Auch der Nationalpark Berchtesgaden lockt scharenweise Touristen an. Nach einer Studie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg kommen jedes Jahr knapp 1,6 Millionen Besucher. Mit dem Tourismus rund um den Nationalpark verdienen hier mittlerweile mehr als 2000 Einheimische ihren Lebensunterhalt.

So ist es kein Wunder, dass sich die anfängliche Abneigung der Bürger gelegt hat. Die Kritikpunkte von damals erinnern an die laufende Debatte um den dritten Nationalpark: Anwohner waren unsicher, ob sie sonntags noch im Wald spazieren gehen dürfen. Förster befürchteten, dass ihre angrenzenden Wälder von Schädlingen heimgesucht werden. Und Holzhauer sorgten sich um ihren Arbeitsplatz. Viele Konflikte ließen sich lösen. So gibt es mittlerweile Brennholzkonzepte und 500 Meter breite Übergangszonen, damit Schädlinge wie der Borkenkäfer aus dem naturbelassenen Nationalpark nicht auf angrenzende Wälder übergreifen. In der Schutzzone entstanden dafür urwaldartige Strukturen mit einer immensen Artenvielfalt, die es sonst nur selten gibt. Anwohner, Politiker und Naturschützer stehen im engen Dialog, wie Franz Rasp sagt. Der Bürgermeister von Berchtesgaden hat gleich drei Tipps für den neuen Park: Zunächst müssten Bevölkerung und Meinungsbilder vor Ort von der Idee überzeugt sein.

Entscheidung vor der Pause


"Begeisterung in den Geschäftsstellen der Verbände in München hilft gar nix; im Gegenteil: Es behindert eher", sagt Rasp. Und noch was: Solange die Finanzierung nicht abschließend geklärt ist, sollte sowieso kein neuer Nationalpark ausgewiesen werden. 10 bis 15 Millionen Euro hat das Umweltministerium versprochen. Noch vor der Sommerpause will die Staatsregierung nun das weitere Vorgehen festlegen.

Als Standorte sind im Gespräch: die Rhön, die Donauauen, der Spessart und der Frankenwald. Rhön und Donauauen gelten als besonders chancenreich. Der Steigerwald war von Anfang an ausgeschlossen worden - ausgerechnet die Region, die aus Sicht von Naturschutzverbänden am besten geeignet wäre.

Die vier KandidatenIm vergangenen Jahr hat sich der Freistaat Bayern vorgenommen, einen dritten Nationalpark auszuweisen. Nachdem der Steigerwald aus der Debatte rausgefallen ist, sind vier verbliebenen Kandidaten:

Donauauen: Ein Nationalpark Donauauen würde überwiegend im Norden Oberbayerns liegen und noch ein kleines Stück nach Schwaben hineinreichen. Diskutiert wird ein Stück etwa von Marxheim (Kreis Donau-Ries), wo der Lech in die Donau mündet, bis nach Ingolstadt. Der größte Teil dieses Schutzgebietes wäre im Kreis Neuburg-Schrobenhausen. Die Donau ist in diesem Bereich noch relativ naturbelassen, da dort keine großen Schiffe unterwegs sind.

Rhön : Die Rhön liegt im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Thüringen. Das Mittelgebirge ist mit seinem höchsten Berg, der Wasserkuppe, 950 Meter hoch. Die Rhön ist Unesco-Biosphärenreservat. Das heißt, drei Prozent der Waldfläche müssen Kernzone und damit fast unberührt sein. Im übrigen Teil ist eine naturnahe Bewirtschaftung erlaubt und erwünscht. Seit dem Jahr 1991 trägt die Rhön diesen Titel.

Spessart: Der Spessart im Nordwesten Unterfrankens steht für das größte zusammenhängende Laubmischwald-Gebiet in Deutschland. Er liegt zwischen den Flüssen Main, Kinzig und Sinn. Ein Großteil des Mittelgebirges ist seit den 1960er Jahren als Naturpark ausgezeichnet. Ein künftiger Nationalpark würde weniger als fünf Prozent der gesamten Spessart-Fläche einnehmen. Der Bund Naturschutz in Bayern ist der Meinung, dass der Spessart von den vier verbliebenen Kandidaten aus naturschutzfachlicher Sicht die beste Wahl wäre.

Frankenwald: Der Frankenwald im Norden Oberfrankens ist etwa 100 000 Hektar groß, seine Ausläufer gehen bis nach Thüringen. Das Mittelgebirge liegt hauptsächlich in den Landkreisen Kronach, Kulmbach und Hof. Weite Teile des Frankenwalds tragen bereits das Label Naturpark. Ein möglicher Nationalpark wäre zudem an das Biotopverbundsystem "Grünes Band" entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze angebunden. (dpa)


Der Nationalpark Bayerischer Wald hat einen großen Anteil daran, dass aus dem Armenhaus eine entsprechend florierende Region geworden istRichard Mergner, Landesbeauftragter beim Bund Naturschutz in Bayern
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