08.06.2016 - 16:08 Uhr
Deutschland & Welt

Basaltwerk will Abbau in Richtung Naturschutzgebiet ausdehnen Teichelberg angebaggert

Für den Bund Naturschutz ist es eine "Arche Noah" der Heimat-Natur, für das Basaltwerk ein wichtiger Bodenschatz. Die Diskussion um den Teichelberg dauert schon lange. Und ist längst nicht ausgestanden.

Seit über 100 Jahren wird am Großen Teichelberg Basalt abgebaut. Nun will die Firma aber ihre Tätigkeit ausweiten. Dumm nur, dass das Gebiet gleich unter dreifachem Schutz steht. Archivbild: Grüner
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Pechbrunn. Seit fast 20 Jahren dauert nun schon das Tauziehen um den "Großen Teichelberg". Dort wird seit über 100 Jahren Basalt abgebaut. Und der soll sich laut der Betreiberfirma durch eine besondere Qualität auszeichnen, die es so kaum ein zweites Mal gibt, vor allem als Gleis-Schotter.

Kein zweites Mal gibt es allerdings das Naturschutz-Gebiet. 220 Arten Totholz bewohnender Pilze, 226 Nachtfalter-Arten und eine überaus reiche Käfer-Fauna sind dort gelistet. Bechstein- und Mopsfledermaus, Uhu und Schwarzstorch finden dort ein Zuhause, die Wildkatze hat sich etabliert. Und auch der Luchs wurde schon gesichtet.

Die Naturschützer schwärmen vom "wertvollsten und ursprünglichsten Wald der nördlichen Oberpfalz" und datieren die Blockschuttwälder mit ihren herrlichen Buchen. Linden und Bergahornen auf 230 Jahre. Das Waldgebiet stehe daher völlig zu Recht unter gleich dreifachem Schutz: als Naturwaldreservat, als Naturschutzgebiet und als europäisches Schutzgebiet.

Das Basaltwerk am Fuße des Teichelbergs wurde im Jahre 1888 von der Firma Staudt & Comp. gegründet. 1926 übernahm das Basaltwerk Groschlattengrün das Werk. 1963 erfolgte die Umbenennung in Basaltwerk Pechbrunn. Bis 1973 waren das Land Bayern und die Bahn Eigentümer. Danach wurde es an die Firmen Maurer, Schicker und EBAG verkauft. Nach anderen Erweiterungen und Eigentümerwechseln befindet sich das Basaltwerk Pechbrunn inzwischen im Besitz der Basalt AG aus Linz/Rhein, einem Großkonzern mit 450 Betriebsstätten. Zu den Gesellschaftern zählt die Wehrhahn-Gruppe.

Schon einmal stand der Basalt-Abbau zur Disposition. 1996 wurden der Firma - trotz erheblicher Bedenken - als letzten Kompromiss nochmals 17 Hektar schützenswerter Waldfläche zum Abbau zugestanden. Und ihr gut 15 Jahre Zeit gegeben, in ein im Regionalplan als Vorrangfläche für Basaltabbau nur wenige Kilometer entferntes 101 Hektar großes Abbaugebiet umzuziehen.

"Fünf vor Zwölf", also im Jahr 2011, reichte das Basaltwerk einen obligatorischen Rahmenbetriebsplan beim Bergamt Nordbayern ein, um so den Abbau in Richtung des Naturschutzgebiets voranzutreiben. Das wiederum gehört dem Freistaat Bayern und wird vom Forstbetrieb Waldsassen bewirtschaftet, der dort auch das Naturwaldreservat "Gitschger" vorhält. Im Dezember 2011 gab dann die Höhere Naturschutzbehörde eine 72-seitige Stellungnahme ab - gegen den Abbau. Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass schon bei der Ausweisung des Naturschutzgebiets ein Puffer von damals 17,5 Hektar zwischen der damaligen Abbaugrenze und dem Naturschutzgebiet eingeplant war.

Keine Befreiung

Im Ergebnis kam die Regierung zu dem Schluss, dass das Vorhaben wegen der Beeinträchtigung des FFH-Gebiets unzulässig ist. Auch die Voraussetzungen für eine Ausnahme oder Befreiung von den artenschutzrechtlichen Verboten lägen nicht vor. Gegen diesen Bescheid lief dann nicht nur die Firma mit dem Argument von Sturm, dass 15 Arbeitsplätze in Gefahr seien. Auch die Politik schaltete sich ein. (Nachgefragt)Bergamt wartet auf Unterlagen

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