Chiemsee-Summer-Festival abgesagt [aktualisiert]
Verletzte und Hunderte Einsätze wegen Unwetter in Bayern

Nach einem heftigen Unwetter über Südbayern haben die Veranstalter des Chiemsee-Summer-Festivals in Übersee am Samstag den letzten Tag des Events abgesagt. Bild: Christian Hartmann/dpa
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Bayern
19.08.2017
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Beschädigte Zelte und Habseligkeiten von Besuchern des Chiemsee-Summer-Festivals auf dem Gelände in Übersee (Bayern). Bild: Christian Hartmann/dpa

Das heftige Unwetter über Bayern hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Für das Chiemsee-Summer-Festival bedeutet es sogar das vorzeitige Aus. Mehrere Menschen wurden verletzt.

München/Übersee. Ein Unwetter mit Starkregen, Gewittern und zum Teil orkanartigen Sturmböen ist am Freitagabend über weite Teile Bayerns gezogen und hat zu großen Sachschäden geführt. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Die Veranstalter des Chiemsee-Summer-Festivals in Übersee (Landkreis Traunstein) sagten am Samstag den letzten Tag des Events ab. Die Verwüstung auf dem Gelände und die Schäden an den Bühnen seien zu groß, teilten die Veranstalter mit.

Katastrophenalarm in Passau

Der Bahnverkehr war gerade in Ober- und Niederbayern am Samstag noch auf vielen Strecken wegen Ästen und Bäumen auf den Gleisen beeinträchtigt. Im Landkreis Passau wurde Katastrophenalarm ausgelöst.
Allein die Einsatzzentrale des Präsidiums Oberbayern Süd verzeichnete zwischen 21.00 und 1.00 Uhr mehr als 700 Einsätze, Notrufe waren zeitweise überlastet. In München meldete die Berufsfeuerwehr 136 zusätzliche Einsätze wegen des Unwetters. Die integrierte Leitstelle Nürnberg erreichten nach Feuerwehr-Angaben unwetterbedingt rund 500 Notrufe bis zum Samstagmorgen, auch tagsüber waren die Einsatzkräfte weiter gefragt.
Überall ging es überwiegend um umgestürzte Bäume, die Straßen und Gleise blockierten, vollgelaufene Keller, überflutete Unterführungen, Blitzeinschläge und beschädigte oder abgedeckte Dächer. Teilweise fiel auch der Strom aus. Auf dem oberbayerischen Ammersee überraschte das Unwetter nach Polizeiangaben mehrere Segler derart, dass sie es nur mit Hilfe der Einsatzkräfte sicher an Land schafften. Auf dem Chiemsee suchte die Wasserwacht lange Zeit nach einem gekenterten Ruderboot. «Diese Mitteilung hat sich jedoch nicht bestätigt oder die Havarierten konnten sich selbst helfen», hieß es später.

Notunterkünfte für Festival-Besucher

Beim Chiemsee-Summer-Festival mussten am Freitagabend etwa 60 Menschen medizinisch versorgt werden - darunter auch viele, die von den Ereignissen verängstigt waren und psychologische Betreuung in Anspruch nahmen, wie die Organisatoren mitteilten. 20 Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden, teilte ein Pressesprecher mit: «Es gibt keine lebensbedrohlichen Verletzungen, was uns sehr erleichtert.» Weil die Campingplätze verwüstet wurden, öffneten Notunterkünfte für die Besucher.
Das Echelon-Festival in Bad Aibling (Landkreis Rosenheim) wurde unterbrochen und erst am Samstagmittag wieder fortgesetzt. Dort wurden etwa zehn Menschen verletzt. Gäste kamen in einer Fliegerhalle unter.

Bei Siegsdorf (Landkreis Traunstein) mussten Feuerwehrkräfte einen Zug erden, nachdem dieser im Bereich einer herabgerissenen Stromleitung stehengeblieben war. Die etwa 90 Fahrgäste wurden in einer Turnhalle untergebracht.
In Lauf an der Pegnitz (Landkreis Nürnberger Land) geriet ein Dachstuhl nach einem Blitzeinschlag in Brand. In Seukendorf (Landkreis Fürth) stand im Ortsteil Hiltmannsdorf das Wasser einen Meter hoch auf der Straße, wie die Nürnberger Feuerwehr mitteilte.
In Neustadt an der Donau fuhr ein Zug auf einen Baum. Die Einsatzkräfte mussten 20 Fahrgäste und den Zugführer befreien. Niemand wurde verletzt. Auf der Autobahn 3 bei Passau-Nord stürzten 15 bis 20 Bäume auf die Fahrbahn. In Kirchdorf im Wald erlitt ein Musiker in einem Bierzelt einen Stromschlag. Ein Blitz hatte in das Festzelt eingeschlagen.

Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West sprach von rund 230 unwetterbedingten Einsätzen bis zum Samstagmorgen, ähnlich hoch war die Einsatzzahl in Niederbayern. Die A7 im bayerischen Allgäu musste für etwa eine halbe Stunde zwischen Kempten-Leubas und Dietmannsried voll gesperrt werden, um einen Baum von der Fahrbahn zu entfernen. Den Gesamtschaden allein im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums Schwaben Süd/West schätzten die Beamten auf rund 150 000 Euro.
In Günzburg wurde das Volksfestgelände mit bis zu 5000 Besuchern vorsorglich geräumt. Die Abendveranstaltung der Allgäuer Festwoche in Kempten lief den Angaben zufolge hingegen planmäßig bis zum Ende.


S-Bahn in München gesperrt

In München war am Freitagabend der S-Bahn-Verkehr für rund 40 Minuten komplett eingestellt worden, auch am Samstag kam es noch zu Einschränkungen. Die Bahn organisierte einen Schienenersatzverkehr mit Taxis. Nach Angaben der Bundespolizei mussten am Freitagabend die Fahrgäste in zwei S-Bahnen, die wegen umgestürzter Bäume liegengeblieben waren, stundenlang ausharren, bis die überlasteten Hilfskräfte eintrafen. Auch im Nah- und Fernverkehr gab es am Samstag weiter Einschränkungen. Wegen des Unwetters wurde auch die zweite Hälfte des Bundesliga-Auftaktspiels zwischen dem FC Bayern München und Bayer Leverkusen verspätet angepfiffen.
In Weßling (Landkreis Starnberg) wurden ein 28 Jahre alter Mann und sein Kind auf einem Spielplatz von einem umstürzenden Baum verletzt. In der Oberpfalz wurden vier Menschen bei Verkehrsunfällen unter anderem wegen Aquaplanings verletzt.


Wanderhütte auf Autobahn geschleudert

Im oberfränkischen Meeder (Landkreis Coburg) riss der Sturm eine Wanderhütte der Gemeinde mit und schleuderte sie auf die Autobahn 73. Der Fährbetrieb zur Roseninsel im Starnberger See wurde eingestellt. Wie die Insel bleibe auch der Park Feldafing bis einschließlich Montag wegen entwurzelter Bäume gesperrt, teilte die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung am Samstag mit. Auch die Burg Cadolzburg (Landkreis Fürth) blieb am Wochenende wegen Sturmschäden geschlossen.
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