29.06.2017 - 22:12 Uhr
Deutschland & Welt

Vor einem Jahr wurde die Leiche gefunden Pannen um Peggy

Es schien der Durchbruch im Fall Peggy zu sein: Ein Pilzsammler fand vor einem Jahr die Leiche des seit 2001 vermissten Mädchens. Doch viel weiter sind die Ermittler seitdem nicht gekommen. Für Verwirrung sorgte eine vermeintliche NSU-Spur.

Polizeifahrzeuge im September 2016 am Auffindeort von Peggy in Rodacherbrunn. Archivbild: dpa
von Agentur DPAProfil

Bayreuth. Jahrelang wurde mit großem Aufwand nach der seit 2001 vermissten Schülerin Peggy gesucht. Dann entdeckte ein Pilzsammler zufällig am 2. Juli 2016 ihre sterblichen Überreste in einem Waldstück an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen. Kurz danach schien der spektakuläre Fall eine neuerliche dramatische Wendung zu nehmen: DNA-Spuren des Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt wurden am Fundort der Leiche entdeckt. Doch der vermeintliche Zusammenhang zwischen den NSU-Morden und dem Fall Peggy war ein Fehlalarm: Offenbar wurde am Fundort mit verunreinigtem kriminaltechnischen Werkzeug gearbeitet. Viele Frage sind weiter offen.

Wissen Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen, was mit Peggy geschah?

Nein. Die Soko Peggy mit rund 30 Mitgliedern arbeite weiter intensiv an dem Fall, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel in Bayreuth. Noch immer liefen Untersuchungen an den sterblichen Überresten von Peggy. "Dies wird auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen." Man ermittle wegen des Verdachts auf Mord, stellt Potzel klar. Dass die Schülerin also etwa durch einen Unfall ums Leben gekommen war, schließt die Polizei aus. Weil die Ermittlungen andauern, konnte Peggy auch noch nicht bestattet werden.

Wie ist Böhnhardts DNA an den Fundort der Leiche gelangt?

Das konnte nach Angaben der Ermittler noch nicht abschließend geklärt werden. Es wird aber ausgeschlossen, dass der NSU-Terrorist Peggys Mörder ist. "Die Vermutungen gehen dahin, dass Böhnhardts DNA durch eine Kontamination unserer kriminaltechnischen Ausrüstungsgegenstände übertragen wurde", erläutert Thüringens LKA-Vize, Heiko Schmidt. Einige Thüringer Kriminaltechniker, die den Fundort von Peggys Knochen untersucht haben, hatten auch Spuren im ausgebrannten NSU-Wohnmobil in Eisenach gesichert. Zwischen beiden Einsätzen liegen aber fast fünf Jahre.

Haben die Thüringer Ermittler geschlampt?

Das LKA betont, dass nach bundesweiten Qualitätsstandards gearbeitet wurde. "Wir haben bis dahin schon auf einem sehr hohen Niveau gearbeitet, aber offensichtlich noch nicht gut genug", räumt Schmidt ein. Deswegen seien als Konsequenz aus der Panne die Vorgaben verschärft worden. Das betreffe beispielsweise die Reinigung der Ausrüstung, für die das Vier-Augen-Prinzip auf alle Prozesse ausgeweitet worden sei. Zudem seien Standards etwa für Verbrauchsmaterialien erhöht worden. Die am Fundort von Peggys Leiche eingesetzte Ausrüstung wurde den bayerischen Ermittlern zur Untersuchung übergeben. Die übrige Ausrüstung der Kriminaltechniker sei vorsorglich erneut gereinigt worden, um eine weitere Trugspur zu verhindern. Schmidt: "Es wurde noch einmal kräftig durchgeputzt und desinfiziert."

Hat es weitere DNA-Funde von NSU-Terroristen an anderen, bisher nicht mit ihnen in Verbindung stehenden Tatorten gegeben?

Nein, nach Angaben der Ermittler war die Spur im Zusammenhang mit der getöteten Peggy ein Einzelfall.

Wie ist die Stimmung in der betroffenen Region?

Der Fall Peggy ist immer noch ein wichtiges Thema im Norden Oberfrankens. Im Frühjahr haben sich Lokalpolitiker aus Lichtenberg mit einem offenen Brief an die Ermittler gewandt: Sie sprechen von einem "Polizei- und Justizskandal" und einseitigen Ermittlungen. Viele Hinweise aus der Bevölkerung seien ignoriert worden und Zeugenaussagen aus den Akten verschwunden. Unter den Unterzeichnern waren Lichtenbergs Bürgermeister Holger Knüppel und mehrere Stadträte. Die Staatsanwaltschaft in Bayreuth hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Als vor einigen Wochen bekanntwurde, dass das ZDF eine Doku-Serie über den Fall mit dem Arbeitstitel "Höllental" drehen lässt, gab es erneut Aufregung in der Region: Das Höllental nahe Lichtenberg, das als eines der schönsten Täler im Frankenwald gelte, dürfe nicht als "Inbegriff für Kindesentführung, Angst und Tod missbraucht werden", schrieb der CSU-Landtagsabgeordnete Alexander König an die Filmemacherin.

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