26.09.2017 - 13:27 Uhr
Deutschland & Welt

Wie wundersam ein Mensch entsteht Neun Monate

Im Mutterleib wächst ein Kind heran. Nennen wir es Pia. Noch ist Pia ein Embryo, wird von der Mutter optimal versorgt, neun Monate lang, bis sie schließlich bereit ist, das Licht der Welt zu erblicken. So schön, so natürlich eine Schwangerschaft ist, biologisch betrachtet, dürfte es eine Schwangerschaft eigentlich gar nicht geben. Denn ein Embryo ist für den Organismus der Mutter ein gefährlicher Fremdkörper. Bereits die Zeugung ist geprägt von einem Abwehrkampf: Der weibliche Körper versucht alle eingedrungenen Spermien zu töten – und schafft es fast. Von den Hunderttausenden Samenzellen kann es nur eine Samenzelle schaffen, in die weibliche Eizelle einzudringen. Ein Mensch entsteht. Pia entsteht. Wundersam und faszinierend.

von Gesund & VitalProfil

Schafft es die eine Samenzelle das hoch aktive Immunsystem der Frau zu überlisten und dringt in die Eizelle ein, entsteht neues Leben. Doch der daraus entstehende Embryo steht unter scharfer Beobachtung des mütterlichen Immunsystems, denn der Embryo ist weiterhin ein gefährlicher Fremdkörper – wird allerdings akzeptiert, weil sich der Embryo perfekt tarnt: An der Oberfläche der Embryozellen tauchen bestimmte Eiweißstoffe auf, die ganz ähnlich sind wie die Eiweißzellen der Mutter. Der Embryo signalisiert quasi: „Ich gehöre zum eigenen Körper.“ So ist es möglich, dass aus dem Embryo ein kleiner Schlauch wachsen und in das Gewebe der Mutter eindringen kann: die Nabelschnur bildet sich. Der Embryo ist an die Plazenta angedockt, diese versorgt die kleine Pia fortan mit Nährstoffen und Sauerstoff.

Immer umfassender verbindet sich Pia mit ihrer Mutter, je mehr sie wächst, wächst auch die Plazenta. Am Ende der Schwangerschaft ist der Mutterkuchen rund ein Pfund schwer, die Blutgefäße von Pia haben dann eine Länge von 320 Kilometern. Aber auch die Veränderungen der Mutter sind während einer Schwangerschaft erheblich. Ihr Herz schlägt kräftiger und schneller, bis zur Geburt erhöht sich die Herzleistung um 40 Prozent, die Blutmenge im Körper der schwangeren Frau erhöht sich um 50 Prozent. Die werdende Mutter entwickelt mehr Appetit, rund 60.000 zusätzliche Kalorien werden benötigt, um auch das Kind zu versorgen.

Acht Wochen nach der Zeugung ist die kleine Pia zu einem menschenähnlichen Wesen herangereift – zwei Wochen später, ab der 10. Woche ist sie medizinisch nicht länger ein Embryo, sondern ein Fötus. Pia ist rund sieben Zentimeter lang, ihr Knorpelskelett wandelt sich in Knochen um. Noch sind ihre Augenlider geschlossen, zu ihrem eigenen Schutz. Nach 14 Wochen entwickeln sich ihre Geschlechtsorgane, ihre Gliedmaßen können sich bereits geordnet bewegen. Nach 18 Wochen gleicht der Fötus schon weitgehend einem fertig entwickelten Baby. Die Haut von Pia ist durch Behaarung und eine Fettschicht gegen das Aufweichen im Fruchtwasser geschützt. An Fingern und Zehen haben sich Nägel entwickelt. Zehn Wochen später ist das Baby 30 Zentimeter groß.

Obwohl Pia nach der 30. bis 34. Schwangerschaftswoche fertig entwickelt ist, wächst sie munter weiter und nimmt an Gewicht zu. Für ihre Mutter sind regelmäßige Wehen ein Anzeichen für die nahe Geburt. Dabei übt sich die Gebärmutter sozusagen im Zusammenziehen ihrer Muskulatur und schiebt die kleine Pia weiter in eine geburtsgerechte Lage. Kommen die Wehen in regelmäßigen Abständen – alle zehn Minuten über eine halbe Stunde hinweg, wird es Zeit, in die Klinik zu fahren. Die kleine Pia will das Licht der Welt erblicken!

Die Geburt lässt sich in drei Hauptabschnitte einteilen: Die Eröffnungsperiode bestimmt die ersten Stunden der Geburt, erste Wehen beginnen – die vollständige Öffnung des Muttermundes beendet diese Geburtsphase. In den meisten Fällen platzt gegen Ende dieser Phase die Fruchtblase, und das darin enthaltene Fruchtwasser fließt nach und nach ab. Mit etwa acht bis zehn Zentimetern ist die vollständige Öffnung des Muttermundes erreicht. Damit beginnt die zweite Phase der Geburt, die sogenannte Austreibungsperiode. Bei Erstgebärenden dauert diese Phase der normalen Geburt zwischen 60 und 75 Minuten, bei Mehrgebärenden verkürzt sie sich auf 20 bis 30 Minuten. Die Austreibungsperiode dauert bis zur Geburt des Kindes: Mensch Pia – schön, dass du da bist.

Verhalten während der Schwangerschaft

Das eigene Verhalten beeinflusst maßgeblich, wie sich der monatelange Prozess gestaltet. Viele Aspekte haben werdende Mütter selbst in der Hand und können beispielsweise durch die richtige Ernährung und Vorsorge gleich zu Beginn den Grundstein für eine gute Entwicklung ihres Kindes legen. Das richtige Verhalten der werdenden Mutter trägt viel dazu bei, dass eine Schwangerschaft angenehm und komplikationsarm verläuft. Die folgenden Aspekte sind dabei von Bedeutung:

• Vorsorgeuntersuchungen geben Gewissheit, dass das ungeborene Kind gesund ist und sich gut entwickelt. Sollte es Probleme oder Defizite geben, kann sofort gegengesteuert werden.

• Die Ernährung ist ein wichtiger Aspekt während der Schwangerschaft, um das Kind mit Nährstoffen zu versorgen. Durch den Verzicht auf Alkohol, Nikotin und starke Koffeinzufuhr können schädliche Einflüsse von dem Neugeborenen ferngehalten werden.

• Aspekte wie Sport, Reisen und Sex stärken das körperliche und seelische Wohlbefinden, das sich auch auf das Kind im Mutterleib auswirkt.

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