08.09.2017 - 03:00 Uhr
Deutschland & Welt

Maurer können viel mehr, als nur tagtäglich Steine übereinander stapeln Wohin nur mit den Fingern?

(Von Michaela Süß)

Die Bilanz gibt’s gleich vorneweg: Die Jeans sind mit rotem Ziegelstaub bedeckt, am Knie prangt ein großer Mörtel-Fleck und auch die Sicherheitsschuhe sind nicht verschont geblieben. Vorausgegangen ist all dem ein Schnuppertag bei den Maurern auf der Baustelle.

von Azubi 2018Profil

Welchen Beruf hätte ich wohl ergriffen, wäre ich nicht Journalist geworden? Vielleicht etwas Praktisches, bei dem man am Ende des Tages auch sehen kann, was man geschafft und geschaffen hat? Das wäre schon gut. Also warum nicht Maurer? In der Hobby-Version zu Hause mit Opa hat das ja immer Spaß gemacht. Ist das aber in der ganz normalen Berufspraxis auch so? Ich teste das mal und besuche Christian Bauer.

Der Vorarbeiter beim Bauunternehmen Steininger ist mit seinen Kollegen gerade dabei, auf dem Gelände der Eckert-Schulen in Regenstauf eine Kindertagesstätte hochzuziehen. Die Bodenplatte ist schon fertig und gerade entstehen die Mauern für das Erdgeschoss. Unter den zwölf Arbeitern auf der Baustelle ist auch ein Praktikant, der dann im neuen Ausbildungsjahr als Maurer anfangen will. Nun denn, ich bin gespannt.

Gerade entsteht neben der Stelle, wo sich später mal eine Türe befinden wird, ein Stück Mauer. Dünner als früher üblich kommt mir da die Mörtelschicht vor. Und der Eindruck täuscht nicht.
Christian Bauer erklärt mir, warum das schon seine Richtigkeit hat: „Mörtelfugen sind sogenannte Wärmebrücken, an denen das Haus Temperatur verliert.“ Alles klar, im Zeitalter von Wärmedämmung und Energieeinsparverordnung ist das natürlich nicht erwünscht.

Die Sache mit der Energie erklärt auch das Innenleben der Ziegelsteine, die der Vorarbeiter und seine Kollegen verwenden. Selbiges ist nämlich voll mit Dämmmaterial, was die Steine zu besseren Wärmespeichern und – wie man mir versichert – im Vergleich zu früher sogar leichter macht. So ganz ohne sind sie aber trotzdem nicht – doch dazu später.

Zuerst bemerke ich aber diverse Dinge, die Opa das Arbeiten auf den heimischen Hobby-Baustellen in Haus und Garten deutlich erleichtert hätten: Statt mit dem „Maurerhammer“ machen zu große Steine am Ende einer Mauerreihe heutzutage Bekanntschaft mit dem „Alligator“. Und wenn das handliche, elektrisch betriebene Werkzeug mit seinen zwei Sägeblättern nicht mehr ausreicht, dann muss eben die große Steinsäge ran, um überlange Steine zu kürzen.

Ich sehe schon, ganz so körperlich anstrengend wie früher geht es heute nicht mehr zu auf dem Bau. Auch der Mörtel kommt, sofern größere Mengen benötigt werden, aus dem neben der Baustelle stehenden Silo. Ansonsten schlägt die Stunde einer praktischen, kleinen Maschine mit der Bezeichnung „Zwangsmischer“. Und dann können Mauermörtel für tragende Wände, Leichtmauermörtel zum Verfugen oder für den Einbau von Rollokästen und Fensterstürzen oder Dünnbettmörtel zur Verklebung der Steine verwendet werden. Aha... schon wieder was gelernt.

Solange ich beim Rundgang über die Baustelle sehe, wie die Außenmauern der künftigen Kindertagesstätte wachsen, genieße ich das schöne Wetter. Ich habe Glück und einen Tag mit 20 Grad und Sonnenschein erwischt. Puh – denn ganz ohne nasse Klamotten, frostige Füße im Winter oder Sonnenbrand im Sommer geht es im Arbeitsleben eines Maurers eben nicht ab.

Überhaupt: Das Aufgabenspektrum ist hier deutlich abwechslungsreicher als angenommen. Stein auf Stein setzen und das war’s dann? Nein, wirklich nicht. „Maurer ist ein ungemein vielseitiger Beruf“, erzählt Christian Bauer.

Das sieht man schon daran, wie Schritt für Schritt das Haus entsteht: Erdarbeiten und Kanal – der Maurer kann das. Blitzschutz einbauen und Schalarbeiten für die Bodenplatte – wieder ist der Maurer gefragt. Bewehren und Betonieren – ebenfalls eine Aufgabe für den Maurer. Keller schalen, bewehren und betonieren – wieder ist der Maurer dran.

Zwischenwände mauern und die Leerrohre für die Installation verlegen – na klar, auch das macht der Maurer. Dann kommen die Schalarbeiten für die Decken und die Decken selbst. Wieder sind die Maurer am Werk. Alles genau so, wie es im Bauplan vorgesehen ist.

Und so geht es Stockwerk für Stockwerk weiter. Etwa drei bis fünf Wochen dauert es, bis so ein Standard-Haus fertig ist. Bei Großprojekten natürlich schon mal länger. Und dann geht’s weiter zur nächsten Herausforderung auf der nächsten Baustelle.

Dafür müssen die Maurer natürlich fachlich fit sein. Neben den Berufsschulzeiten und den Ausbildungsphasen auf der Baustelle gibt es für die Maurer-Azubis während ihrer dreijährigen Lehre auch immer wieder überbetriebliche Ausbildungen.

„Einen Tag haben wir da Theorie, den Rest der Woche geht’s an die Praxis“, erzählt Korbinian Schneider, der gerade im zweiten Ausbildungsjahr ist. Verputzen und Vermessen steht da auf dem Unterrichtsplan, Pflastern. Gerüstbau oder ein Schalkurs. Und wer im Ausbildungsbetrieb schon „mit wachen Augen und Interesse“ auf der Baustelle gearbeitet hat, tut sich hier leicht, mit guten Noten wieder nach Hause zu gehen.

All das habe ich natürlich nicht gelernt, in der Praxis versuchen darf ich mich aber trotzdem. Ein Stück Mauer soll entstehen, die Schnur für einen geraden Abschluss ist gespannt und es kann losgehen. Erst einmal mit der Schöpfkelle Mörtel auftragen und den dann ordentlich glattstreichen. „Auch die Kannten nicht vergessen“, sagt Hasan. OK, mach’ ich.

Schon zeigen sich allerdings die eingangs bereits erwähnten Kollateralschäden in Gestalt von Mörtelflecken auf Hose und Schuhen. Egal, das mit dem „unfallfreien“ Arbeiten wird schon noch werden.

Die nächste Hürde folgt in Gestalt des – angeblich doch so leichten – 42er Mauersteins. Der ist nämlich keineswegs so leicht, wie er auf den ersten Blick erscheint. Zumindest für mich als Frau nicht. Und die Dinger müssen auch noch so aneinander gesetzt werden, dass die Einkerbungen an Stein A perfekt in die Auswölbungen von Stein B passen. So wäre zumindest der Plan.

Doch der hat einen entscheidenden Haken: die Finger meiner rechten Hand. Würde ich nämlich den Stein so halten, wie ich das versucht habe, wären meine Finger unter dem Stein eingeklemmt. Das sieht natürlich an der Mauer nicht gut aus... Und würde sicher auch noch weh tun.

Also zeigt Hasan mir, wie’s richtig geht: Links kann ich die Finger erst mal unter dem Stein lassen, damit ich das Gewicht besser halten kann – aber die rechte Hand muss außen an der rechten Ecke zugreifen. Prompt rutscht der Stein genauso in die geplante Position, wie er sollte. Geht doch!
Es dauert nicht lange, und die Ziegel-Reihe ist fertig. Schön. Ich habe etwas geschaffen, was Bestand haben wird für die Zukunft. Und wer sich das auch für seine berufliche Zukunft vorstellen kann – Maurer werden gesucht.

Verdienst

Das Ausbildungsgehalt für Maurer liegt im 1. Ausbildungsjahr zwischen 680 und 760 Euro. Im 2. Ausbildungsjahr sind es dann zwischen 900 und 1200 Euro und im 3. Ausbildungsjahr rund 1200 bis 1400 Euro.

Als Einstiegsgehalt verdienen Maurer später etwa 1720 bis 1800 Euro netto. (mia)

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