Wandteppich aus Hitlers Sammlung
Kostbares Textil kehrt nach Bayern zurück

Cathy Hinz, Tocher eines US-Offiziers, und der Gründer der Monuments-Men-Foundation, Robert Edsel, mit dem Bildteppich Bayerischen Nationalmuseum in München. Bild: dpa
Vermischtes BY
Bayern
16.12.2016
26
0

Einst hing der Wandteppich in der berühmten Lenbachvilla. Dann sollte er Hitler und seine Gäste erfreuen. Später entdeckte ein Mädchen in den USA darauf einen wunderschönen Märchenprinzen. Jetzt ist er wieder in München.

München. Als Cathy Hinz ein Kind war, schien ihr der Wandteppich in ihrem Elternhaus in Minneapolis (USA) wie ein Bilderbuch voller Geheimnisse und Märchen. Im Traum war sie die Prinzessin im blauen Kleid. Neben ihr knieend "Prince Charming", ihr Märchenprinz. Hinz' Vater hatte das Stück mit der Szene einer höfischen Gesellschaft 1945 mit nach Hause gebracht - als Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, in dem er als Offizier mithalf, Deutschland von den Nazis zu befreien.

Der Teppich hat eine bewegte Geschichte, hing er doch ab 1938 im Kehlsteinhaus bei Berchtesgaden, das die Nazis Adolf Hitler zum 50. Geburtstag geschenkt hatten. Am Freitag gab Hinz den kostbaren Teppich an den Freistaat zurück, dem er von Rechts wegen gehört. Die Tapisserie wurde um 1500 in Flandern aus Wolle gewirkt; darauf ein Flötenspieler, ein knieender Mann und zwei Frauen in prächtigen Kleidern, vielleicht mit Noten in den Händen. Weiter hinten Männer bei der Jagd. Adlige Familien liebten damals solche Teppiche und hängten sie zu besonderen Anlässen auf, sagt Johannes Pietsch. Er ist der Textilienfachmann des Bayerischen Nationalmuseums in München, wo der Teppich nun sein neues Zuhause hat.

Der Münchner Malerfürst Franz von Lenbach erwarb ihn in der Kunst- und Antiquitätenhandlung Bernheimer und schmückte damit seine berühmte Künstlervilla. 1931 kaufte die Firma die Tapisserie zurück, und am 21. September 1938 kam ein guter Kunde und wollte die bunte Wirkarbeit haben. 24 000 Reichsmark blätterte der Architekt Heinrich Michaelis dafür hin. "Ein stolzer Preis", wie der Beauftragte für Provenienzforschung in Bayern, Alfred Grimm, erklärt. Dass Michaelis damit einen Nazibau ausstatten wollte, habe wohl niemand vermutet, glaubt der Kunsthändler Konrad Bernheimer, dessen Familie später von den Nationalsozialisten verfolgt und enteignet wurde.

"Teil meines Lebens"

Nun freut sich also das Bayerische Nationalmuseum über das kostbare Stück, das erstmal genau untersucht wird. Dass es dort gelandet ist, ist Robert M. Edsel und seiner Monuments-Men-Foundation zu verdanken, die die Herkunft des Teppichs recherchiert haben. "Es war damals für viele Soldaten kein ungewöhnlicher Gedanke, ein Souvenir mitzunehmen, um sich daran zu erinnern, dass sie überlebt hatten und viele ihrer Freunde nicht", erklärt Edsel.

Cathy Hinz ist froh, dass der Teppich in guten Händen ist. Das sei im Sinne ihres Vaters, ist sie sicher. "Er fühlte sich verpflichtet, darauf aufzupassen. Ich weiß, er wäre sehr stolz gewesen", sagt sie und streichelt immer wieder über die kostbare Arbeit. Dass Hitler einst davor gestanden haben könnte - für Cathy als Kind nicht so wichtig. Und so wird sie am Ende doch nostalgisch, weil ein Stück lieber Kindheitserinnerungen nun in München bleibt. "Er ist Teil meines Lebens", erklärt Hinz.

Es war für viele Soldaten kein ungewöhnlicher Gedanke, ein Souvenir mitzunehmen, um sich daran zu erinnern, dass sie überlebt hatten und viele ihrer Freunde nicht.Robert M. Edsel von der Monuments Men Foundation
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.