Euro-Krise ernüchtert deutsche Wirtschaft - Ifo-Index geht erneut zurück
Unsicherheit wächst

Wirtschaft BY
Bayern
25.04.2013
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Die Euro-Schuldenkrise und das politische Chaos in Italien drücken die gute Laune der deutschen Wirtschaft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex gab im April zum zweiten Mal in Folge nach und sank von 106,7 auf 104,4 Punkte. Das teilte das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mit. Damit fiel das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft stärker als von den meisten Experten erwartet.

Fachleute sehen zwar noch keine Trendwende für die Wirtschaft, aber ein deutliches Warnsignal, dass die Zeiten auch für die bisher sehr robusten deutschen Firmen schwerer werden könnten. "Die deutsche Konjunktur legt eine Verschnaufpause ein", sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Zwar bewerteten die Firmen ihre Lage nach wie vor als gut, dennoch herrsche in den Chefetagen mehr Zurückhaltung.

Neben den Nachwirkungen des Zypern-Dramas verunsichert die Lage in Italien wohl viele Manager. Das Land ist ein wichtiger Handelspartner für viele deutsche Firmen und die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Die EU jedenfalls ist besorgt, auch über die Situation in Frankreich. In beiden Ländern seien die Löhne zu hoch und die Schuldenberge gewachsen, sagte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn jüngst.

"Risiko gestiegen"

Volkswirte beobachten die Lage mit wachsendem Unbehagen. "Auch wenn der Trend beim Ifo noch immer klar nach oben zeigt, ist das Risiko deutlich gestiegen, dass sich die deutsche Wirtschaft nicht im Frühjahr erholt, wie die meisten Volkswirte und wir unterstellt hatten", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
"Die konjunkturelle Erholung in Deutschland scheint schwächer auszufallen als erwartet", hieß es von der Bayern-LB. Im Schlussquartal 2012 war die deutsche Wirtschaft geschrumpft; für 2013 reichen die Wachstumsprognosen von 0,4 bis 1,3 Prozent. Die Bundesregierung wird nach dpa-Informationen ihre Vorhersage von 0,4 auf 0,5 Prozent erhöhen.

Ifo-Experte Klaus Wohlrabe warnte vor Pessimismus. Von einer Trendwende könne man noch nicht sprechen. "Damit muss man sehr vorsichtig sein. Die Unternehmen waren zum Start ins Jahr sehr optimistisch". Die Euro-Krise sei vor der Zypern-Krise aus den Schlagzeilen und Köpfen fast verschwunden gewesen. Mit 104,4 Punkten sei der Ifo-Index wieder auf den Stand von Januar gerutscht. Man müsse abwarten, wie die Lage sich entwickele. "Der zweite Rückgang des Geschäftsklimas in Folge ist ein Warnsignal. Die Chance zur Erholung ist aber weiterhin da", sagte KFW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Für den deutschen Export sieht Zeuner vor allem Chancen in Übersee. "Die USA und Ostasien sehen wir trotz jüngst etwas schwächerer Indikatoren weiter auf Wachstumskurs."

Auf hohem Niveau

Insgesamt liegt der Ifo-Index noch immer auf einem vergleichsweise hohem Niveau. Ihre aktuelle Lage bewerten die Unternehmen im April zurückhaltender als im März. Der Wert sank von 109,9 auf 107,2 Punkte. Der Wert für die Erwartungen an die kommenden Monate ging von 103,6 auf 101,6 Punkte zurück.
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