Wann die Universität oder Fachhochschule nicht das Richtige ist - Bilanz ziehen, Infos sammeln ...
Bye, bye, Studium

Weiterstudieren oder rein ins Berufsleben - über diese Alternative zerbrechen sich viele Studenten den Kopf. Archivbild: gms
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Bayern
08.09.2017
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Selbstdisziplin und Fleiß werden jedem Studenten abverlangt - da heißt es manchmal Zähne zusammenbeißen. Doch wer sich durch das gesamte Studium quält, sollte den Traum von der akademischen Karriere überdenken. Wann ist der Zeitpunkt, einen anderen Weg einzuschlagen?

Manchen Schülern spukt sie schon vor dem Abitur durch den Kopf, andere stellen sich erst danach die Frage: Was mache ich jetzt? Für viele liegt der Schritt an die Uni nahe. Doch nicht für jeden ist eine akademische Laufbahn der richtige Weg.

"Viele Studienanfänger treffen ihre Wahl für den nächsten Schritt nach der Schule, ohne sich gründlich zu informieren", sagt Hans-Werner Rückert, Leiter einer Studienberatung. Was sich hinter einem Hochschulstudium im Allgemeinen und hinter einem bestimmten Fach verbirgt, merkten sie erst mittendrin.

Gleichzeitig gibt es keinen großen Zeitpuffer, um sich im Studium zu orientieren. Denn die Studenten haben im Hinterkopf, dass Prüfungsleistungen im Bachelor von Beginn an für die Gesamtnote zählen.

Den Zweifeln daran, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, müssen sie sich trotzdem stellen, sagt der Psychologe. "Für viele Studenten ist eine solche Entscheidung die erste Krise im Leben." Deshalb macht es Sinn, sich Hilfe zu holen: Im Gespräch mit Kommilitonen, Eltern oder in der Studienberatung der Universität.

Dann gilt es, herauszufinden, ob es sich bei den Schwierigkeiten um anfängliche Probleme handelt oder ein Studium insgesamt nicht passt und man beispielsweise in einer Ausbildung besser aufgehoben ist.

Um sicherzugehen, dass die Zweifel am eingeschlagenen akademischen Weg nicht nur eine Phase sind, rät die Psychologin Tanja Schuck dazu, sich ein Ultimatum zu setzen: Einen bestimmten Zeitraum, etwa ein Semester, wartet man ab, um herauszufinden, wie man mit dem Studium zurechtkommt.

Will ich das wirklich?

Dabei ist es wichtig, die eigene Motivation für das Studium zu hinterfragen: "Wollen die Eltern unbedingt, dass man das Jura-Studium absolviert, ist das nicht die richtige Entscheidungsgrundlage um die akademische Laufbahn weiterzuverfolgen." Außerdem muss man herausfinden, wie viel Energie man bereit ist in das Studium zu investieren. "In jedem Studium gibt es Module oder Fächer, die einem nicht liegen, und Phasen, in denen man sich durchbeißen muss." Das bedeutet nicht, dass man aufgeben sollte, sobald es anstrengend wird, mahnt Schuck.

"Indikatoren dafür, dass die eigenen Grenzen endgültig erreicht sind, sind zum Beispiel Müdigkeit, Lustlosigkeit und depressive Gedanken, die länger andauern", erklärt Schuck.

Die Anforderungen eines Studiums gehen über den vermittelten Stoff hinaus, erklärt Matthias Jaroch vom Deutschen Hochschulverband: "Ein Studium fordert eine hohe Motivation, Disziplin und vor allem die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren."

Genau wie die fachlichen Inhalte und eine passende Prüfungsvorbereitung kann man das erlernen - allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. "Studieren kann und darf anstrengen, aber in der Gesamtbilanz sollte es mehr Lust als Last sein."

Wer also an den Punkt der permanenten Überforderung kommt, für den ist ein anderer Werdegang passender. Steht die Entscheidung dem Studium den Rücken zu kehren fest, sollte man sich zügig nach einer Alternative wie einer Ausbildung umsehen, rät Jaroch.

Auch wenn das Studium nicht gepasst hat, helfen die gesammelten Erfahrungen, den Wechsel in eine andere Laufbahn vorzubereiten und umzusetzen, meint Rückert.

Im Gespräch mit einem Studienberater oder einer Bezugsperson aus dem privaten Umfeld kann man rekapitulieren und sich fragen: Was hat mir am Studium genau missfallen? Wo liegen meine Stärken und Schwächen? Welche Themen interessieren mich besonders?

Das Passende finden

Geht es in einem nächsten Schritt darum, eine passende Branche zu finden, kann man sich zum Beispiel über die Handelskammern oder die Agentur für Arbeit informieren.

Außerdem ist es hilfreich, Berufe auszuprobieren: Ein Praktikum, eine Hospitanz oder auch der kurze Besuch in einem Betrieb können einen Eindruck vermitteln, wie eine Ausbildung aussieht, erklärt Rückert.

Wer sich für einen bestimmten Beruf entschieden hat, sollte sich rechtzeitig informieren, wie eine Bewerbung abläuft. Denn Bewerbungszeitraum und Anforderungen sind anders als an der Universität.

Wer vor dem Wechsel in die Ausbildung schon länger studiert hat, sollte sich außerdem erkundigen, ob sich Leistungen aus dem Studium auf die Ausbildung anrechnen lassen und sich dadurch beispielsweise die Ausbildungszeit verkürzt.

Auch wenn die Entscheidung, ein Studium abzubrechen, Nerven kostet und der Wechsel in eine Ausbildung unbequem ist: Einen neuen Weg einzuschlagen, kann auch etwas Positives sein, sagt Jaroch.

"Mit jedem Umweg im Lebenslauf sammelt man neue Erfahrungen und lernt etwas dazu. Und häufig zeigt eine Umorientierung auch, dass man sich mit den eigenen Stärken und Schwächen auseinandergesetzt hat." (tmn)
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