Bildungsminister Ludwig Spaenle hält am Unterrichtsfach für Bayerns Schulen fest
Religionsunterricht unbeliebter als Mathe

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
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Bayern
28.02.2018
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Bildungsminister Spaenle hat sich für den Erhalt des Religionsunterrichts an Schulen im Freistaat ausgesprochen. Die Bayerische Verfassung habe ganz bewusst die Ehrfurcht vor Gott und der Würde des Menschen zu einem unumstößlichen Bildungsziel erklärt, sagte Spaenle der Deutschen Presse-Agentur.

Anders als ein Viertel der Bayern hat sich Bildungsminister Ludwig Spaenle (CSU) für den Erhalt des Religionsunterrichts an Schulen im Freistaat ausgesprochen. Die Bayerische Verfassung habe ganz bewusst die Ehrfurcht vor Gott und der Würde des Menschen zu einem unumstößlichen Bildungsziel erklärt, sagte Spaenle der Deutschen Presse-Agentur. Dies würden Schulen mit den Kirchen im konfessionellen Religionsunterricht umsetzen. "Daran werden wir in unserem christlich-geprägten Bayern festhalten." 

Neben Spaenle sprach sich auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) für Religionsunterricht aus. Dieser habe eine lange Tradition im Freistaat, sagt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Wichtig sei, dass sich die gelehrten Überzeugungen mit denen der Kirchen deckten. Fleischmann plädierte auch für einen islamischen und jüdischen Religionsunterricht. Die Vielfalt des Glaubens müsse auch an den Schulen im Freistaat abgebildet werden.

"Luft nach oben"

Welche Bedeutung hat der Religionsunterricht für Menschen in Bayern? Eine Frage, die die evangelische Landeskirche gerade umtreibt. Um das Fach zukunftsfähiger und besser zu machen, gab die Kirche im Rahmen eines Entwicklungsprojekts eine Studie beim Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid dazu in Auftrag. Demnach ist Religionsunterricht unbeliebter als das Fach Mathematik, wie es in der am heutigen Mittwoch veröffentlichten Umfrage hieß.

Bei der Frage nach dem Beliebtheitsgrad landete Religion mit 38 Prozent hinter Mathe (42 Prozent) auf dem vorletzten Platz. Nur Physik schnitt mit 32 Prozent schlechter ab. Auf den Spitzenplätzen landeten den Angaben zufolge Biologie (59 Prozent), Geschichte (55 Prozent) sowie Deutsch und Sport (jeweils 54 Prozent).

Ein Teil der Befragung hatte die Kirche bereits vergangene Woche veröffentlicht. Demnach lehnt jeder Vierte im Freistaat Religionsunterricht an Schulen ab. Das Hauptargument: Religion sei Privatsache. 65 Prozent sprachen sich für das Fach aus, weil jeder das Recht auf religiöse Bildung habe, hieß es bei den Befürwortern zur Begründung. Viele der Befürworter sehen im Religionsunterricht einen Vermittler wichtiger Werte. Der Rest der Befragten enthielt sich.

Zustimmung in der Oberpfalz

Vor allem in Niederbayern, Oberfranken und der Oberpfalz fällt die Zahl der Befürworter laut Erhebung mit 71 bis 73 Prozent relativ hoch aus. Im Gegensatz zu Schwaben, wo die Zustimmung (59 Prozent) unterdurchschnittlich ist.

"Die Zahlen geben zu denken", sagte Oberkirchenrat Detlev Bierbaum. "Wir wären ganz schlecht beraten, wenn wir uns auf 65 Prozent ausruhen würden." Man müsse sich fragen, warum es da Gegenwind gebe. "Wir haben eine höhere Ablehnung bei älteren Jahrgängen, nicht bei den jüngeren", berichtete Bierbaum. Das könne damit zusammenhängen, dass der Religionsunterricht schlecht war. "Das schließe ich nicht aus." Es könne aber auch mit existenziellen Erfahrungen zu tun haben, "die wirklich einen den Glauben an Gott und die Welt haben verlieren lassen".

Man brauche Religionsunterricht mit hoher Qualität, resümierte Bierbaum. Die Welt unterliege gerade einem sehr starken Wandel. Dabei nannte er Stichwörter wie demografischer Wandel und religiöse Vielfalt. Der Unterricht sei schon auf diese Herausforderung angelegt, aber es gebe sicherlich "Luft nach oben".

"Erwartungen der jungen Menschen gerecht werden"

"Wir müssen an den Schülerinnen und Schülern dran sein - an ihren Fragestellungen", sagte Bierbaum. Man müsse den Erwartungen der jungen Menschen gerecht werden. "Es darf nicht um Vereinnahmung gehen - ich fände es hochproblematisch, wenn wir Kirche an der Schule etablieren wollten." Im Unterricht müsse ein Klima herrschen, in dem man Vertrauen und Friedensfähigkeit ausbilden könne.

In Bayern nehmen der Landeskirche zufolge wöchentlich 340.000 Schüler am evangelischen Religionsunterricht teil. Rund 2240 kirchliche Lehrkräfte sind dafür im hauptamtlichen Schuldienst. Die Landeskirche gibt eigenen Angaben zufolge jährlich mehr als 43 Millionen für den Unterricht aus.

Repräsentative UmfrageFür die repräsentative Umfrage hat Emnid zwischen dem 12. Oktober und dem 3. November 2017 insgesamt 1000 Menschen ab 18 Jahre in Bayern befragt. Die Fragestellungen lauteten: "Ich lese Ihnen nun einige Schulfächer vor. Bitte sagen Sie mir jeweils, wie beliebt das Fach bei Ihnen selbst war." Antworten: "Sehr beliebt" und "eher beliebt".

"Wie finden sie es, dass der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ein ordentliches Schulfach wie andere ist?" Die Antworten: "Finde ich richtig", "finde ich nicht richtig", "weiß nicht", "keine Angaben". "Ich lese Ihnen nun einige mögliche Begründungen vor, warum der Religionsunterricht ein/kein ordentliches Schulfach wie andere sei. Bitte sagen Sie mir inwieweit Sie zustimmen oder nicht."
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