23.02.2018 - 14:43 Uhr

Online-Strafanzeige ab sofort möglich - notfalls "mehr Personal" Polizei startet neues Portal

Eine Strafanzeige per Mausklick erledigen: Auch in Bayern ist das nun möglich - zunächst allerdings nur bei kleineren Delikten. Innenminister Herrmann hält eine Ausweitung für möglich.

Joachim Herrmann und Marianne Gottwald starten symbolisch ein Portal zur Online-Anzeigeerstattung. Kleinere Straftaten können künftig auch in Bayern per Internet angezeigt werden. Die Geschädigten ersparen sich damit den Gang zur Polizeiwache.
von Agentur DPAProfil

Sieben kleinere Straftaten können ab sofort auch in Bayern im Internet angezeigt werden. Dazu gehören etwa Fahrradklau, Sachbeschädigung an Autos, Diebstahl von Fahrzeugteilen oder Gegenständen aus Autos wie Radios und Navigationsgeräte sowie Betrug bei Online-Auktionen. Die Geschädigten ersparen sich damit den Gang zur Polizeiwache. Den Notruf per 110 ersetze das Portal freilich nicht, betonte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) beim Start des Angebots am Freitag in Nürnberg. Die Online-Anzeige über die Internetseite www.polizei.bayern.de eigne sich nur für Delikte, in denen die Polizei nicht sofort tätig werden müsse.

Er erhoffe sich, dass die Zahl der angezeigten Straftaten durch das neue Angebot steige, um ein realistischeres Bild der Kriminalität im Land zu erhalten. Sollte dies einen deutlichen Mehraufwand für die Ermittler bedeuten, "dann gibt es auch entsprechend mehr Personal dafür", sagte Herrmann zu. "Es wird deswegen keine einzige Planstelle abgeschafft", sagte er mit Blick auf eine mögliche Zeitersparnis durch das neue Portal. Ihm sei außerdem wichtig, dass der Kontakt zwischen Bürger und Polizei nicht verloren gehe.

Test läuft ein Jahr

 
Der Freistaat ist eines der letzten Bundesländer, die eine Online-Anzeige ermöglichen. Das System solle zunächst ein Jahr lang getestet werden, sagte Herrmann. Wenn der Praxistest erfolgreich sei, könne er sich vorstellen, dass die Online-Anzeige auf weitere Deliktarten ausgeweitet wird.

Zu den verschiedenen Straftaten gibt es unterschiedliche Masken, in die alle nötigen Informationen zu Tat, möglichen Tätern und dem Geschädigten eingetragen werden können. Auch Dokumente wie Kaufbelege oder Fotos können hochgeladen und verschlüsselt mitverschickt werden. Die Anzeigen landen - je nach Tat- oder Wohnort - bei der zuständigen Dienststelle - meist ist das die nächstgelegene. Da der Anzeigenerstatter sofort eine Vorgangsnummer bekommt, kann er auch später Dokumente nachreichen oder Fragen zu seiner Anzeige stellen.

Zwölf Seiten Formulare


Straftaten in anderen Bundesländern oder im Ausland könnten hier jedoch nicht angezeigt werden, sagte Marianne Gottwald vom Fortbildungsinstitut der bayerischen Polizei, das die Anwendung entwickelt hat. Der Geschädigte müsse sich durch zwölf Seiten Formulare klicken, könne aber jederzeit unterbrechen und später weitermachen. Je nach Bundesland unterscheide sich die Zahl der Online-Anzeigen stark - von wenigen tausend bis zu mehreren zehntausend pro Jahr. Ob es den Anzeigenerstatter auch wirklich gibt, werde mit Hilfe der Einwohnermeldedaten verifiziert, sagte der mittelfränkische Polizeipräsident Johann Rast.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) in Bayern steht dem Angebot eher kritisch gegenüber. "Es darf für die Kollegen kein Mehraufwand werden", betonte der DPolG-Vize-Landesvorsitzende Jürgen Ascherl. Und falls doch, müsse mehr Personal eingestellt werden. Nach den Erfahrungen in anderen Bundesländern würden aufgrund der Vereinfachung durchaus mehr Straftaten angezeigt. "Nicht jeder Bürger geht wegen einem gestohlenem Radl zur Polizei. Jetzt tippt er das schnell ein und schickt es weg", sagte Ascherl.

Arbeit der Ermittler wird wohl zunehmen

Auch der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Peter Schall, geht davon aus, dass die Arbeit der Ermittler zunehmen wird. Es sei aber ein guter Service für die Bürger und aus kriminologischer Sicht zu begrüßen, weil das "Dunkelfeld aufgehellt" werde.

Es gebe aber auch Anzeigen, die problematisch seien, gab Ascherl zu bedenken - etwa gefälschte. "Auch die muss man verfolgen. Man kann hier ja alles rein stellen." Marianne Gottwald sagte jedoch, in anderen Bundesländern liege die Missbrauchsquote bei nur einem Prozent. "Wir hoffen, das das auch bei uns so läuft." Die bayerische Polizei verfolgte 2016 mehr als 600.000 Straftaten - der Großteil davon wurde von den Betroffenen selbst angezeigt.

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