08.09.2017 - 00:40 Uhr
Deutschland & Welt

Wie Rollenbilder die Berufswahl prägen - Männlich oder weiblich dominierte Berufe: Die Extreme ... Mädchen werden Friseurin... oder?

Eine Kfz-Mechanikerin und ein Zahnmedizinischer Fachangestellter haben etwas gemeinsam: Sie sind Minderheiten in ihrem Beruf. Denn es gibt sie noch, die typischen Männer- und Frauenberufe. Doch es deutet sich an, dass sich die beruflichen Stereotypen auflockern.

Keine reine Frauen-Domäne: der medizinisch-pflegerische Bereich. Bild: djd/www.deutsches-pflegeportal.de/fotolia.de/Meddy Popcorn
von Azubi 2018Profil

Ein Hamster spielte für die Berufswahl von Laura Kästner eine wichtige Rolle. Sie musste dafür sorgen, dass der Nager sein Futter findet. Stopp! Was ist nun der erste Gedanke beim Lesen? Vielleicht, dass Kästner Tierärztin geworden ist. Das würde ja passen: Mädchen kümmern sich doch gerne um Tiere. Oder? Doch Kästners Weg ging anders weiter.

Die kleinen Nager, die das Mädchen in der neunten Klasse umsorgte, erinnerten kaum an echte Hamster. Es waren kleine Hamsterköpfe auf einem Bildschirm. Mit Programmierbefehlen musste Kästner sie durch ein Labyrinth zu ihren Futterkörnern führen.

Hamstersimulator hieß das Programm, das Anfänger ins Programmieren einführte. Kästner war fasziniert, ihr Interesse geweckt. "Da stand für mich fest, dass ich in die technische Richtung gehen will." Heute ist die 21-Jährige im dritten Lehrjahr. Sie macht eine Ausbildung zur Elektronikerin für Automatisierungstechnik.

In der Minderheit

Was ist daran so ungewöhnlich? Eigentlich nicht viel. Andererseits doch eine Menge. Denn Kästner wird in ihrem Beruf in der Minderheit sein. Sie ist die einzige Frau in ihrem Lehrjahr. Auch in der Berufsschule sitzen neben ihr nur Männer im Klassenraum. Von mehr als 6500 Auszubildenden in diesem Beruf waren 2015 nur knapp 600 weiblich. Das sind etwa 9 Prozent. In anderen Berufen ist das Bild noch eindeutiger. Angehende Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sind zu 99 Prozent Männer. Das bedeutet: Auf hundert Mechaniker-Azubis kommt eine weibliche Auszubildende. Eine Kfz-Mechatronikerin steht jeweils 25 Kfz-Mechatronikern gegenüber (4 Prozent Anteil).

Viele technische Berufe sind männlich dominiert. Typische Frauenberufe finden sich dagegen eher im Dienstleistungs- und Handelsbereich. Friseur gehört dazu (87 Prozent weibliche Azubis). Bei Zahnmedizinischen und Medizinischen Fachangestellten ist fast jede Auszubildende weiblich (rund 99 bzw. 98 Prozent). Hier sind männliche Lehrlinge in der deutlichen Minderheit.

Von Männer- oder Frauenberufen ist die Rede, wenn ein Beruf zu mindestens 80 Prozent von Männern oder Frauen ergriffen wird. Fachleute hören die Begriffe aber nur ungern. "Die sind leider geläufig, aber eigentlich total veraltet", sagt Angelika Puhlmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). "Sie suggerieren, dass die Geschlechter ein natürliches Kennzeichen dieser Berufe sind." Beim BIBB formuliert man deshalb anders: Berufe sind hier "mehrheitlich von Frauen oder Männern besetzt." (tmn)

Die Gesundheits- und Pflegeberufe klagen zwar über Fachkräftemangel - doch wer den Beruf einmal gelernt hat, bleibt in vielen Fällen auch in seinem Job. Das berichtet das Magazin "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis" (Ausgabe 1/2017) des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Die sogenannte Stayer-Quote lag 2013 bei 74,4 Prozent und damit deutlich höher als im Durchschnitt aller Berufe. Denn branchenübergreifend bleibt nur etwa jeder Zweite (46,7 Prozent) in dem Beruf, den er mal gelernt hat.

Noch höher ist die Stayer-Quote zum Beispiel in Sicherheitsberufen (79,3 Prozent). (tmn)

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