04.01.2018 - 10:10 Uhr
Deutschland & Welt

Auch Haidenaab und Waldnaab über Ufer getreten Hochwasser in der Oberpfalz

Nach Sturmtief "Burglind" drohen vor allem in Nordbayern Hochwasser. Bei Neustadt/WN hat die Waldnaab laut Hochwassernachrichtendienst Meldestufe 2 erreicht, ebenso die Haidenaab bei Pressath. 

von Redaktion OnetzProfil

Bei Mantel (Kreis Neustadt/WN) ist die Haidenaab schon deutlich über die Ufer getreten. Regensburg wappnet sich derzeit gegen die steigende Pegel der Donau. Mobile Schutzwände werden aufgestellt und Sandsäcke aufgeschlichtet.

Der bayerische Hochwassernachrichtendienst hat am Donnerstag, 4. Januar, eine Warnung des Wasserwirtschaftsamts Weiden für die Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth herausgegeben. Darin heißt es, dass wiedereinsetzender Regen nach dem Tief "Burglind" die Wasserstände von Gewässern ansteigen lässt. Die Pegel der Haidenaab (Pressath) und Waldnaab (Neustadt/WN) haben Mittwochnacht bereits die Meldestufe zwei - sie tritt ab 110 Zentimeter ein - überschritten. Das Wasserwirtschaftsamt geht davon aus, dass die Stände bis zum heutigen Freitag auf rund 145 Zentimeter steigen könnten. Ein Pegel, ab dem Meldestufe drei gilt.

Auch im Tirschenreuther Kreis könnten die Wasserstände noch ansteigen. Allerdings weniger drastisch als andernorts - das Wasserwirtschaftsamt geht davon aus, dass die Gewässer in der Tirschenreuther Umgebung Meldestufe eins nicht mehr erreichen. Bis zum Wochenende könnte die Hochwasserlage anhalten. Zudem warnt der Deutsche Wetterdienst erneut vor kräftigen Sturmböen (Stufe 2 von 4) bis Freitagmittag, 5. Januar, in den Kreisen Neustadt/WN, Schwandorf, Cham und Tirschenreuth in Lagen über 800 Meter.

In der Stadt Amberg und dem Kreis Amberg-Sulzbach steigen die Pegel ebenfalls. Laut Hans Weiß vom Wasserwirtschaftsamt besteht aber keine akute Gefahr. Schutzmaßnahmen müssten noch nicht getroffen werden. Es schade aber nicht, wenn Haushalte, die von einem Hochwasser betroffen sein könnten, vorsichtshalber Kellerfenster mit Sandsäcken abdecken oder Stege vorbereiten. "Die Haushalte an der Vils sind frühzeitig vorgewarnt worden", sagt Weiß.

In Weiden sind Mulden an den Flüssen, angrenzende landwirtschaftliche Flächen und einige Hauptverkehrswege teilweise überflutet: Wald- und Haidenaab erreichten in der Nacht zum Donnerstag bereits Meldestufe 2. Der Flutkanal füllt sich "fast bordvoll", stellte Dr. Hans Weiß, der stellvertretende Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weiden, fest. Die Wege am Flutkanal sind wegen der ankommenden Wassermassen gesperrt. 

Dauerregen und Schneeschmelze

Dauerregen und Schneefälle haben in Oberfranken in Verbindung mit der kurz danach einsetzenden Schneeschmelze die Flüsse anschwellen lassen, erklärten Experten bei der Landesanstalt für Umwelt die Lage. "Da wir dort nicht die mächtigen Schneehöhen wie in höheren Lagen haben, schmilzt der Schnee in den Mittelgebirgen schneller weg", sagte der Leiter des Hochwassernachrichtendienstes bei der Landesanstalt für Umwelt, Alfons Vogelbacher.

Derzeit sieht der Experte noch keinen Grund für eine Entwarnung: "Was wir derzeit im Norden Bayerns haben, kann in den nächsten Tagen auch im Süden eintreten", gab Vogelbacher zu bedenken. Mit den vom Deutschen Wetterdienst prognostizierten starken Regenfällen im Allgäu und am oberbayerischen Alpenrand rechnet er im Iller-Lech-Gebiet mit Hochwasser. "Da kommt dann in der Donau viel Wasser zusammen. Lokale Überschwemmungen für bebaute Gebiete sind nicht auszuschließen", glaubt Vogelbacher - vorausgesetzt, dass die noch etwas unsicheren Niederschlagsprognosen zuträfen.

Laut dem Deutschen Wetterdienst ist im Allgäu wegen des erwarteten Starkregens in Verbindung mit Schmelzwasser bis zum Samstag mit gewaltigen Wassermassen zu rechnen. Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) geht für die Region zwischen Donnerstag und Freitagabend mit einer Abflussmenge von 70 bis 100 Litern pro Quadratmeter aus. "Das ist natürlich sehr viel", machte er deutlich. Bei der "Abflussmenge" wird zum aktuellen Niederschlag noch das von den Bergen kommende Schmelzwasser hinzugerechnet.

Mobile Hochwasserschutzdienste

Mit Hochwasser auf der Donau rechnet der Hochwasserwarndienst allerdings erst zum Wochenende. In Regensburg haben deshalb Mitarbeiter des Bauhofs damit begonnen, mobile Hochwasserschutzwände zu errichten, um eine Überflutung der historischen Altstadt zu verhindern. Im Bereich der Alten Brücke und in Höhe des Ortsteils Schwabelweis könnte laut amtlicher Hochwasserwarnung in der Nacht zum Sonntag die höchste Meldestufe vier erreicht werden. In Graßlfing (Kreis Regensburg) lief in der Nacht zu Freitag, 5. Januar, eine Unterführung der Bundesstraße 16 voll. Das Wasser stand laut Feuerwehr etwa einen halben Meter hoch. Auch im Landkreis Kelheim musste die Feuerwehr mehrmals ausrücken, um Häuser vor Hochwasser zu schützen.

Auf dem Main wird der höchste Wasserstand für Freitag erwartet. Dann dürfte die Schifffahrt zwischen Bamberg und Marktheidenfeld (Landkreis Main-Spessart) eingestellt werden, teilte das Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt mit. Zunächst war die Sperre schon für Donnerstag geplant. «Die Pegel sind jetzt aber doch nicht so stark angestiegen, wie wir es erwartet haben», sagte ein Mitarbeiter der Behörde.
 
In Mainleus (Landkreis Kulmbach) erreichte der Main in der Nacht zum Donnerstag die zweithöchste Meldestufe 3, in Fürth am Berg überschwemmte laut Hochwassernachrichtendienst Bayern die Steinach einzelne Grundstücke und Keller. Auch in anderen Teilen Frankens traten Flüsse über die Ufer und setzten erste Grundstücke und Felder unter Wasser.

Schifffahrt eingestellt

Für den Donnerstag warnte der Deutsche Wetterdienst vor allem in Süd- und Ostbayern vor Starkregen und weiterem Tauwetter. Der Hochwassernachrichtendienst rechnete deshalb zunächst mit einem weiteren Anstieg der Pegelstände.

Die Wasserwirtschaftsämter hatten bereits am Mittwoch für einen Großteil Frankens Hochwasserwarnungen ausgegeben. Auf dem Main sollte der höchste Wasserstand am Donnerstagnachmittag erreicht werden. Dann werde auch die Schifffahrt zwischen Bamberg und Marktheidenfeld (Landkreis Main-Spessart) eingestellt, teilte das Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt mit.

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