29.08.2017 - 21:06 Uhr
Deutschland & Welt

Alarmierende Zahlen bei Altersarmut Gefahr für Senioren, Frauen und Kinder

Wiesbaden/München. (epd) Der Sozialverband VdK warnt trotz des vergleichsweise niedrigen Armutsrisikos in Bayern vor "alarmierenden Zahlen" beim Thema Altersarmut. Mehr als jeder fünfte Rentner in Bayern komme nicht oder kaum über die Runden, sagte VdK-Präsidentin und bayerische Landesvorsitzende Ulrike Mascher am Dienstag in München. Bei älteren Frauen sei sogar jede vierte von Altersarmut bedroht oder betroffen. "Altersarmut ist in Bayern weiblich. Hier ist noch keine Trendwende in Sicht", kritisierte Mascher.

Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) ist besorgt über das gestiegene Armutsrisiko von Kindern. Bild: Christian Hager/dpa
von Agentur DPAProfil

Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte, hatten Menschen in Baden-Württemberg und Bayern 2016 das geringste Risiko, in die Armut abzurutschen. Die Quote lag bei 11,9 Prozent im Südwesten und 12,1 Prozent im Freistaat. Der westdeutsche Durchschnitt lag bei 15, der ostdeutsche bei 18,4 Prozent.

Risiko trotz guter Zahlen

Als gefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat. In Bayern sind das laut VdK derzeit 1 039 Euro. Der VdK mahnte an, dass das Armutsrisiko in Bayern für Rentner trotz guter Zahlen gestiegen sei: Das Risiko betrage bei älteren Frauen 24,5 Prozent - eine Steigerung um 0,1 Prozentpunkte. Bei Männern sei die Quote von 18,5 auf 18,8 Prozent gestiegen. Armut habe viele Ursachen, teilte der VdK weiter mit: hohe Abschläge in der Rentenversicherung, ein wachsender Niedriglohnsektor, zu geringer Mindestlohn oder die Teilzeitfalle für Frauen.

Mascher fordert daher eine sozial gerechte Steuerpolitik - unter anderem mit höheren Spitzensteuersätzen für Spitzenverdiener, einer Vermögenssteuer, einer Finanzstransaktionssteuer und einer Reform der Erbschaftssteuer. Die Einnahmen könnten den ärmere Teilen der Bevölkerung zugutekommen, etwa für gute Bildung oder für die Unterstützung von Familien und Pflegebedürftigen. Dies müsse auf der Agenda der kommenden Bundesregierung ganz oben stehen, forderte Mascher.

Kinder im Nachteil

Besonders gefährdet sind nach Angaben des Bundesamtes auch Erwerbslose. Mehr als die Hälfte (52,9 Prozent) der Erwerbslosen im früheren Bundesgebiet und über zwei Drittel in den neuen Ländern (66,9 Prozent) waren 2016 gefährdet. In Bayern lag die Quote bei 48,1 Prozent. Auch Alleinerziehende sind überdurchschnittlich gefährdet: 42,4 Prozent der Alleinerziehenden-Haushalte im früheren Bundesgebiet und 46,9 Prozent in den neuen Ländern waren 2016 armutsgefährdet. In Bayern waren es 36,7 Prozent.

Auch der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) äußerte sich besorgt über das gestiegene Armutsrisiko von Kindern. "Kinderarmut ist auf einem neuen Hoch - trotz boomender Wirtschaft und niedriger Arbeitslosigkeit", erklärte DKSB-Präsident Heinz Hilgers in Berlin. Ein Grund sei, dass Arbeit nicht mehr vor Armut schütze. "Fast eine Million Kinder lebten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 2016 in Haushalten, wo Eltern trotz Berufstätigkeit mit Hartz IV aufstocken mussten."

Hilgers kritisierte eine "völlig verfehlte Kinder- und Familienförderung. Der Nachwuchs ist und bleibt für viele Familien ein Armutsrisiko". Die Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz, Barbara Eschen, sieht in der stagnierenden Armutsquote von fast 16 Prozent ein bedrückendes Zeugnis für die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik der letzten Jahre. "Die Bundesregierung hat kaum etwas getan, um die soziale Benachteiligung von Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund zu überwinden", erklärte Eschen.

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