Weigehend friedlicher Jahreswechsel
Massenunfall trübt Polizeibilanz

An einem sonst weitgehend ruhigen Silvesterabend im Freistaat sorgte eine Massenkarambolage für einen Großeinsatz der Einsatzkräfte. Im dichten Nebel krachen auf der A 7 mehrere Fahrzeuge ineinander. Dabei starben sechs Menschen. Bild: dpa
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Bayern
01.01.2017
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In Nürnberg hatte ein 46-Jähriger eine Abschussvorrichtung für illegale, sogenannte Kugelbomben (im Bild bei einer Vorführung der Feuerwehr Hamburg) gebaut. Dabei explodierte die gesamte Anlage. Der Mann und sieben weitere Personen wurden verletzt. Bild: dpa

Die Stimmung ist gut, Millionen Bayern feiern bei frostigen Temperaturen ausgelassen und friedlich den Jahreswechsel. Doch dann wirft ein schwerer Unfall mit mehreren Toten einen Schatten auf die Bilanz der Neujahrsnacht.

München. (dpa/tos) Überschattet wurde der Jahreswechsel von der Nachricht über einen schweren Verkehrsunfall mit sechs Toten und zehn Verletzten. Im dichten Nebel waren auf der Autobahn 7 im Allgäu etwa gegen 1 Uhr nahe Bad Grönenbach drei Sattelzüge und neun Autos kollidiert. Feuerwehr und Rettungsdienst waren mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Polizei stoppte den Verkehr auf der A 7 zunächst komplett. Die Aufräumarbeiten zogen sich über den gesamten Sonntag hin.

Ansonsten begrüßten die Menschen in Bayern mit Böllern und buntem Feuerwerk das neue Jahr ohne dass größere Vorkommnisse die Feiern gestört hätten. Auf öffentlichen Plätzen und Feiern gab es nach ersten Erkenntnissen der Polizei keine größeren Zwischenfälle. Wegen der Terrorgefahr war die Polizei vielerorts verstärkt im Einsatz.

200 Einsätze in der Region

Auch in der Oberpfalz blieb der Jahreswechsel laut Mitteilung der Einsatzkräfte weitgehend ruhig. Dennoch hätten Streitigkeiten, körperliche Auseinandersetzungen, Randalierer, Sachbeschädigungen und einige Brände die Polizei nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberpfalz vom Sonntag bis in die frühen Morgenstunden auf Trab gehalten. Rund 200 Alarmierungen liefen in der Einsatzzentrale auf, darunter 20 Brände. Das Bayerische Rote Kreuz verzeichnete 72 Notrufe, meldete die Integrierte Leitstelle in Bayreuth/Kulmbach.

In Pyrbaum (Kreis Neumarkt) brach in der Wohnung einer Seniorin (86) aus ungeklärter Ursache ein Brand aus. Die Frau kam mit einer starken Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus. Der Schaden beläuft sich auf circa 25 000 Euro. Ein technischer Defekt war nach ersten Ermittlungen die Brandursache in einem Wohnhaus in Schorndorf (Kreis Cham). Drei Bewohner erlitten eine Rauchgasvergiftung. Der Schaden wird auf 100 000 Euro geschätzt.

Eine Feuerwerksrakete verursachte in Winklarn im Landkreis Schwandorf einen Scheunenbrand, bei dem nach derzeitigem Ermittlungsstand ein Schaden von rund 20 000 Euro entstand. Auch kleinere Brände, bei denen Hecken, Balkone, Garagen, Mülltonnen und ähnliches in Mitleidenschaft gezogen wurden, wurden laut Mitteilung vermutlich durch fehlgeleitete oder unsachgemäße Handhabung von Feuerwerkskörpern ausgelöst.

In der Silvesternacht kam es in der gesamten Oberpfalz außerdem zu zwölf Verkehrsunfällen, die bis auf einen Fall lediglich mit Sachschäden glimpflich verliefen. Zudem wurden rund 20 Körperverletzungsdelikte bekannt, wobei die Verletzungen jeweils leichterer Art waren.

Ein hässliches Erlebnis hatten Helfer bei einem Brand in Augsburg. Dort wurde ein Feuerwehrmann gezielt von hinten mit einer Silvesterrakete beschossen. Der Mann sei unter anderem am Auge verletzt worden, teilte ein Polizeisprecher mit. Auch die Rettungskräfte der Berufsfeuerwehr, die dem Mann helfen wollten, seien mit Böllern beschossen worden. "Ich bin schockiert, wenn Mitbürger Silvesterraketen auf Mitmenschen richten. Es macht mich traurig und fassungslos, Kollegen werden behindert, wenn sie helfen wollen", teilte ein Sprecher mit.

Kugelbombe: Acht Verletzte

Die für den Jahreswechsel fast unausweichlichen Unfälle mit Feuerwerkskörpern blieben auch diesmal nicht aus. Der schwerste Vorfall ereignete sich in Nürnberg. Dort verletzte ein Mann (46) mit illegalen Böllern und einer selbstgebastelten Abschussvorrichtung sich selbst und sieben weitere Personen. Er hatte in Tschechien sogenannte Kugelbomben gekauft und wollte sie mit einer selbst gebauten Abschussvorrichtung - laut Landeskriminalamt ein Installationsrohr in einem mit Beton gefüllten Blumentopf - abfeuern. Die gesamte Vorrichtung explodierte dabei, drei der acht Verletzten mussten ins Krankenhaus. Staatsanwaltschaft sowie LKA-Sprengstoffexperten nahmen die Ermittlungen auf.

Mehrere Brände, möglicherweise durch Feuerwerkskörper, beschäftigten die Münchener Feuerwehr. Unter anderem war in einem Mehrfamilienhaus auf einem Balkon ein Feuer ausgebrochen, das sich auf den mehr als 20 Meter langen Dachstuhl ausbreitete. Zwei Bewohner kamen mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus, zwei wegen Rauchgasvergiftungen. Mehr als 120 Kräfte waren zur Brandbekämpfung im Einsatz. Keine Verletzten, aber ebenfalls hohen Sachschaden von mindestens 200 000 Euro gab es in München bei einem Großbrand. Das Feuer brach ebenfalls auf einem Balkon aus. Insgesamt wurden Münchens Brandbekämpfer in der Nacht 190 mal gerufen - mit 144 Einsätzen war Silvester 2015/16 deutlich ruhiger gewesen.

In Oberfranken registrierte die Polizei zwei Großbrände, die wohl von Feuerwerkskörpern verursacht wurden. Im Litzendorfer Gemeindeteil Melkendorf brach kurz nach Mitternacht in einer Scheune Feuer aus. Zwei Männer zogen sich eine leichte Rauchgasvergiftung zu. Nahezu alle Tiere konnten gerettet werden. Der Schaden beträgt etwa 100 000 Euro. Eine Stunde später brannte ein Stall in Eggolsheim. Hier wird der Schaden auf 60 000 Euro geschätzt.

Wohl unabsichtlich wurde dagegen in Niederbayern eine Frau von einer Feuerwerksrakete getroffen. Sie erlitt schwere Brandverletzungen am Oberschenkel. Die Rakete sei vermutlich waagerecht abgeschossen worden, teilte die Polizei in Eggenfelden (Kreis Rottal-Inn) mit. Die Frau kam in ein Krankenhaus.
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