03.03.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Vor einem Jahr Rücktritt des Pfarrers Narben in Zorneding

Der Fall sorgte selbst im Ausland für Aufsehen. Die rassistische Hetze samt Morddrohungen gegen den dunkelhäutigen Pfarrer einer Münchener Vorortgemeinde erregte die Gemüter. Juristisch ist der Fall noch nicht zu den Akten gelegt.

Olivier Ndjimbi-Tshiende in der Kirche von Zorneding. Archivbild: dpa
von Agentur DPAProfil

Zorneding. Voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte muss sich das Landgericht München II mit den Morddrohungen gegen den dunkelhäutigen Pfarrer von Zorneding befassen, in deren Folge Olivier Ndjimbi-Tshiende die Pfarrei entmutigt verließ. Die monatelange rassistische Hetze gegen den mittlerweile 67-Jährigen hatte vor einem Jahr bis ins Ausland hohe Wellen geschlagen. Viele Menschen solidarisierten sich mit dem Priester. Es gab eine Lichterkette in Zorneding. Mehr als 65 000 Menschen unterschrieben eine Online-Petition zum Verbleib des Pfarrers. Beim Sonntagsgottesdienst am 6. März 2016 hatte der katholische Priester seinen Rücktritt als Pfarrer der östlich von München gelegenen Gemeinde verkündet. Auslöser der rassistischen Hetze war der Protest Ndjimbi-Tshiendes gegen ausländerfeindliche Äußerungen der Zornedinger Gemeinderätin und damaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher (CSU) gewesen. In dem beschaulichen 9000 Einwohner zählenden Ort mit vielen stattlichen Villen ist ein Jahr nach dem Skandal weitgehend Ruhe eingekehrt.

Am 7. November 2016 wurde ein als Rassist bekannter Mann wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung vom Amtsgericht Ebersberg zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der 74-Jährige dem Pfarrer zwischen November 2015 und März 2016 zwei Postkarten mit ausländerfeindlich motivierten Morddrohungen geschickt. Eines der Schreiben wurde abgefangen, der Absender ausfindig gemacht, angeklagt und ihm der Prozess gemacht.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung legten jedoch Berufung gegen das Urteil ein. Deshalb muss sich der Rassist in seiner Heimatstadt demnächst erneut vor Gericht verantworten. Für den feingeistigen Priester mit der leisen Stimme wird es wie beim ersten Prozess wieder ein schwerer Gang werden, wenn er in den Zeugenstand gerufen wird und die beängstigenden Erlebnisse vor mehr als einem Jahr wach werden.

Ndjimbi-Tshiendes wird dann erneut an Sätze wie "Wir werden Dich auslöschen" oder "Wir schicken Dich nach Auschwitz" auf den Postkarten erinnert werden. Vor allem bei Gottesdiensten in entlegenen Kirchen der Pfarrei habe er um sein Leben gefürchtet, hatte der Pfarrer schon im ersten Prozess gesagt. Die als durchsetzungsstark geltende CSU-Kommunalpolitikerin Boher weigerte sich lange, persönliche Konsequenzen aus dem von ihr entfachten Skandal zu ziehen. Erst auf Druck der Parteiführung legte sie ihre Ämter in der CSU nieder. Ihr Gemeinderatsmandat aber nimmt sie bis jetzt wahr, obwohl Bürgermeister Piet Mayr (CSU) Boher öffentlich zum Rücktritt aufforderte.

Die Münchener Bistumsleitung steht noch immer in Kontakt mit dem 67-jährigen Priester, obwohl er inzwischen in der benachbarten Diözese Eichstätt tätig ist. Nach einigen Monaten Auszeit an einem unbekannten Ort arbeitet Ndjimbi-Tshiende seit vergangenem Herbst an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Passend zu seinem Lebenslauf betreibt der gebürtige Kongolese Migrationsforschung.

"Er ist glücklich und blickt nach vorne", sagt Ordinariatssprecher Bernhard Kellner. Zudem hilft er in einer Pfarrei nahe Eichstätt in der Seelsorge mit. Der Bistumssprecher lässt aber keinen Zweifel daran, dass die Morddrohungen Ndjimbi-Tshiende lange zu schaffen machten. "Die Dinge haben ihn verletzt."

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