03.07.2017 - 09:20 Uhr
Deutschland & Welt

Inferno nach Unfall auf der A9 [Aktualisierung] Reisebus geht in Flammen auf - 18 Tote, 30 Verletzte, unverantwortliche Autofahrer

Münchberg/Hof. (esm/dpa) Auf der Autobahn A9 bei Stammbach in Oberfranken kam es am Montagmorgen zu einem schweren Verkehrsunfall. Ein Reisebus prallte auf einen Sattelzug und ging in Flammen auf. Laut einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberfranken sind 18 Personen ums Leben gekommen, 30 wurden zum Teil schwer verletzt.

von Marion Espach Kontakt Profil

46 Fahrgäste und zwei Fahrer saßen in dem Bus, als dieser wegen des sich stauenden Verkehrs auf den Lastwagen vor sich auffuhr. Kurz darauf fing er zu brennen an. Vom Fahrzeug blieb nur ein verkohltes Wrack übrig.

Neben einigen Senioren aus Sachsen waren laut dem sächsischen Innenstaatssekretär Michael Wilhelm (CDU) auch Reisende aus anderen Bundesländern dabei. Laut brandenburgischem Innenministerium gehörten dazu mindestens vier Brandenburger.

Zwischenzeitlich ist laut einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberfranken und der Staatsanwaltschaft Hof die Bergung der Verstorbenen erfolgt. Es handle sich um Frauen und Männer im Alter von 66 bis 81 Jahren. Spezialisten der Rechtsmedizin und des Bundeskriminalamts übernehmen die Identifizierung der Toten, unter denen auch der Fahrer des Buses ist. Der Fahrer des Lastwagens blieb körperlich unverletzt, erlitt allerdings einen Schock.

Die Polizei sperrte die A9 in beide Richtungen. Zahlreiche Einsatzkräfte der Rettungsdienste, Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks und der Polizei waren vor Ort. Außerdem waren mehrere Rettungshubschrauber im Einsatz.

"Zutiefst betroffen"

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) kamen nach dem schweren Reisebusunfall auf der Autobahn 9 in Oberfranken an die Unfallstelle. Sie wollten sich ein Bild von der Lage machen und mit den Einsatzkräften sprechen (siehe dazu den Infokasten unten).

«Was wir gesehen haben, ist erschreckend, wie man es sich kaum vorstellen kann», sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an der Unfallstelle. Die Rettungskräfte seien nur zehn Minuten nach der Alarmierung am Unfallort gewesen. Doch aufgrund der großen Hitze hätten sie nichts mehr tun können. Diese Situation - nicht mehr helfen zu können - sei für die allesamt ehrenamtlichen Feuerwehrleute extrem hart gewesen, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) versprach eine schnelle Aufklärung der Unfallursache. Wie sein sächsischer Amtskollege Stanislaw Tillich (CDU) sprach der CSU-Chef den Angehörigen sein Beileid und seine Anteilnahme aus: «Wir beten für die Verletzten, dass sie ihre Verletzungen überwinden.» Die Rettungskräfte hätten einen «sehr, sehr schweren Dienst» zu leisten. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprachen den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker schrieb in einem Brief an Seehofer: «Die erschütternden Bilder des Busunglücks in Bayern haben mich zutiefst betroffen gemacht.»

Der Bürgermeister des Marktes Stammbach, Karl Philipp Ehrler, zeigte sich ebenso schockiert. «Das ist der schlimmste Unfall, den wir je auf unserem Gemeindegebiet hatten», sagte Ehrler. «Das ist der Wahnsinn. Das ist einfach katastrophal.» Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief zu Gebeten auf: «Beten wir für die Opfer, unsere Gedanken sind bei den Angehörigen!», schrieb Schick auf Twitter.

Zentrale Telefonnummer für Angehörige

Für Angehörgie der Unfallopfer ist eine zentrale Telefonnummer eingerichtet worden.
Unter der Rufnummer 0800 / 7766350 können sie sich an die gemeinsame
Auskunfts- und Vermisstenstelle wenden, wie die Polizei mitteilte. Auch Zeugen könnten sich hier melden.

Die A9 in Richtung Süden sollte noch den gesamten Tag gesperrt bleiben, hieß es von der Polizei. Es bildeten sich lange Staus. Das Polizeipräsidium Oberfranken rief die Bevölkerung auf, die Unfallstelle möglichst weiträumig zu umfahren. «In Richtung Süden bitte bereits über die A72 und A93 abfahren», hieß es.

Betroffenheit und Anteilnahme

Unglücke wie dieses bewegen die Menschen. Auf Twitter bekunden Nutzer ihre Anteilnahme:

Autofahrer "unverantwortlich" nach Busunglück

Nach dem schweren Unfall hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ein "völlig unverantwortliches Verhalten" mancher Autofahrer im Stau beklagt. Sie hätten es damit den Rettern erschwert, zur Unglücksstelle zu kommen, sagte Herrmann am Montag am Ort des Unglücks. Nach einem Unfall sei "sofort eine Rettungsgasse zu bilden - und zwar so, dass ein Lkw durchkommen kann", sagte Herrmann. Er betonte, dass dennoch "so schnell wie irgendmöglich Hilfe geleistet" worden sei.

Zehn Minuten nach der Alarmierung seien die Rettungskräfte am Ort des Geschehens gewesen - doch da sei die Hitze des Feuers bereits so groß gewesen, dass kein Feuerwehrmann mehr an den Bus herantreten konnte. Herrmann sagte, diese Situation, nicht mehr helfen zu können, sei für die allesamt ehrenamtlichen Feuerwehrleute extrem hart gewesen. Eigentlich sei es nur ein leichter Auffahrunfall gewesen. Warum sich der Brand so schnell und mit solch dramatischen Folgen entwickelt habe, müsse nun aufgeklärt werden. Etwa 100 Polizisten und mehr als 150 Rettungskräfte sowie fünf Hubschrauber waren an dem Einsatz beteiligt.

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