23.02.2018 - 21:20 Uhr
Deutschland & Welt

Wahlen am Wochenende Pfarrgemeinderäte, die mehr als Kuchen backen

Bayreuth/München. Kritiker der katholischen Kirche finden, dass Laien dort höchstens fürs Gemeindefest Kuchen backen oder Bierbänke aufstellen dürfen. Aber ein Mitspracherecht etwa bei Personalentscheidungen? Das gibt es bloß in der evangelischen Kirche. Dass Pfarrgemeinderäte bei den Katholiken sehr wohl über eigene Entscheidungsgewalt verfügen, haben der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, und der oberste Laienvertreter der Erzdiözese, Hans Tremmel, deshalb eigens betont. Denn an diesem Sonntag werden in den bayerischen Bistümern neue Pfarrgemeinderäte gewählt.

Katholiken an die Urnen: Ein Wahlplakat für die Pfarrgemeinderatswahlen vor dem Augsburger Dom. Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
von Agentur DPAProfil

"In allen gesellschaftspolitischen Fragen entscheidet und handelt der Pfarrgemeinderat eigenverantwortlich", schreiben Marx und Tremmel in einem Wahlaufruf. Beispiele: Aufbau von Nachbarschaftshilfen oder von Helferkreisen für Flüchtlinge oder bei der Gestaltung von Erwachsenenbildung. "Alle Christinnen und Christen werden gebraucht, alle sind wichtig, alle sind wertvoll. Nur zusammen bilden wir das Volk Gottes."

Laut dpa-Umfrage haben die meisten Pfarreien genug Kandidaten gefunden - auch wenn die Suche teils länger dauerte. "Es fällt auf, dass es über die Jahre gesehen immer schwieriger wird, ausreichend Personen für dieses Amt zu finden", teilt etwa die Diözese Würzburg mit. Im Bistum Augsburg kämpfe die Kirche mit den gleichen Gegebenheiten wie Vereine und Parteien, sagt Beate Dieterle, Geschäftsführerin des Diözesanrats. "Es scheint immer schwieriger zu sein, Ehrenamtliche für ein länger andauerndes Engagement zu gewinnen. Projektarbeit wird leichter unterstützt." Positive Rückmeldungen gebe es im Bistum Eichstätt, sagt der Geschäftsführer des Diözesanrats, Richard Ulrich: Vielerorts seien überraschend viele Kandidaten gefunden worden. "Wir setzten sogenannte Kandidatenboxen ein, in denen Wahlvorschläge gesammelt werden. Dies führt zu einer breiteren Basis von Personen, die von den Wahlausschüssen angefragt werden können." Kreativ war auch die Pfarrei in Eitting (Kreis Erding), die den örtlichen Bäcker davon überzeugt habe, Sticker mit dem Schriftzug "Pfarrgemeinderatswahl 2018 - Kandidieren" auf jedes Brot zu kleben, berichtet eine Ordinariatssprecherin.

Und Manfred Fürnrohr, Geschäftsführer der Diözesanen Räte im Bistum Regensburg, sagt: "Obwohl die zunehmende berufliche Belastung auch in diesem Ehrenamt zu spüren ist, hat man meist mehr als die erforderliche Anzahl der Kandidaten gefunden." Bleibt die Frage, wie viele Gemeindemitglieder dann tatsächlich am Wochenende wählen. Viele Diözesen setzten verstärkt auf die Briefwahl, sagt der Chef des Landeskomitees der Katholiken, Joachim Unterländer. Deshalb peile man eine Wahlbeteiligung von etwa 30 Prozent an. Wählen können Katholiken, die älter als 14 oder bereits gefirmt sind. Bei der Wahl vor vier Jahren lag die Beteiligung bei 18,47 Prozent nach 15,95 Prozent 2010.

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" hat auf Papst Franziskus verwiesen. Er betone immer wieder, dass engagierte Christen nicht mehr nur Mitarbeiter des Klerus seien, sondern Mitverantwortung für die Kirche tragen. "Das muss auch in jeder Pfarrei und Gemeinde spürbar sein und umgesetzt werden." Doch vielerorts seien die Pfarrgemeinderäte so weit entkernt, dass von einer wirksamen Beteiligung der Laien keine Rede mehr sein könne. Durch die Zusammenlegung von Pfarreien werde diese weiter zurückgeschraubt. "Die Zahl der Priester im Amt kann und darf nicht maßgebend für kirchliche Strukturen sein." Wer nur mit dem Klerus plane, ignoriere die Verantwortung, die den Gläubigen an ihrer Kirche zustehe.

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