15.10.2017 - 22:32 Uhr
Deutschland & Welt

Erstmals externer Manager an Spitze des Traditionshauses in Stein bei Nürnberg Faber-Castell setzt auf China

Stein. Der neue Chef von Faber-Castell, Daniel Rogger, setzt bei der Entwicklung des Stifteherstellers auf frische Ideen sowie Zuwächse in China. Zwar sei das Unternehmen bereits in der Volksrepublik präsent, könnte dort aber ein viel größeres Wachstumspotenzial ausschöpfen, sagte Rogger bei einem Pressgespräch im Firmensitz in Stein bei Nürnberg. Die starke Billigkonkurrenz in China schreckt ihn nicht. Vielmehr sei dies eine Chance, im Premiumsegment zu punkten.

Herr der Stifte: Daniel Rogger. Bild: Anna Seibel/Faber-Castell/dpa
von Agentur DPAProfil

"Wir wissen, dass der asiatische Konsument sehr markenbewusst ist und einen hohen Fokus auf Qualität legt", sagte Rogger. Im weltweiten Geschäft mit Luxusprodukten würden immerhin 50 Prozent des Umsatzes in Asien erzielt, rechnete der Firmenchef vor. Nach dem Hype um Malbücher für Erwachsene gelte es zudem, "neue Trends zu setzen". In die Suche nach Ideen sollen sich auch "Innovationslabore" in den jeweiligen Produktionsstandorten stärker einbringen als bisher, sagte Rogger. In solche Labors hole Faber-Castell Akteure aus der Start-up-Szene, die sich stärker austauschen sollen.

"Sie sollen Wege finden, wie wir unser analoges Schreiben und unser Zeichnen mit der digitalen Welt verknüpfen können. Da sind Projekte, die wir bisher wenig gemacht haben." Als Beispiel nannte er die von Faber-Castell in Brasilien entwickelte Smartphone-App "Floresta Sem Fim", über die Nutzer ein Foto einer eigenen Zeichnung hochladen können - diese wird dann zum Leben erweckt, indem sie sich dreidimensional bewegt. In Deutschland sei die App allerdings nicht zu haben. Man prüfe noch "globale Ansätze."

Großes Potenzial sieht der neue Chef auch in der Lust am Gestalten mit Stiften, die er als eine Art Gegenbewegung zur fortschreitenden Digitalisierung im Alltag versteht. Gerade der Run vieler Erwachsener auf Ausmal-Bücher hatte Faber-Castell im Geschäftsjahr 2015/2016 den bis dato höchsten Umsatz der Firmengeschichte beschert. Im Geschäftsjahr 2016/2017 verbuchte das Unternehmen einen neuen Rekordumsatz von 667 Millionen Euro - ein Plus von fünf Prozent. Fürs laufende Jahr rechnet Rogger mit etwas weniger Wachstum - nicht zuletzt wegen des abgeflauten Ausmal-Booms.

Vorgänger Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell war 2016 im Alter von 74 Jahren gestorben. Seit dem 1. Juni steht der Schweizer Rogger an der Spitze der Firma mit weltweit 8000 Mitarbeitern, davon 1100 in Deutschland - und damit erstmals in deren 256-jährigen Geschichte ein externer Manager.

Für Richemont und Swatch war Rogger viele Jahre in Hongkong tätig. Und gerade in Asien müsse das fränkische Traditionshaus künftig stärker angreifen. So entfielen 40 Prozent der weltweiten Geschäfte auf Südamerika, 35 Prozent auf Europa/Nordamerika sowie 25 Prozent auf Fernost. "Mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung ist unser Asien-Anteil im Moment ausbaufähig", räumte Rogger ein. In allem stimme er sich eng mit dem vierköpfigen Vorstand ab, dem auch Graf von Faber-Castells Witwe Mary angehört. Sie soll in den Aufsichtsrat rücken. Ihr Stiefsohn Charles leitet die Premiumsparte. Die Sorge, Vorstandschef auf Abruf zu sein, habe er nicht, stellt Rogger klar. "Meine Anstellung ist langfristig."

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